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Industrie 4.0 befeuert Xenon Dresden

Xenon Dresden: Monteur Clemence Jost (vorn) und Elektriker Thomas Thieme justieren eine Prüfanlage für Auto-Radarsensoren. Foto: Heiko Weckbrodt

Xenon Dresden: Die Archivaufnahme zeigt Monteur Clemence Jost (vorn) und Elektriker Thomas Thieme, wie sie eine Prüfanlage für Auto-Radarsensoren justieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Automatisierungs-Unternehmen baut an, weil die Aufträge wachsen und wachsen

Dresden, 27. Dezember 2017. Xenon Dresden baut derzeit für elf Millionen Euro einen weiteren Fabrik- und Bürokomplex im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee. Das Automatisierungs-Unternehmen reagiert damit auf wachsende Auftragseingänge vor allem aus der Automobil- und Halbleiter-Industrie. In diesem Jahr werde die Gruppe voraussichtlich 55 Millionen Euro umsetzen – etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das hat Geschäftsführer Hartmut Freitag eingeschätzt, der Xenon gemeinsam mit Tobias Reißmann leitet. „Und wir wachsen weiter – wenn auch nicht mehr ganz so schnell.“ Treiber seien vor allem der Hunger vieler Kunden nach „Industrie 4.0“-Lösungen, die zunehmenden Xenon-Aktivitäten auf internationalem Parkett und wachsende Projekt-Volumina.

Stehen für eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte: Die Xenon-Chefs Hartmut Freitag (l.) und Tobias Reissmann. Firmemgründer Eberhard Reissmann ist inzwischen in den Ruhestand gewechselt. Abb.: Xenon

Stehen für eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte: Die Xenon-Chefs Hartmut Freitag (l.) und Tobias Reissmann. Firmemgründer Eberhard Reissmann ist inzwischen in den Ruhestand gewechselt – er engagiert sich ehrenamtlich für den Wiederaufbau des Dresdner Lingnerschlosses. Abb.: Xenon

Von ehemaligen Robotronern gegründet

Die ehemaligen Robotron-Ingenieure Eberhard Reißmann – der Vater des heutigen Geschäftsführers – und Hartmut Freitag hatten Xenon Dresden 1990 gegründet. Sie richteten das Unternehmen auf Sondermaschinen, Montageanlagen und Automatisierungslösungen aus. Kunden sind vor allem die Automobilindustrie, die Chipbranche, aber auch Photovoltaik- und Medizintechnik-Unternehmen.

China-Geschäft wächst

Über 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der Hauptsitz in Dresden. Weitere fünf Millionen Euro steuerte in diesem Jahr die noch junge Xenon-Niederlassung in China bei, die den asiatischen Markt beackert. Angesichts der starken Nachfrage im Reich der Mitte nach Xenon-Maschinen erwägen die Sachsen inzwischen, demnächst eine weitere Dependance im Westen des Landes zu eröffnen. Xenon China beschäftigt inzwischen 50 Mitarbeiter. In Dresden hat das Unternehmen seine Belegschaft in den vergangenen Monaten um 41 auf nun 250 Mitarbeiter aufgestockt.

Die großen Auto-Zulieferer klonen ihre Maschinen-Parks

„Anfangs haben wir reine Einzelanfertigungen gemacht“, nennt Freitag einen Grund dafür. „Dann wurden Teile von Taktstraßen daraus.“ Aber mittlerweile haben namhafte Konzerne wie Bosch oder Continental so viel Vertrauen in die Dresdner gewonnen, dass sie bei ihnen auch ganze Anlagenkomplexe bestellen – mit Vakuumbeschichtern, Montage-Automaten, Öfen, Waschanlagen und dergleichen mehr. „Da kaufen wir auch Anlagen zu, teilweise auch hier aus der Region, und liefern dann den ganzen Komplex“, erklärt Freitag. „Dadurch sind Projektvolumina von fünf bis zehn Millionen Euro üblich geworden.“

Und damit verbunden sind die typischen Mitnahme-Effelte von Plattform-Anbietern: Wenn zum Beispiel Bosch in einer deutschen Fabrik eine Auto-Elektronikgruppe in einem Xenon-Komplex herstellt, klont der Konzern diesen Maschinenpark, wenn er das gleiche Bauteil auch in einem anderen Land hergestellen will. Dies bringt dann neue Aufträge für Xenon – und dadurch stellt der einstige Unikat-Spezialist nun auch Anlagen in Serien her.

