Astrophysik & Raumfahrt, Luftfahrt, News, zAufi

Mit Superlasern zu den Sternen: Luft- und Raumfahrtkongress in Dresden

Das sind die bisher besten Aufnahmen, die der Menschheit durch das Hubble-Teleskop von unserem Nachbar-Sonnensystem vorliegen, das aus drei Sternen besteht: dem hier nicht sichtbaren roten Zwerg Proxima Centauri sowie dem Doppelgestirn Alpha Centauri A (links) und B (rechts). Abb.: ESA/NASA

Das sind die bisher besten Aufnahmen, die der Menschheit durch das Hubble-Teleskop von unserem Nachbar-Sonnensystem vorliegen, das aus drei Sternen besteht: dem hier nicht sichtbaren roten Zwerg Proxima Centauri sowie dem Doppelgestirn Alpha Centauri A (links) und B (rechts). Abb.: ESA/NASA

Rund 700 Experten wollen sich über Öko-Antriebe für Flugzeuge, neue Raumsonden-Konzepte und kosmische Küsse austauschen

Dresden, 8. September 2022. Bringen uns schon bald superschnelle Sonden mit neuartigen Laserantrieben Kunde von Alpha Centauri und anderen Nachbar-Sonnensystemen, die mit chemischen Raumschiffantrieben nahezu unerreichbar erscheinen? Können fliegende Brennstoffzellen und „nasse Gasturbinen“ für fast abgasfreie Flugzeuge sorgen? Und wie fühlt sich eigentlich ein kosmischer Kuss an? Über diese und weitere Weichenstellungen für die Zukunft wollen sich Forschende, Ingenieure und Professoren aus Deutschland und dem Ausland auf dem „71. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress“ (DLRK) vom 27. bis 29. September 2022 in Dresden austauschen.

Noch nie so viele Fachbeiträge

Mit rund 700 Teilnehmern und über 400 Vorträgen erwartet die „Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt“ (DGLR) als Veranstalter nach zweijähriger Pandemie-Pause neue Rekorde. „Wir haben seit dem ersten Kongress 1952 noch nie so eine hohe Anzahl an eingereichten Fachbeiträgen erhalten“, berichtet DGLR-Präsident Roland Gerhards.

Astronaut und Werkstoffwissenschaftler Matthias Maurer bei einem früheren Besuch in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Astronaut Maurer berichtet über Drachen-Flug und KI-Experimente

Zu den Star-Gästen gehört Matthias Maurer: Der deutsche Astronaut will im Deutschen Hygienemuseum in Dresden über seine Mission „Cosmic Kiss“ (Kosmischer Kuss) berichten, die er 2021/22 zunächst in einem Drachenraumschiff („Dragon“) von Elon Musk und dann an Bord der Internationalen Raumstation ISS absolviert hat. Dabei war er für über 100 Experimente verantwortlich, die sich den Lebens- und Materialwissenschaften, der Physik, Biologie, Medizin, Technologieentwicklung, Künstlichen Intelligenz (KI) und Erdbeobachtung widmeten.

Wet-Erklärvideo von MTU:

Weniger Flugzeug-Abgas durch nasse Turbinen

Kaum weniger faszinierend dürften zwei Präsentationen über revolutionäre Antriebssysteme für die Luft- und für die Raumfahrt sein. So will Dr. Martin Stadlbauer von der Münchner „MTU Aero Engines AG“ einerseits skizzieren, wie wasserstoff-betriebene Brennstoffzellen die Umweltbilanz künftiger Flugzeuge verbessern können. Anderseits stellt er die sogenannten „Wet Engines“ der MTU vor: Diese „Water-Enhanced Turbofans“ (WET) gewinnen aus den Abgasen von Gasturbinen-Triebwerken die Abwärme und Wasser zurück, erzeugen damit Wasserdampf, den sie in die Brennkammer einspritzen. Die Ingenieure sind überzeugt, mit diesem Konzept den Treibstoffverbrauch wie auch die Kohlen- und Stickstoffoxide sowie die Kondensstreifen in Flugzeugabgasen deutlich reduzieren zu können. Ab 2035 sollen diese neuen Nasstriebwerke einsatzbereit sein.

Künstlerische Darstellung des erdähnlichen Planeten um Alpha Centauri B. Abb.: ESO

Künstlerische Darstellung des erdähnlichen Planeten um Alpha Centauri B. Abb.: ESO

Wo noch nie ein Mensch gewesen ist

Weit über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus führt eine andere innovative Antriebsvision, die Prof. Martin Tajmar von der TU Dresden auf dem DLR-Kongress erläutern will. Hintergrund: Mit traditionellen chemischen oder Ionen-Antrieben würde ein Raumschiff Jahrzehnte oder wohl eher sogar Jahrhunderte brauchen, bis wir unsere Nachbar-Sterne besuchen können – und sei es auch unsere „nur“ 4,2 Lichtjahre entfernten nächsten Nachbarn Proxima und Alpha Centauri. Selbst die Voyager-Sonden haben es bisher gerade so bis an die „Grenze“ unseres Sonnensystems und zum Beginn des interstellaren Raums geschafft.

Nahe an die Lichtgeschwindigkeit heran

Daher arbeiten Initiativen wie „Breakthrough Starshot“ das Konzept, wenigstens kleine Raumsonden mit Superlaser-Antrieben bis auf ein Fünftel der Lichtgeschwindigkeit, also etwa 60.000 Kilometer je Sekunden, zu bringen. Die Energie dafür sollen Sonnensegel liefern. Angesichts der absehbaren Beschleunigungen von mehreren 10.000 G, die jeden Menschen zerquetschen würden, sind damit zwar keine bemannten Reisen in die Weiten des Alls möglich. Doch ein Nanosonden-Flug nach Proxima Centauri und erste Bilder mit Lichtgeschwindigkeit zurück wären damit zumindest theoretisch binnen 35 Erdenjahren (ohne relativistische Effekte) vorstellbar – wenn denn die Superlaserantriebe jemals zur Einsatzreife gelangen.

Dresdner Uni testet treibstofflose Raumschiff-Antriebe

„An der TU Dresden wurden einmalige Teststände entwickelt, mit denen ganz gezielt treibstofflose Antriebe mit bisher ungeahnter Genauigkeit untersuchen werden können“, heißt es in der DLRK-Ankündigung. Die Hoffnung dabei: „Schlupflöcher zu finden, mit denen wir vielleicht doch noch zu den Sternen reisen können.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: DLRG, Aeroreport, MTU, Wikipedia