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Weniger Leser für Dresdner Bibliotheken

Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Durch Sparfolgen 2,7 Prozent weniger Entleihungen im Stadtnetz

Dresden, 5. Februar 2015: Wegen Sparauflagen aus dem Rathaus und personeller Unterbesetzung haben die Städtischen Bibliotheken Dresden im vergangenen Jahr weniger Bücher verleihen können als sonst: Insgesamt verbuchten die Bibliothekarinnen im Jahr 2014 5,5 Millionen Medien-Entleihungen und damit 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Besucherzahlen schrumpften um 5,9 Prozent auf 1,6 Millionen. Das teilte Roman Rabe, der stellvertretende Direktor der Bibliotheken, heute mit. „Bisher waren wir ja sehr erfolgsverwöhnt“, schätzte er auf Oiger-Anfrage ein. „Aber wir hatten im vergangenen Jahr Ressourcenprobleme.“

Eingedampfte Öffnungszeiten und halbierte Fahrbibliothek schlugen 2014 voll durch

Ganz konkret gemeint sind damit die Spätfolgen von Kürzungen, die Stadtrat und Kämmerei schon 2013 von den Bibliotheken eingefordert hatten. So mussten die Öffnungszeiten in zehn Zweigstellen reduziert und das Fahrbibliotheksnetz halbiert werden. „Das schlug erst 2014 voll auf die Leistungszahlen durch“, erklärte Rabe. Zudem seien acht, zeitweise sogar zwölf Personalstellen im Leihbücherei-Netz unbesetzt gewesen – teils weil die Kämmerei Neubesetzungen nicht freigab, teils wegen Mutterschafts-Vakanzen in der mehrheitlich weiblichen Belegschaft. Unterm Strich fehlte damit monatelang die Besatzung von bis zu drei Stadtteilbibliotheken – bei aller Hin- und Herjongliererei zwischen den Bibliotheken sei dies schlichtweg nicht mehr auszugleichen gewesen, betonte der Vize-Direktor.

Ohne eBuch-Boom wäre Rückgang noch deutlicher gewesen

Abb.: eBibo DD

Abb.: eBibo DD

Noch stärker wäre der Rückgang ausgefallen, wenn nicht gleichzeitig die jüngste Filiale im Stadtnetz, die Internet-Bibliothek „eBibo“, einen beispiellosen Boom erleben würde: Dort nämlich entliehen die Nutzer insgesamt 143.000 elektronische Bücher (eBooks) und andere Digitalmedien – immerhin 54 Prozent mehr als im Vorjahr.

Großteil der Zweigstellen wird 2015 auf RFID-Funkchips umgestellt

So sehen die RFID-Etiketten auf CDs aus: Silberfäden. Foto: Heiko Weckbrodt

So sehen die RFID-Etiketten auf CDs aus: Silberfäden. Foto: Heiko Weckbrodt

Dennoch badet Rabe nicht in Pessimismus. Denn einerseits habe die Stadtverwaltung versprochen, dass in diesem Jahr freie Bibliothekarinnen-Stellen zügiger wiederbesetzt werden können. Außerdem stecken die Bibliotheken mitten in einem Erneuerungsprogramm, das nach dem Abschluss auch dem Personal mehr Luft verschaffen dürfte: Noch im vergangenen Jahr hatten zunächst die Bibliotheken Neustadt und Prohlis ihre Medien auf die Funkchip-Technik „RFID“ umgestellt, die den Bücherverleih und die Rückgabe vereinfacht und beschleunigt, so dass die Bibliothekarinnen in Zukunft mit weniger „Tresenarbeit“ gebunden sind.

Zentralbibliothek öffnet Ende 2016 oder Anfang 2017 im Kulturpalast

In diesem Jahr werden nun zunächst die Bibliotheken Cotta, Plauen, Gruna und Blasewitz auf RFID-Funketiketten umgestellt. Im Jahresverlauf folgen Johannstadt, Pieschen, Laubegast und Klotzsche. Als nächstes fusionieren Haupt-, Musik- und Jugendbibliothek zur neuen Zentralbibliothek im Kulturpalast, die dann gleich mit RFID-Technik startet. Rabe rechnet für „Ende 2016 oder Anfang 2017“ mit der Eröffnung im „Kulti“. Und: Nachdem erst kürzlich die Bibliothek Neustadt in einen Neubau an der Königsbrücker Straße umgezogen war, wird voraussichtlich im Herbst 2015 auch die jüngst prämierte Zweigstelle Langebrück ebenfalls in ein moderneres Domizil umziehen.

Direktion streicht Jahresgebühr für Jugendliche

Was zudem den Bibliotheken recht kurzfristig noch einen kleinen Boom bescheren dürfte, ist eine Gebührenänderung: Mussten Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren bisher fünf Euro Jahresgebühr zahlen, entfällt für sie diese Gebühr voraussichtlich ab 1. Juli 2015 vollständig – was womöglich in diesem Jahr zu mehr neuen jungen Lesern führt. Im Gegenzug wird sich zwar die Jahresgebühr für Erwachsene von zwölf auf 15 Euro erhöhen. Aber auch dieser Teuerung kann man entgehen, wenn man es richtig anstellt: Wer nämlich die Gebühr per Abo bezahlt, muss auch weiterhin nur zehn Euro pro Jahr zahlen. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Bibliothek Langebrück ist Dresdner „Bibliothek des Jahres“

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