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Sachsens Industrie hat Jobverluste seit der Wende nicht ausgeglichen

Industrie-Beschäftigte in Sachsen. Die Lücke 2008 erklärt sich durch eine damals eingeführte neue Zählweise. Abb.: Stat. Landesamt Sachsen / Oiger
Industrie-Beschäftigte in Sachsen. Die Lücke 2008 erklärt sich durch eine damals eingeführte neue Zählweise. Abb.: Stat. Landesamt Sachsen / Oiger

Vor allem 1991 bis 1997 ging es stark bergab

Kamenz, 10. August 2020. Die Deindustrialisierung nach der Wende wirkt bis heute in Sachsen nach – zumindest, wenn man dies an den Beschäftigungseffekten misst. Das geht aus Zeitreihen hervor, die das statistische Landesamt in Kamenz nun veröffentlicht hat.

Demnach lag die Zahl der Industriebeschäftigten im Jahr 1991 bereits bei nur noch etwas über einer halben Million. Das sind die frühesten vergleichbaren Zahlen, die den Landesstatistiker für Sachsen vorliegen – und ist davon auszugehen, dass ab 1990 bis zu diesem Zeitpunkt bereits ein massiver Job-Abbau stattgefunden hatte. Ein Vergleich mit DDR-Statistiken gilt als problematisch, da die Zählweisen andere waren.

Nach sechs Jahren waren nicht mal mehr die Hälfte der Arbeitsplätze übrig

In den folgenden Jahren nach 1991 verloren jedenfalls immer mehr Industriebeschäftigte ihre Arbeitsplätze. Den Tiefpunkt erreichte die Wirtschaft im Jahr 1997, als in der Industrie nur noch 205.626 Menschen tätig waren.

Seit 1997 geht es wieder aufwärts – in veränderten Strukturen

Seitdem ist – trotz einiger Rückschläge zum Beispiel durch die Halbleiter-, Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008 bis 2010 wieder aufwärts gegangen. Im Jahr 2019 waren in der sächsischen Industrie zumindest wieder 362.600 Menschen tätig. Das ist zwar weit weniger als zu Wendezeiten. Aber die sächsische Industrie ist nun auch nach westlichen Maßstäben – und nicht nur im Ostblock-Vergleich – viel konkurrenzfähiger geworden.

Parallel dazu hat sich die Struktur der Industrie verändert: Es gibt weit weniger Großunternehmen als zu Wendezeiten, dafür mehr kleine Betriebe, die sich stärker auf den Binnenmarkt beziehungsweise auf Nischensegmente fokussiert haben.

Autor: hw

Quelle: Stat. LA Kamenz

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Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger