Künstliche Intelligenz, News, zAufi

Sachsens braucht KI-Hub und spezielle KI-Studiengänge

So stellt sich die Bildgenese-Instanz Dall-E der Künstlichen Intelligenz von OpenAI "Weltwissen" vor. Womöglich könnten die KIs in der Praxis mit diesem Konzept das bisherige Urheberrecht aushöhlen. Visualierung: Dall-E

Visualisierung: Dall-E

Staatssekretärin Fröhlich: Künstliche Intelligenz sollte schon in der Schule ein Thema sein

Dresden, 17. Mai 2024. Um im internationalen Wettbewerb um bessere „Künstliche Intelligenzen“ (KI) voranzukommen, wäre einen Vernetzungsplattform für die sächsische KI-Industrie sinnvoll – womöglich unter dem Dach des „Smart Systems Hub“. Das hat die sächsische Wirtschafts-Staatssekretärin Ines Fröhlich (SPD) im Zuge einer KI-Unternehmenstour vorgeschlagen. Außerdem brauche Sachsen spezielle KI-Studiengänge, eingebettete KI-Lernmodule in mehr Fachstudiengängen, schulische Bildungsangebote rings um „Künstliche Intelligenzen“ sowie bessere Risikokapital-Zugänge für junge KI-Firmen.

Ehrgeizige Pläne in Sachsen

Sachsen hat Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie für zahlreiche Branchen, Forschung und andere Gesellschaftssektoren eingestuft. Mit einer eigenen KI-Strategie will der Freistaat im internationalen Wettbewerb aufholen. Punkten können sächsische Unternehmen unter anderem bei einigen industrie- und generell wirtschaftsnahen KI-Lösungen.

Wirtschafts-Staatssekretärin Ines Fröhlich testet das KI-Stellenausschreibungs-System von Speechmind Dresden. Im Hintergrund ist Speechmind-Geschäftsführer Richard Fankhänel zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschafts-Staatssekretärin Ines Fröhlich testet das KI-Stellenausschreibungs-System von Speechmind Dresden. Im Hintergrund ist Geschäftsführer Richard Fankhänel zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsens KI-Industrie auf Industrie, IoT, Medizin und Datenanalyse spezialisiert

Dabei fokussiere sich die sächsische KI-Branche vor allem auf sechs Schwerpunkte, so Fröhlich: „Neben dem autonomen Fahren sowie Halbleitererzeugnissen, sind dies die Automatisierung industrieller Produktion, das Internet der Dinge, Medizin- und Gesundheitsanwendungen sowie die datenbasierte Optimierung von Geschäftsabläufen“. Anderseits gibt es mit der Dresdner Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), der TU Dresden und weiteren Einrichtungen auch Forschungsinstitute, die an den ganz großen KI-Themen mitarbeiten: an großen Sprachmodellen beispielsweise oder KI-Transparenz. Insgesamt sind laut einer vom Freistaat beauftragten Studie knapp 200 KI-Unternehmen in Sachsen aktiv. 43 Prozent dieser Firmen residieren in Dresden, das als sächsische KI-Hochburg gilt. Aktuell bieten acht Hochschulen und Universitäten insgesamt 48 Studiengänge mit KI-Inhalten an.

In den Niederlanden gibt es schon seit Jahrzehnten spezielle KI-Studiengänge

Aber gerade hier gibt es auch hier Nachholbedarf. So fehlen etwa eigene KI-Studiengänge. Anders übrigens als beispielsweise in den Niederlanden: Dort habe er bereits vor 27 Jahren „Künstliche Intelligenz“ studieren können, berichtet Technologiedirektor Walter de Back vom Dresdner Medizin-KI-Unternehmen „Katana Labs“.

