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Künstliche Intelligenzen statt Menschen sollen Fern-Raumfahrer werden

So etwa soll das europäische Athena-Raumschiff aussehen. Visualisierung: Esa

Sonden mit sehr großen Sonnensegeln und Laserantrieb könnten womöglich den interstellaren Raum überwinden. Das Bild hier zeigt allerdings keine Lasersonde, sondern eine künstlerische Projektskizze vom europäischen Raumteleskop Athena, das ebenfalls mit großen Solarsegeln konzipiert war. Visualisierung: Esa

Dresdner TU-Professor schlägt lasergetriebene KI-Sonden für Reise nach Alpha Centauri vor

Dresden, 1,. Oktober 2022. Wenn schon unsere lahmen Raumschiffe keine Menschen binnen einer Lebensspanne in weit entfernte Sonnensysteme bringen können – dann gelingt das vielleicht mit „Künstlichen Intelligenzen“ in Laserraumsonden. Das hat Prof. Martin Tajmar von der Technischen Universität Dresden (TUD) beim „71. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress“ (DLRK) in Dresden vorgeschlagen.

Solarsegel-Laser-Antrieb wohl kaum für bemanntes Generationenschiffe geeignet

Demnach könnte man die KIs in kleine Sonden stecken, die – zumindest im intrastellaren Raum – mit großen Sonnensegeln den Strom generieren, um einen Superlaser an Bord zu speisen. Der könnte dann genug Antriebskraft aufbringen, um die Sonde bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit zu bringen. Schon wegen der starken Beschleunigung könnte dies kein Mensch überleben. Ganz abgesehen davon würde die Reise selbst zum nächsten, nur 4,2 Lichtjahre entfernten Sternensystem Alpha Centauri trotz Laserantrieb immer noch Jahrzehnte dauern. Und ein Generationenschiff, in dem aufeinanderfolgende Menschen-Generationen das Raumschiff bis zur Ankunft im nächsten Sonnensystem am Laufen halten, wäre ohnehin viel zu schwer für diese Kombination aus Antriebs- und Energiekonzept. Kleine lasergetriebene KI-Sonden hingegen, die weder Tod noch Langeweile kennen, könnten der Menschheit durchaus eine Chance bieten, endlich mal bei unseren kosmischen Nachbarn vorbeizuschauen. Wobei es nach derzeitigem Erkenntnisstand allerdings eher unwahrscheinlich erscheint, dass auf Alpha Centauri Außerirdische leben…

DGLR-Präsident Roland Gerhards (links) und Prof. Hartmut Fricke (rechts) am Modell eines Nass-Düsentriebwerks beim 71. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK). Foto: Heiko Weckbrodt

Die Kongressorganisatoren DGLR-Präsident Roland Gerhards (links) und Prof. Hartmut Fricke (rechts) am Modell eines Nass-Düsentriebwerks beim 71. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK). Foto: Heiko Weckbrodt

Teilnehmerrekord in Dresden

Neben diesem exotischen Thema hatte sich der Kongress in Dresden unter anderem sparsamen und umweltfreundlicheren Flugzeugantrieben, der Zukunft der ISS, einem möglichen Raketenstartplatz in der Lausitz, der Nachwuchsgewinnung in der Luft- und Raumfahrt sowie weiteren Branchenthemen gewidmet. Zum 71. Kongress der „Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt“ (DGLR) waren über 700 Wissenschaftler, Ingenieure, Manager und andere Branchenvertreter gekommen. Dies war ein neuer Teilnahmerekord, informierte DGLR-Präsident Roland Gerhards. „Die starke Resonanz auf den DLRK 2022 zeigt, wie wichtig solche Veranstaltungen für den Austausch und das Vernetzen sind. Es besteht ein enormer Nachholbedarf in der Luft- und Raumfahrtbranche, sich wieder gemeinsam in Präsenz zu treffen und zu diskutieren.“

Den nächsten „Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress“ will Roland Gerhards vom 19. bis 21. September 2023 im „Haus der Wirtschaft“ in Stuttgart ausrichten.

Autor: hw

Quelle: DGLR, Oiger-Archiv