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Wie die KI auch drinnen ihre Agenten findet

Die Galileo-Satelliten umkreisen in etwa 23.000 km Höhe die Erde. Visualisierung: ESA-P. Carril

Die Galileo-Satelliten umkreisen in etwa 23.000 km Höhe die Erde. Visualisierung: ESA-P. Carril

Lokalisierungs-Experten berieten auf Leibniz-Konferenz bei Dresden über neue Ortungstechnologien im Internet der Dinge

Lichtenwalde/Dresden, 28. November 2018. Damit die Künstlichen Intelligenzien (KIs) in den hochautomatisierten Fabriken der Industrie 4.0 und im Internet der Dinge (IoT) jederzeit wissen, wo sich welcher Transportroboter und welches Werkstück gerade befinden, müssen sie diese mobilen Agenten jederzeit orten können. Und dafür werden ergänzende Lokalisierungs-Technologien zur Satellitennavigation, die nur im Freien einwandfrei funktioniert, gebraucht. Wie diese Probleme zu lösen sind, haben Experten aus Deutschland und Europa nun während der Leibnizkonferenz mit dem Titel „Lokalisierungstechniken für IoT, Telematik und Industrie 4.0“ in Lichtenwalde vor den Toren Dresdens diskutiert.

Bereits 11 Milliarden Geräte im IoT vernetzt

Der Bedarf nach besseren Ortungsverfahren in Innenräumen entsteht vor allem durch die Digitalisierung von immer mehr Wirtschaftszweigen und den steigenden Vernetzungsgrad von Mensch und Maschine, von Autos, Verkehrsleitrechnern, Smartphones, Robotern und vielen anderen Maschinen und Geräten. Entsprechend rasant wächst auch das „Internet der Dinge“. Sind derzeit mehr als elf Milliarden Geräte im „Internet of Things“ (IoT) vernetzt, werden es 2020 mit mehr als 20 Milliarden Geräten bereits annähernd doppelt so viele sein, besagen neuere Schätzungen, die das Statistikportal „Statista“ zitiert.

Teils zentimetergenaue Ortung gefragt

Diese Koppelung erfolgt zunehmend über Funk, da sich vor allem immer mehr mobile Geräte vernetzen. Insbesondere für die in Industrieanwendungen (Industrie 4.0) und im Verkehr (Ziel: autonome Fahrzeuge) eingesetzten Geräte ist es neben der Kommunikation von aktuellen Daten meistens wichtig zu wissen, wo sich die jeweiligen Geräte befinden. In offenem Gelände lässt sich das häufig gut und preiswert mit einer satellitengestützten Ortung über das US-System GPS oder demnächst mit den europäischen Galileo-Satelliten realisieren. In Anwendungen, bei denen es auf Genauigkeit im Zentimeterbereich ankommt, reichen derartige Systeme nicht aus: In geschlossenen Räumen funktioniert diese Art der Lokalisierung gar nicht. International wird mit großem Eifer an der Lösung dieses Problems gearbeitet.

Leibniz-Institut hat eingeladen

Das Leibniz-Institut für interdisziplinäre Studien hat deshalb am 23. und 24. November 2018 zahlreiche Ingenieure, Wirtschaftsvertreter und Forscher zur erwähnten 23. Leibnizkonferenz eingeladen. In 28 Vorträgen haben führende Experten aus dem In- und Ausland den aktuellen Stand dieser sich dynamisch entwickelnden Techniken diskutiert. Neben aktuellen funk- und satellitengestützten sowie bildgebenden Ortungsverfahren wurden auch die zukunftsträchtigen Methoden der Datenfusion zur schnelleren und genaueren Ortung vorgestellt. Eine Reihe spannender Anwendungen auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Landwirtschaft, der Sicherheitstechnik, der Industrie und dem Verkehr rundeten das Bild einer Technik im Aufbruch ab.

Sachsen stark vertreten

Die sächsischen Wissenschaftler war sehr gut vertreten. Prof. Oliver Michler von der TU Dresden hatte als Vorsitzender des Programmkomitees nicht nur die führenden Köpfe der Branche nach Sachsen geholt, sondern auch selbst maßgeblich die Schwerpunkte gesetzt. Das Start-up-Unternehmen „Metirionic“ aus Dresden glänzte mit vielbeachteten innovativen Methoden zur funkgestützten Ortung, die von so Unternehmen wie Bosch und Philips in ihre Entwicklungsprojekte aufgenommen wurde. Andere Ingenieure berichteten über den induktive Ortungsverfahren, den Einsatz von Ultrabreitband-Funk (UWB) und von Ortungs-Drohnen oder wie man klassische Satellitennavigation „aufbohren“ kann, so dass sie präzisere Daten liefert und auch in Innenräumen funktioniert.

Autor: Bernd Junghans

Bernd Junghans. Foto: privat

Bernd Junghans. Foto: privat