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Silicon Saxony fordert wegen Glofo-Ausbau in USA mehr Tempo in Europa

Frank Bösenberg. Foto: Silicon Saxony/ PR

Frank Bösenberg. Foto: Silicon Saxony/ PR

„Die Umsetzungsgeschwindigkeit muss sich dramatisch beschleunigen“

Dresden, 20. Juli 2021. Mehr Tempo bei staatlichen Mikroelektronik-Förderprogrammen in Deutschland fordert der sächsische Hochtechnologie-Branchenverband „Silicon Saxony“ (Silsax) mit Blick auf die jüngste Entscheidung von Globalfoundries, nahe New York eine neue Chipfabrik zu bauen. Dies sei ein „Weckruf“ für die deutschen Politiker und schaffe „in Europa Tatsachen im globalen Wettlauf um Produktionskapazitäten in Zeiten des Chip-Mangels“, betonte Silsax-Geschäftsführer Frank Bösenberg, heute in Dresden.

Diskussionen um Ausbau und Neuansiedlungen ziehen sich hin

Zwar unternehmen die EU und 19 ihrer Mitgliedsstaaten derzeit einen neuen Versuch, die schrumpfenden Weltmarktanteile der europäischen Mikroelektronik wieder zu verbessern. In diesem Zuge sollen 145 Milliarden Euro aus den Corona-Wiederaufbauprogrammen in die Halbleiterindustrie fließen. Geplant ist, einerseits bereits existierende Elektronikunternehmen zu stärken und auszubauen, andererseits auch eine neue Mega-Chipfabrik der Spitzenklasse in Europa anzusiedeln – sei es nun aus eigener Kraft in Form einer „Eurofoundry“ oder durch subventionierte Investitionen von Intel, TSMC oder Samsung im EU-Raum. Dafür steht unter anderem Dresden als Standort zur Debatte. Abgewickelt werden sollen diese Industriebeihilfen als „Wichtige Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse in der Mikroelektronik“ in der 2. Stufe (Ipcei ME2).

Förderung winkt auch anderswo

Die Verhandlungen um die Ausbau-Zuschüsse ziehen sich aber nach dem Geschmack der Sachsen zu lange hin: „Die Umsetzungsgeschwindigkeit muss sich dramatisch beschleunigen“, forderte Bösenberg. „Die Industrie in Europa braucht jetzt eine verbindliche Zusage über eine öffentliche Ko-Finanzierung. Nur so hat sie Argumente, um die Investitionen für geplante Kapazitätserweiterungen in Europa zu sichern. Anderenfalls bauen Chip-Unternehmen ihre Standorte außerhalb Europas weiter aus, wo Staaten ebenfalls ein strategisches Interesse an einer starken Halbleiterindustrie haben und deshalb Förderung bereitstellen.“

Glofo hat Aus- und Neubau in USA angekündigt

Der US-Konzern „Globalfoundries“ betreibt auch in Dresden eine große Chipfabrik und will diese auch ausbauen. Für seinem US-Standort in Malta bei New York hat Glofo nun aber nicht nur einen milliardenteuren Ausbau der bestehenden Fab 8, sondern zudem den Bau einer ganz neuen Chipfabrik angekündigt, um die Produktionskapazitäten dort zu verdoppeln. In den Neubau fließen anscheinend erhebliche Subventionen der Bundesregierung in Washington, des Bundesstaates New York sowie Finanzbeteiligungen von Kunden. Glofo-Konzernchef Tom Caulfield nennt solche Subventionen gern euphemistisch „Private-Public-Partnership“.

Welche Kunden sich beteiligen und wieviele Beihilfen insgesamt fließen, teilte Glofo-Konzernchef Tom Caulfield – der noch vor kurzem auch in Dresden mögliche Subventionen ausgelotet hatte – nicht genau mit. Da in der Glofo-Mitteilung aber auch „ehemalige Pentagon-Beamte“ in Caufelds Begleitung erwähnt werden und sich Globalfoundries in den USA dem Vernehmen nach auch immer wieder um Rüstungsaufträge bemüht, ist nicht auszuschließen, dass ein Teil der Fabrikzuschüsse vom Militär kommt. Dieser Punkt könnte neben den direkten staatlichen Subventionen auch ein Argument für den Fabrik-Neubau in den USA gegeben haben: Das Pentacon vergibt viele Aufträge nur an besonders zertifizierte Unternehmen, die vorzugsweise in den USA fertigen sollen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Silsax, Glofo, Oiger-Archiv