Ulbrichts KI-Hype verstetigte sich nicht

Sachsen hinkt da ein ganzes Stück hinterher: Zwar gab es auch schon zu DDR-Zeiten in der Ulbricht-Ära einen großen KI-Hype, doch daraus hat sich keine kontinuierliche Technologieentwicklung oder systematische KI-Ausbildung ergeben. Entsprechend beklagen Unternehmen wie die TU-Ausgründung „Smart Nanotubes Technologies“, die inzwischen in Freital „künstliche Nasen“ auf der Basis von Kohlenstoff-Nanoröhrchen und KI-Elektronik baut, spürbare Nachschubprobleme beim akademischen KI-Nachwuchs. Zudem gibt es auf dem sächsischen Arbeitsmarkt auch jenseits der hochspezialisierten KI-Softwareexperten schlichtweg zu wenig Fachkräfte, die sich mit dem KI-Einsatz hinreichend auskennen.

Noch zu wenig Karriere-Optionen für Spitzentalente

Dies wiederum hängt nicht allein mit unzureichenden Studien- und Ausbildungskapazitäten in Sachsen zusammen, sondern auch mit den Karrierechancen im Freistaat: Zwar ist die Nachfrage aus der Wirtschaft da, doch anderswo in Deutschland oder etwa in den USA können Absolventen oft an interessanteren Projekten mitarbeiten und bekommen oft auch höhere Gehälter. Das funktioniert in der sächsischen Halbleiterindustrie besser: Auf Stellen bei Infineon, Globalfoundries, Bosch & Co. bewerben sich auch internationale Spezialisten, weil sie im Raum Dresden in ihrem Fach mehr als eine Karrieremöglichkeit haben. Insofern müsse der sächsische Arbeitsmarkt für KI-Fachleute attraktiver werden, damit die mit hohem Aufwand hier ausgebildeten Talente nicht gleich ins Ausland abwandern, meint auch Ines Fröhlich.

KI-Bildung soll schon in der Schule beginnen

Sinnvoll sei es, mit der Bildung rund ums Thema „Künstliche Intelligenz“ schon an den Schulen und Berufsschulen zu beginnen, betont die Staatssekretärin: Einerseits solle dies früh ein Grundverständnis von KI-Technologien wecken. Andererseits könnten solche Bildungsangebote Kindern und Jugendlichen für Risiken sensibilisieren, die aus dem unbedachten Umgang mit KI-Technologien erwachsen können. So kann ein geschultes Auge eher per KI gefälschte Bilder und Videos erkennen – oder auch die sogenannten „Halluzinationen“, die verpeilte KIs dazu bringen, völligen Unsinn zu produzieren.

Vorsprung der US-Branchenriesen ist groß

Klar ist jedenfalls: Der Vorsprung der US-Amerikaner und Chinesen ist groß. Die deutsche und sächsische Aufholjagd wird einen langen Atem und viel Ressourcen brauchen. So sind viele KI-Programme aus Sachsen Nischenlösungen, die in vielen Punkten noch auf die Technologien von OpenAI, Microsoft, Amazon, Google & Co. angewiesen sind. Denn GaiaX, große europäische Sprachmodelle und dergleichen Alternativen aus Europa stecken immer noch in den Kinderschuhen. In puncto Leistungskraft, Funktionsvielfalt und Komfort seien die Rechnerwolken („Clouds“), Sprachmodelle und anderen KI-Technologien der „Hyperscaler“ aus den USA oft europäischen Lösungen spürbar überlegen, schätzten beispielsweise die Gründer des KI-Unternehmens „Speechmind“ in der Gründungsschmiede der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) ein.

GaiaX und Sprachmodelle aus Europa kommen nur langsam in Gang

Immerhin arbeiten auch mehrere Akteure aus Sachsen an eben diesen Herausforderungen: So entwickelt das Fraunhofer IAIS Dresden an europäischen Sprachmodellen wie „OpenGPT-X“ und „Eurolingua-GPT“ mit. Zudem engagieren sich Dresdner Unternehmen wie „Cloud & Heat“ und National Instruments Dresden an der paneuropäischen Rechnerwolke „Gaia-X“, „Catena-X“ und „Manufacturing-X“ mit, die auf industrienahe Cloud-Lösungen inklusive KI-Technologien zielen. Bis die mit der US-Konkurrenz gleichauf ziehen, dürfte aber wohl noch einige Zeit vergehen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Oiger-Archiv, Wikipedia, Speechmind, HTWD, Katana Labs, Smart Nanotubes Technologies, Catena-X Automotive Network

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt