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Mehr Holzhäuser für Sachsen

Ein Zusatzgeschoss aus Holz bei Lepski in Dresden-Reick. Solche Aufstockungen aus Holz sind - soweit die jeweilige Bauordnung das zulässt - oft leichter und statisch unproblematisch realisieren als aus Stein. Foto: SMR

Ein Zusatzgeschoss aus Holz bei Lepski in Dresden-Reick. Solche Aufstockungen aus Holz sind – soweit die jeweilige Bauordnung das zulässt – oft leichter und statisch unproblematisch realisieren als aus Stein. Foto: SMR

Alter Werkstoff gewinnt in Industrie und auf dem Bau wieder an Bedeutung

Dresden, 13. August 2022. Holz gewinnt nicht nur für den Fahrzeug-Leichtbau, Fabrikrollregale und andere Industriezwecke wieder an Bedeutung, sondern auch im Hausbau. „Holz als leichter Werkstoff ist besonders gut geeignet für Erweiterungen auf bestehenden Gebäuden“, heißt es dazu vom sächsischen Regionalministerium (SMR). „Aufstockungen sind ganz besonders in Ballungsgebieten gefragt, um Wohnraum durch Nachverdichtung zu schaffen. In Bürogebäuden schafft eine Aufstockung Platz für neue Arbeitsräume.“ Daher fördere auch die sächsische Regierung diesen Trend, betonte Thomas Schmidt (CDU): „Durch die jüngste Novellierung der sächsischen Bauordnung haben wir Erleichterungen für den modernen Holzbau geschaffen.“

Zimmerer stockt Firmengebäude in Reick mit Holz auf

Jüngstes Beispiel für die Holzrenaissance auf dem Bau ist eine Firmenerweiterung bei Holzbau Lepski in Dresden-Reick: Der Betriebschef ist in Personalunion auch Obermeister der Zimmererinnung Dresden und hat sich entschieden, eines seiner Bestandsgebäude aus dem Jahr 2014 in Holzbauweise um ein Geschoss aufzustocken. In der neuen Etage sind unter anderem ein Großraumbüro mit sechs Arbeitsplätzen, zwei Einzelbüros und ein Besprechungsraum entstanden.

Obermeister: Nachfrage nach Häusern aus Holz ist sehr groß

„Die Nachfrage nach Häusern aus Holz ist sehr groß“, erklärte Obermeister Lepski. „Auch deshalb haben wir uns für eine Betriebserweiterung entschieden.“

TU-Diplomarbeit: Holzbau ist teurer, aber schneller und ökologischer

Laut einer Untersuchung für das Regionalministerium, die im Zuge einer Diplomarbeit an der TU Dresden zustande gekommen war, kosten Holzhäuser zwar 63 Euro mehr pro Quadratmeter als vergleichbare Massivbau-Häuser. „Diesen geringfügig höheren Baukosten steht eine deutlich kürzere Bauzeit gegenüber, die insbesondere daraus resultiert, dass beim Holzbau in der Regel Bauteile vorgefertigt werden, die auf der Baustelle dann nur noch montiert werden müssen“, zitierte das Ministerium aus der Arbeit. „Darüber hinaus fällt auch die Umweltbilanz des Holzbaus deutlich günstiger aus. So lagen die CO2-Emmissionen bei der Holzbauweise rund 300 Kilogramm pro Quadratmeter niedriger als bei den untersuchten Gebäuden in Massivbauweise.“ Der Diplomand hatte für seine Abschlussarbeit, die Kosten, die Bauzeit und andere Faktoren beim Bau von je drei Dresdner Kindertagesstätten in Holz- beziehungsweise Massivbauweise verglichen.

Holzbaukompetenzzentrum: Sachsen war lange eine Wiege des industriellen Holzbaus

Um den Holzeinsatz auf dem Bau, in technologischen Sektoren und als Ersatz für andere Werkstoffe zu fördern, ist unter anderem im August 2021 ein Holzbaukompetenzzentrum Sachsen in Dresden entstanden. Das in Dresden ansässige Unternehmer will insbesondere den Einsatz von Holz im Bauwesen forcieren. Immerhin sei Sachsen bis Anfang des 20. Jahrhundert die „Wiege des modernen, industriellen Holzbaus“ gewesen, heißt es vom Zentrum, das auf Beispiele wie die Deutschen Werkstätten Hellerau, die Firma Höntsch und auf „Christoph & Unmack“ aus Niesky verweist. „Hans Scharon, Henry van de Velde, Hans Poelzig, Albin Müller und viele weitere Architekten waren maßgeblich an der Entwicklung moderner Holzhäuser in Fertigbauweise beteiligt.“ Es sei „nur noch eine Frage der Zeit, bis wir an die ehemaligen Erfolge anknüpfen und diese ausbauen werden“. Zu den Mitgliedern des Holz-Kompetenzzentrums gehören der Förderverein des Holzbauforschungszentrums Leipzig, das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD), der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, die Zimmererinnung Dresden und „Lignosax“.

Auch für Industrie spielt Holz wieder eine wachsende Rolle

Letzterer ist ein Verband, der sich als Vertreter der wieder erstarkenden Holz- und Papierindustrie versteht, neue technologische und wissenschaftliche Projekte rund um diese Materialien unterstützt und sich auch für die Weiterbildung in diesem Sektor engagiert. Mitglieder im „Lignosax“ sind die Berufsakademie Sachsen, die Ostdeutsche Gesellschaft für Forstplanung (OFP), die Papiertechnische Stiftung (PTS) in Heidenau, das IHD, die Professur für Holztechnik und Faserwerkstofftechnik der TU Dresden sowie der „Verband der Holz und Kunstoffe verarbeitenden Industrie Sachsen“ (VHKS). Gerade im Industriesektor spielt Holz eben auch wieder eine größere Rolle, weil es einerseits leicht ist, sich gut für die Ökobilanz eines Unternehmens macht und weil der Technologietransfer aus dem Carbonbau und anderen Hightech-Sektoren inzwischen auch sehr stabile und langlebige Holzbauteile möglich gemacht hat.

Christoph Alt ist der Chef von Ligenium Chemnitz. In der VW-Manufaktur Dresden entwickelt er unter anderem solche Rollregale (fachsprachlich "Ladungsträger" genannt) aus Holz statt Stahl. Foto: Heiko Weckbrodt

Christoph Alt ist der Chef von Ligenium Chemnitz. In der VW-Manufaktur Dresden entwickelt er unter anderem solche Rollregale (fachsprachlich „Ladungsträger“ genannt) aus Holz statt Stahl. Foto: Heiko Weckbrodt

Betten aus Papier und Fahrräder aus Holz

Zu den holz- und papierbasierten Innovationen, die Sachsen in jüngster Zeit hervorgebracht hat, gehören Papier-Feldbetten für Notlager, Fahrräder aus Holz, hölzerne Rollregale für VW-Autofabriken und dergleichen mehr. Beim Holzhaus-Bau hat der Freistaat aber noch „Potenzial“ nach oben, wie das Regionalministerium selbst einschätzt: 2019 habe der Anteil der Neu-Wohnbauten aus Holz in Sachsen bei 16,1 Prozent gelegen. Der deutsche Durchschnitt liege dagegen bei 18,7 Prozent, Baden-Württemberg komme sogar auf 31,9 Prozent.

Laut VHKS gibt es in Sachsen rund 300 Unternehmen, die Holz und Kunststoff verarbeiten. Sie haben in Summe etwa 21.000 Beschäftigte und kommen auf einen summierten Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMR, Lignosax, Holzbaukompetenzzentrum Sachsen, Oiger-Archiv, VHKS

Zum Weiterlesen:

Renaissance von Holz und Papier in Sachsen

Hilfsbetten aus Pappe