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„Schmutziger Schnee“: Kritischer Krimi über Schwedens Extreme

Als eine zutiefst gespaltene Gesellschaft porträtiert Christoffer Carlsson in seinem neuen Krimi "Schmutziger Schnee" die schwedische gesellschaft der Gegenwart. Hier ein Blick auf Stockholm. Foto (bearbeitet, beschnitten und verfremdet): Johannes Akkach, Wikipedia, GNU-Lizenz

Als eine zutiefst gespaltene Gesellschaft porträtiert Christoffer Carlsson in seinem neuen Krimi „Schmutziger Schnee“ die schwedische Gesellschaft. Hier ein Blick auf Stockholm. Foto (bearbeitet): Johannes Akkach, Wikipedia, GNU-Lizenz

Brisanter Thriller von Nachwuchs-Autor Christoffer Carlsson

Der Nachwuchsmeister des verwobenen Krimis meldet sich wieder zu Wort: In seinem bravourösen zweiten Thriller „Schmutziger Schnee“ schickt der schwedische Autor und Kriminologe Christoffer Carlsson seinen Lieblingsermittler Leo Junker wieder in die Spur. Und der psychisch angeknackste Polizist gerät gleich mitten hinein in die Fronten zwischen der extremen Rechten und Linken in Schweden, als er einer Frage nachgeht: Warum musste der Soziologe Thomas Heber am Abend vor dem Luciafest in einem Stockholmer Hinterhof sterben?

Christoffer Carlsson. Foto: Sara Arnald

Christoffer Carlsson. Foto: Sara Arnald

Die Story:

„Schmutziger Schnee“ schließt sich erzählerisch fast nahtlos an Christoffer Carlssons Thriller „Der Turm der toten Seelen“ an. Der Kriminalist Leo Junker hat die alten Traumata kaum verwunden, pumpt sich heimlich immer noch mit angstlösenden Psychopharmaka voll und hat sich doch wieder dienstfähig gemeldet. Und gleich sein erster Fall nach dem Neustart erweist sich rasch als hochbrisant: Der abgestochene Soziologe Thomas Heber nämlich recherchierte im schwedischen Neonazi- und Ultralinken-Milieu und stieß dabei anscheinend kurz vor seinem Tod auf brisante Informationen. Das ruft nun den Geheimdienst, die SÄPO auf den Plan, die der Kripo den Fall zu entziehen versucht. Das stachelt Junkers Neugier aber nur noch mehr an…

 

„Wir haben uns irgendwo unterwegs verirrt. Aus dem Volksheim wurde das Volksheim … Vielleicht hat sich deshalb jemand getraut, ,Schweden den Schweden’ an eine Hauswand in Bandhagen zu schreiben.“

Zitat aus „Schmutziger Schnee“

Videogruß des Autors an
seine deutschen Leser:

Stil und Story-Konstruktion

Der erst 29 Jahre junge Krimiautor Christoffer Carlsson hat eine ganz eigene elaborierte Erzählweise entwickelt, die sich an zwei Grundgedanken orientiert. Erstens: Wir können niemals alles wissen. Und zweitens: Jeder noch so kleine Misstritt der fernen Vergangenheit wirkt nach bis in die Gegenwart. Diesen Konstruktionsprinzipien folgt auch „Schmutziger Schnee“ und lässt offensichtlich ganz absichtlich allerlei Fragen im Detail offen. Immer wieder jongliert Christoffer Carlsson mit den vielen Ungewissheiten einer Ermittlung, mit den Schwächen seiner Ermittler, unterläuft die Erwartungen des Lesers. All dies ist nicht jedermanns Sache, macht aber Story und Akteure noch dichter, noch authentischer.

Fazit: Faszinierend gewobener Politkrimi

„Schmutziger Schnee“ ist nicht ganz so komplex wie der Vorgänger „Der Turm der toten Seelen“, aber ähnlich faszinierend gewoben. Wem im Wechselspiel zwischen Links und Rechts seine Sympathien gelten, darüber lässt der Autor wenig Zweifel. Und so ist sein Krimi auch ein kritischer Blick auf die gespaltene schwedische Gesellschaft der Gegenwart. Sein Buch ist anklagend, dabei aber glücklicherweise nie plakativ. Immer wieder lässt Carlsson das Motiv der rechtsäugig blinden Justitia durchschimmern und fragt implizit: Wie kann es sein, dass sich die schwedische Polizei immer wieder in ihren Ermittlungen auf die linke Szene stürzt, die Rechten dagegen aus dem Blick verliert? Insofern sieht sich Carlsson vermutlich nicht nur stilistisch in der Tradition von Stieg Larssons Millennium-Büchern, sondern auch politisch.

Werbung: Erhältlich ist der Krimi "Schmutziger Schnee" u.a. hier:

Schmutziger Schnee: Thriller Bd. 2

Bereits im Herbst bekommen wir übrigens Nachschlag vom neuen Krimimeister: Dann erscheint der dritte Leo-Junkers-Krimi in Deutschland, Titel: „Der Lügner und sein Henker“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Schmutziger Schnee von Christoffer Carlsson. Foto: Random House

Schmutziger Schnee von Christoffer Carlsson. Foto: Random House

Christoffer Carlsson: „Schmutziger Schnee“ (schwedischer Krimi), deutsche Übersetzung: Verlag C. Bertelsmann / Random House, München 2016, Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann, 416 Seiten, ISBN 978-3570102336, 15 Euro (eBook: 12 Euro), eine Leseprobe gibt es hier

Zum Weiterlesen:

Lisbeth trickst die NSA aus – 4. Teil der Millenium-Trilogie erschienen

Der Turm der toten Seelen: Die Geister der Vergangenheit geben keine Ruhe

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