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Infineon Dresden: Heimarbeit auch für viele Fabrikjobs möglich

Heimarbeit alias Home Office ist wieder auf dem Vormarsch - aber kommt bei neuen Stellen kaum alös Lockangebot vor. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Heimarbeit alias Home Office ist in Corona-Zeiten weit verbreitet – aber das Potenzial wird längst nicht ausgeschöpft, meint das Ifo-Institut. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Ifo-Forscher sind wegen Corona für eine „Home Office“-Pflicht in Deutschland

Dresden/München, 6. März 2021. Heimarbeit ist während des Corona-Ausnahmezustandes vor allem im Dienstleistungssektor üblich. Aber entgegen weitverbreiteten Annahmen können auch viele Industrie-Tätigkeiten aus dem Produktionsprozess von zu Hause erledigt werden. Darauf hat Raik Brettschneider, einer der beiden Geschäftsführer von Infineon Dresden, auf Oiger-Anfrage hingewiesen.

Hoher Automatisierungsgrad: Anlagen lassen sich heute aus der Ferne steuern

In den Dresdner Chipfabriken von Infineon beispielsweise haben demnach wegen Corona 90 Prozent der Büroarbeiter auf Heimarbeit umgesattelt – aber eben auch viele, die sonst in den Reinräumen in der Halbleiter-Produktion unterwegs waren. Inzwischen haben laut Brettschneider die Chipfabriken einen derart hohen Automatisierungsgrad erreicht, dass sich viele Anlagen auch aus der Ferne überprüfen, steuern und warten lassen. „Natürlich müssen manche Arbeiten weiter vor Ort gemacht werden“, sagte der Geschäftsführer. Aber es lassen sich doch eben viel mehr als früher von außerhalb erledigen. Dies betreffe beispielsweise Tätigkeiten von Ingenieuren, Technikern und Wartungsarbeitern.“

Ifo: Nur 30 % sind in Heimarbeit – möglich wären 56 Prozent

Auch das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut ist überzeugt, dass das Potenzial für Heimarbeit („Home Office“) in Deutschland noch längst nicht ausgeschöpft ist. Laut einer Untersuchung von Jean-Victor Alipour Oliver Falck, Andreas Peichl und Stefan Sauer vom Ifo München nutzten im Februar 2021 zwar bereits 81 Prozent der Unternehmen in der Bundesrepublik Heimarbeits-Modelle. Allerdings arbeiteten insgesamt nur 30 Prozent der Beschäftigten daheim. Möglich sei das aber für 56 Prozent. „Die im Januar beschlossene Pflicht der Firmen zum Homeoffice, um die Corona-Ansteckungen zu verringern, ist deshalb bislang zum Teil verpufft“, schätzte Alipour ein.

Frankreich und Belgien verordneten Home-Office-Pflicht im Corona-Winter

Die Wirtschaftswissenschaftler gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie plädieren für eine Pflicht statt nur für ein Recht auf Heimarbeit („Home Office“), um Corona einzudämmen. „Aktuell gibt es in Deutschland lediglich die Bitte an die Arbeitnehmer, ein Angebot zum Homeoffice auch anzunehmen“, betonte Jean-Victor Alipour. „Frankreich und Belgien hatten dagegen im Winter eine Pflicht zum Homeoffice auch für Arbeitnehmer ausgesprochen.“

Wie das Ifo auf die Zahlen kommt

Um das tatsächliche Homeoffice-Potenzial abzuschützen, stützen sich die Autoren auf Umfragen aus der Erwerbstätigenbefragung (ETB) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2018, an der unter 17 000 Menschen teilgenommen hatten. „Das Homeoffice-Potenzial eines Berufes wird demnach definiert als der Anteil der abhängig Beschäftigten, die nicht ausschließen, dass Homeoffice in ihrem Job möglich ist oder selbst zumindest gelegentlich zu Hause arbeiten“, heißt es in dem Ifo-Aufsatz. Nähere Informationen zur Methodik gibt es im Aufsatz „Homeoffice-Potenzial weiterhin nicht ausgeschöpft“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Infineon Dresden, Ifo

Wissenschaftliche Publikation:

Jean-Victor Alipour, Oliver Falck, Andreas Peichl und Stefan Sauer: „Homeoffice-Potenzial weiterhin nicht ausgeschöpft“ in: ifo Schnelldienst digital 6/2021

Zum Weiterlesen:

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Fast jeder zweite arbeitet auch daheim