„Automatisierung ganzer Fabriken durch Roboter nimmt rasant zu“

Immer wichtiger werden aber Digitalisierung und der „Industrie 4.0“-Trend. „Die Automatisierung ganzer Fabriken durch Roboter nimmt rasant zu“, berichtet Freitag. Ein Grund dafür: Die deutsche „Industrie 4.0“-Strategie hat sich selbst in China, Vietnam und anderen asiatischen Ländern herumgesprochen. Immer mehr Länder und immer mehr Branchen springen auf den Zug auf, wollen hochautomtisierte, vernetzte Fabriken, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und dabei spielen nicht nur Greifer und Transporter, Software und dezentrale Rechentechnik, sondern eben auch Roboter eine Schlüsselrolle. „Roboter sind preiswerter geworden, können dank Bildverarbeitung nun auch in einem gewissen Sinne ,sehen’ und sind flexibler einsetzbar, zum Beispiel zusammen mit Menschen“, zählt Freitag einige der Gründe für den jüngsten Boom auf.

Leitrechner analyisieren den Takt

Entsprechend integriere Xenon in seine Taktstraßen immer mehr Roboter, dazu dezentrale Intelligenz, die bei den Dresdnern „Leitrechner-Funktionalität“ heißt. Dadurch wird es für Hersteller wie Nutzer solcher Taktstraßen möglich, Probleme in der Produktion schnell zu erkennen, Taktzeiten zu analysieren und die Fertigung letztlich produktiver zu machen.

Die einäugige Datenbrille ist mit einem schwenkbaren Schwanenhals am Helm befestigt. Foto: WHZ

Einäugige Datenbrille. Foto: WHZ

Erweiterte Realität in Serie

Außerdem habe die Entwicklungsabteilung viel Zeit in „Augmented Reality“-Lösungen investiert, erzählt der Geschäftsführer. In dieser „erweiterten Realität“ haben Monteure Computerbrillen auf der Nase, mit denen sie gleichzeitig ihre reale Umgebung sowie eingespiegelte Handbücher, Computergrafiken oder Hilfe-Videos sehen können. Damit wollen die Dresdner den Leuten vor Ort aus großen Distanzen helfen, Xenon-Anlagen aufzubauen, kennenzulernen, zu warten oder zu reparieren. „Ab 2018 setzen wir das in der Praxis ein“, kündigte Freitag an. Auch neue Laseranlagen und Industrie-3D-Drucker („additiv-generative Anlagen“) werde der Betrieb demnächst in der Fertigung erproben.

Der nächste Fabrikausbau von Xenon (hier im Bild rechts) im Dresdner Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee ist bereits weit fortgeschritten. Foto: Heiko Weckbrodt

Der nächste Fabrikausbau (hier im Bild rechts) von Xenon im Dresdner Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee ist bereits weit fortgeschritten. Foto: Heiko Weckbrodt

Fabrikanbau wächst im Eiltempo

All dies aber braucht Raum – und den schafft Xenon derzeit an der Stuttgarter Straße. Erst kürzlich hatte das Unternehmen dort schon eine neue Fabrikhalle eingeweiht – und nun kommt schon die nächste Erweiterung dazu: 5000 Quadratmeter umfasst der neue Komplex, darunter drei Bürotrakte und eine Montagehalle mit 1300 Quadratmetern. „Zwei Drittel sind bereits fertig“, sagt Freitag. Und für den Fall, dass auch der neue Komplex nicht reichen sollte, hat die Geschäftsführung bereits vorgesorgt. „Wir haben uns gleich nebenan eine Baureserve von 9000 Quadratmetern gesichert.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Wie Xenon dem Fachkräfteproblem begegnet

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