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Zwei Drittel fürchten digitale Angriffe auf Bundestagswahl

Besonders Nachrichten über Gewalt und "bunte" Themen werden sehr häufig über Kontaktnetzwerke wie Facebook weiterverbreitet. Montage: hw

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Bitkom-Umfrage zeigt Ängste vor fremden Mächten

Berlin, 12. Septeber 2021. Zwei Drittel der Deutschen sorgen sich davor, dass „von ausländischen Staaten gesteuerte Medien“ die bevorstehende Bundestagswahl beeinflussen könnten. Das hat „Bitkom Research“ aus Berlin in einer Telefonumfrage unter 1003 Menschen in Deutschland ermittelt.

Auch Wahlmanipulation befrüchtet

Weitere Befunde: 61 Prozent rechnen mit der Möglichkeiten, dass Falschnachrichten-Kampagnen („Fake News“) im Internet oder Hackerangriffe die Wahl beeinflussen könnten. Vor Manipulationen des Wahlergebnisses fürchten sich 64 Prozent.

Bitkom für bessere Medienkompetenz

„Politische Meinungsbildung und politische Arbeit finden selbstverständlich digital statt, deshalb müssen wir unsere Demokratie auch im Digitalen zuverlässig schützen“, betonte Präsident Achim Berg vom deutschen Digitalwirtschafts-Verband „Bitkom“, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. „Dazu gehört, dass Sicherheitsbehörden vor allem auch personell und technisch befähigt werden, digitale Angriffe auf unser demokratisches System abzuwehren. Zugleich müssen wir aber auch die Medienkompetenz in allen Altersgruppen verbessern, um Fake-News-Kampagnen den Nährboden zu entziehen.“

Erheblicher Einfluss auf Wahlen fraglich

Mehrere jüngere Studien waren allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass die sogenannten „Social Medias“ wie Facebook, Telegran und Twitter oder die dort zirkulierenden „Fake News“ den Brexit in Großbritannien und die US-Präsidentschaftswahlen kaum beeinflusst haben. Es gebe keine Anzeichen, dass die auf Twitter und Facebook aktiven Bots und ihre Kampagnen stimmentscheidend gewesen seien, zitiert „Forschung & Lehre“ eine internationale Untersuchung, an der sich auch die Uni Köln beteiligt hatte. Und eine US-Studie von 2019 kam beispielsweise zu dem Befund, dass „80 Prozent der über Twitter verbreiteten Fake News innerhalb einem Prozent der Twitter-User zirkulierte“. Dies würde die vielfach befürchteten Annahmen in Frage stellen, dass von automatischen Programmen (Bots) gestreute Nachrichten viele Menschen beeinflussen.

Kurzvideo der TU Dresden
zum Instagram-Wahlkampf:

Dresdner Professorin: “Ein Like auf Instagram ist keine Stimme an der Wahlurne”,

Auch Juniorprofessorin Anna Sophie Kümpel vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden warnt davor, Aufreger zum Beispiel auf Instagram 1 zu 1 auf Wahlentscheidungen zu übertragen: “Ein Like auf Instagram ist keine Stimme an der Wahlurne”, berichtet sie über die Ergebnisse einer gemeinsamen Untersuchung mit Jörg Haßler und Diana Rieger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. “Nur weil ein Inhalt oder Thema auf Instagram gut funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass dieses Thema in der breiten öffentlichen Debatte von Relevanz ist.”

Autor: hw

Quellen: Bitkom, TUD) „Forschung & Lehre“

Wissenschaftliche Publikation zum Instagram-Wahlkampf:

Haßler, J., Kümpel, A. S., & Keller, J. (2021). Instagram and political campaigning in the 2017 German federal election. A quantitative content analysis of German top politicians‘ and parliamentary parties’ posts. Information, Communication & Society. Advance Online Publication. https://doi.org/10.1080/1369118X.2021.1954974

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