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Sci-Fi „Highlife“: Schiff voller Triebtäter auf dem Weg ins Schwarze Loch

Mörder Monte (Robert Pattinson) hatte sich auf der langen Reise durchs All zur Masturbation-Askese entschlossen - doch ide listige Dr. Dibs entrang ihm doch den Samen und erzeugte damit das einzig überlebende Baby im Raumschiff. Szenenfoto: Pandora

Mörder Monte (Robert Pattinson) hatte sich auf der langen Reise durchs All eigentlich zur Masturbation-Askese entschlossen, um seinen Spermien zu behalten. Doch die listige Dr. Dibs entrang ihm doch den Samen und erzeugte damit das einzig überlebende Baby im Raumschiff. Szenenfoto: Pandora

Finsteres, klaustrophobisches Kammerspiel über Sex, Einsamkeit und Mordlust mit Juliette Binoche, Robert Pattinson

„Highlife“ mit Juliette Binoche („Chocolat“, “Godzilla“) Twilight.-Vampir Robert Pattinson (“Harry Potter“), das kürzlich in den Kinos anlief, ist kein ganz klassischer Science-Fiction-Film: Regisseurin Claire Denis hat hier vielmehr ein Stück über Sex und Einsamkeit vorgelegt, komprimiert auf ein im All fliegendes Gefängnisschiff, das dem sicheren Untergang entgegenrast.

Die Story: Bienenkönigin sammelt und verteilt unerbittlich die Samen

Ein bemanntes Raumschiff rast einem schwarzen Loch entgegen, mit voller Absicht der Absender offensichtlich – von der aber weder Crew noch Zuschauer von „High Life“ allzu viel erfahren. Irgendein kosmisches Experiment, für das sich zum Tide verurteilte Männer und Frauen „freiwillig“ gemeldet haben, um eine zweite Chance auf etwas mehr Lebenszeit zu bekommen. Und zwischen ihnen schwirrt wie eine Bienenkönigin Dr. Dibs (Juliette Binoche) umher, die die Spermien der männlichen Todeskandidaten einsammelt, um sie den weiblichen Insassinnen einzupflanzen. Doch am Ende scheitert (mutmaßlich) das Experiment: Die Crew meuchelt sich und einander nieder, schließlich bleiben nur noch der asketische Mörder Monte (Robert Pattinson) und dessen Retortentochter Willow („Scarlett Lindsey“) übrig…

Abstruse Mission, viele offene Fragen – und doch faszinierend

All dies inszeniert Claire Denis als finsteres, klaustrophobisches und triebgesteuertes Kammerspiel, das fasziniert, aber kaum Fragen beantwortet: Irgendwie soll all dies auch der ganzen Menschheit eine zweite Chance geben, hört man heraus. Aber wozu das 100-pro-rödliche Hineinsteuern eines bemannten Schiffes in eine Gravitationssingularität gut sein soll, warum die Konstrukteure das Schiff so schlecht abgeschirmt haben, dass die meisten dort geborenen Babys an kosmischer Strahlung sterben, oder was die unwilligen Astronauten eigentlich genau getan haben, um sie auf solch ein Hazard-Spiel einzulassen – all dies bleibt offen. Solche Unsicherheiten kann man als stilistisches Mittel einsetzen, machen solch einen Film irritiert. Kritisch anzumerken sind die teils ungelenk wirkenden Spezialeffekte, auf die Claire Denis vielleicht lieber ganz hätte verzichten hätte sollen: Ein Handschuh beispielsweise, der sich wie an einem Faden ruckelnd bewegt, statt schwerelos, wirkt schnell lächerlich.

Bessesen von ihrer Aufgabe, ihren Todeskandidaten künstlich zu befruchten und ihnen Babys abzuringen: Die wegen Kindermordes verurteile Ärztin Dr. Dibs (Juliette Binoche) nutzt auf dem Raumschiff ihre 2. Chance. Szenenfoto: Pandora

Bessesen von ihrer Aufgabe, ihren Todeskandidaten künstlich zu befruchten und ihnen Babys abzuringen: Die wegen Kindermordes verurteile Ärztin Dr. Dibs (Juliette Binoche) nutzt auf dem Raumschiff ihre 2. Chance. Szenenfoto: Pandora

Erotisch, impulsiv, abstoßend, bizarr

Trotz oder gerade wegen seiner irritierenden Momente versteht es „Highlife“ dennoch, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Daran tragen die abgewetzte Patina der Schiffsräume und die beengte Szenarie ihren Anteil, vor allem aber Juliette Binoche: Wenn die französische Star-Actrice ihr endloses Haar am Raumschiff-Lüftungsschacht trocknet oder sich einer bizarren Masturbationsmaschine hingibt, wirkt das eben nicht schmuddelig, sondern wie eine menschliche Urkraft, die sich stöhnend und brüllend ihren Weg bahnt.

Kurzinfos:

  • Titel: „Highlife“
  • Genre: Science Fiction
  • Produktionsländer und -jahr: Deutschland, Frankreich, UK, Polen, USA 2018
  • Laufzeit: 113 Minuten
  • Regie: Claire Denis
  • Darsteller: Robert Pattinson, Juliette Binoche, André Benjamin, Mia Goth, Lars Eidinger, Agata Buzek, Claire Tran, Ewan Mitchell, Jessie Ross

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt