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IHK-Konjunkturbarometer: Geschäftslage in Ostsachsen klar auf

Der neue Hydraulikkran im ausgebauten Hafen Torgau. Foto: SBO

Industriewaren-Umschlag im Hafen Torgau. Foto: SBO

Umfrage war allerdings vor 2. Coronawelle

Dresden, 28. Oktober 2020. Kurz vor der jüngsten Diskussion um eine neue Corona-Ausgangssperre hat sich die Geschäftsstimmung in der ostsächsischen Wirtschaft überraschend deutlich verbessert: Das Konjunktur-Barometer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden ist im Herbst aus dem tiefroten Bereich in den grünen Bereich geklettert und zeigt nun +23 Punkte statt – 21 Punkte wie noch vor einem Quartal an. Das geht aus dem jüngsten Konjunktur-Bericht der IHK Dresden hervor. Die Analyse stützt sich auf eine Umfrage unter 640 Unternehmen mit rund 27.000 Beschäftigten in Ostsachsen. Die Daten wurden allerdings bereits im September abgefragt, als die zweite Corona-Welle noch nicht deutlich absehbar war.

Nachdem 1. Coronawelle und Ausgangssperre abgehakt schienen, hat sich in der ostsächsischen Wirtschaft bereits wieder Optimismus breit gemacht. Grafik: IHK Dresden

Nachdem 1. Coronawelle und Ausgangssperre abgehakt schienen, hat sich in der ostsächsischen Wirtschaft bereits wieder Optimismus breit gemacht. Grafik: IHK Dresden

In Industrie, Handel und Bau machte sich bereits Optimismus breit – Touristiker bleiben sehr pessimistisch

„Wir waren selbst einigermaßen überrascht, wie überraschend gut sich die Lage gewandelt hat“, sagte IHK-Sprecher Lars Fiehler. Der Stimmungswandel ist laut Herbstbericht in den meisten Sektoren sichtbar: Die Industrie ist jetzt verhalten optimistisch (Saldo aus negativen und positiven Geschäftslage-Meldungen: + 10), das Baugewerbe (+52) und der Handel (+44) zeigten sich sogar sehr zukunftsfroh. Pessimismus dominiert freilich weiter in der Tourismusbranche, wo sich das Stimmungsbarometer aber immerhin von -100 auf -5 erholte.

Ernährungsbranche hängt Maschinenbau und Mikroelektronik als stärkste Industriezweige ab

Freilich haben Corona-Krise, der verhängte Ausnahmezustand, die Autokrise, Trumps Handelskriege und weitere Faktoren tiefe Langzeitspuren in der Industrie hinterlassen: Autoindustrie, Maschinenbau, Elektronik und andere ostsächsische Leitbranchen haben teils drastisch an Umsatz verloren. Betrachtet man allein den Inlandsumsatz, lässt also die Exporte einmal beiseite, ist die Ernährungswirtschaft mittlerweile zur stärksten Branche aufgestiegen: Milchwerke, Keksfabriken und andere Lebensmittelbetriebe sind an Chipfabriken und Maschinenbau-Werken vorbeigezogen.

Die Ernährungswirtschaft hat in der Corona-Krise alle Technologie-Industriezweige in Ostsachsen abgehängt. Grafik: IHK Dresden

Die Ernährungswirtschaft hat in der Corona-Krise alle Technologie-Industriezweige in Ostsachsen abgehängt. Grafik: IHK Dresden

Insgesamt – also Inlands- und Auslandsumsatz zusammengerechnet – hat die Ernährungsbranche in Ostsachsen zwischen Januar und August 2020 rund 2,1 Milliarden Euro umgesetzt und damit etwa 200 Millionen Euro mehr als im selben Zeitraum des Jahres 2018. Der Maschinenbau ist von 2,5 auf 1,9 Milliarden Euro abgesackt, der Elektroniksektor von 2,1 auf 1,9 Milliarden Euro und die metallverarbeitende Branche von einer Milliarde auf 800 Millionen Euro.

Weitere Arbeitsplatz-Verluste absehbar

Am meisten sorgen sich die Unternehmer nun um die Inlandsnachfrage, den Fachkräftemangel und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Generell schauen sie weiterhin eher pessimistisch in die Zukunft. Das Saldo aus schlechten und guten Geschäftsprognosen für die nächsten Monate stieg aber immerhin von -46 auf -12 Prozentpunkte. Entsprechend wollen die Unternehmer in nächster Zeit kaum investieren und rechnen auch eher mit einem Job-Abbau in Ostsachsen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: IHK Dresden