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„Pumpspeicherwerke sind für die Energiewende unverzichtbar“

Blick in die Maschinenhalle des Pumpspeicherwerks Niederwartha. Seit dem Hochwasser 2002 sind nur noch 2 der 6 Aggregate verwendbar. Erhebliche Investitionen wären notwendig. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick in die Maschinenhalle des Pumpspeicherwerks Niederwartha. Seit dem Hochwasser 2002 sind nur noch 2 der 6 Aggregate verwendbar. Erhebliche Investitionen wären notwendig. Foto: Heiko Weckbrodt

Wind- und Solarstromverband VEE fordert Erhalt von Pumpspeicherwerk Dresden-Niederwartha

Dresden, 11. Januar 2019. Für einen Erhalt des Pumpspeicherwerkes in Dresden-Niederwartha hat sich die „Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien“ (VEE) Sachsen in Dresden ausgesprochen. „Pumpspeicherwerke sind für die Energiewende unverzichtbar, weil sie eine sehr große Speicherkapazität mit einer Speicherdauer bis zu einer Woche flexibel bereitstellen“, betonte Bernhard Mossner vom VEE Sachsen. „So können Schwankungen der Erzeugung Erneuerbarer Energien über diesen Zeitraum, wie sie für Windenergie oft typisch ist, ausgeglichen werden… Bis die politischen Rahmenbedingungen für eine gelingende Energiewende geschaffen sind, sollte das Pumpspeicherwerk Niederwartha im jetzigen Zustand betriebsbereit gehalten werden.“

Umweltbürgermeisterin soll ihre Absage überdenken

Damit appelliert die Vereinigung vor allem an die Dresdner Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnisgrüne), ihre Position zu überdenken. Jähnigen hatte kürzlich in den DNN städtische Investitionen in das Pumpspeicherwerk abgelehnt, weil eine Modernisierung viel kosten würde, das Geschäftsmodell des Pumpspeicherwerks in Zeiten der Energiewende nicht mehr funktioniere.

Statt neue Groß-Energiespeicher (hier ein Blick in die Leitzentrale des Pumpspeicherwerks Dresden-Niederwartha) zu bauen, wollen Forscher und Energieversorger aus Ostsachsen bereits existeierende dezentrale Speicheröfen in Haushalten vernetzen, um Lastspitzen abzufangen. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick in die Leitzentrale des Pumpspeicherwerks Dresden-Niederwartha. Foto: Heiko Weckbrodt

Becken kann 200 mal mehr Energie speichern als Großbatterie in Reick

Das sehen die Interessenvertreter der Wind- und Solarenergiebranche in Sachsen aber anders: Das Konzept, Wasser in Zeiten von Stromüberangebot nach oben in einen Stausee zu pumpen und bei größerer Nachfrage wieder in Strom zu verwandeln, werde weiter gebraucht – vor allem wegen der großen Energiemengen, die solche Anlagen speichern können.  „Das Speichervermögen des Pumpspeicherwerkes in Niederwartha über die potenzielle Energie des oberen Stausees beträgt rund 560 Megawattstunden (MWh)“, heißt es vom VEE. „Dies entspricht dem Zweihundertfachen des Batteriespeichers, welchen die DREWAG in Dresden-Reick betreibt.“

Die Rohrleitungen verbinden Ober- und Unterbecken des Pumpspeicherwerkes Wendefurth auf einer Fallhöhe von 126 Metern. Die Rohre haben einen Durchmesser von 3,4 Metern. Foto: Vattenfall
Die Rohrleitungen verbinden Ober- und Unterbecken des Pumpspeicherwerkes Wendefurth auf einer Fallhöhe von 126 Metern. Die Rohre haben einen Durchmesser von 3,4 Metern. Foto: Vattenfall

Invest-Stau: überalterte und zerstörte Technik

Allerdings gibt es mehrere Gründe, warum Vattenfall das Pumpspeicherwerk Niederwartha in einen reinen Bereitschaftsmodus versetzt hat: Seit das Hochwasser dort die Maschinenhalle flutete, sind nur noch zwei der sechs Generatorlinien noch funktionsfähig. Die ohnehin veraltete Maschinentechnik müsste zudem auf Schnelllauftechnik umgerüstet werden, um auf die schnellen Schwankungen des heutigen Energiemarktes blitzschnell reagieren zu können. Auch hatte Vattenfall immer wieder darauf verwiesen, dass sich diese Millionen-Investitionen angesichts der hohen Stromnetzabgaben in Deutschland auch nach Jahrzehnten kaum rentieren würden.

Streitpunkt Netzabgabe

Letzteres Problem sieht auch die VEE-Spitze als vordringlich zu lösen an: „EU-Parlament und der EU-Rat haben sich Ende des Jahres 2018 darauf geeinigt, die Doppelbelastung mit Steuern und Abgaben für Energiespeicher bei Netzdienstleistungen endlich abzuschaffen.“ Es sei daher wünschenswert, das Werk solange nicht zu schließen, bis die deutsche Bundesregierung diese Vorgaben umgesetzt und auch die bestehenden Pumpspeicherwerke einbezogen haben.

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger