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Forscher fahnden nach Mikroplaste im Essen

Plastemüll belastet die Umwelt. Vor allem Mikroplaste-Teilchen in den Ozeanen gelten als ernstes Problem, da Meeresvewohner dieses Partikel fressen - und letztlich landen diese Teilchen dann auch im Menschen. Foto: Heiko Weckbriodt

Plastemüll. Foto: Heiko Weckbriodt

„microplastics@food“: Dresdner Polymerinstitut IPF beteiligt sich mit Analysetechnik an der Suche

Wien/Dresden, 29. Juli 2021. Plaste im Essen klingt alles andere als appetitlich – und wie sich speziell winzige Mikroplastik-Teilchen in Lebensmitteln auf den Menschen auswirken, ist noch wenig erforscht. Forscher aus Österreich, Sachsen und Bayern suchen nun gemeinsam nach Möglichkeiten, Mikroplastik im Essen zu finden und dessen Quellen herauszubekommen. Das geht aus einer Mitteilung des Leibniz-Institut für Polymerforschung (IPF) aus Dresden hervor, das an diesem Verbundprojekt „microplastics@food“ mitarbeitet. Insgesamt beteiligen sich neben dem IPF, der Uni Bayreuth und dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik in Wien noch 55 Unternehmen an diesem Vorhaben.

Software „Gepard“ soll helfen

Die IPF-Arbeitsgruppe für „Spektroskopie und Mikroplastik“ um Dr. Dieter Fischer beschäftigt sich dabei speziell mit Analysemethoden, um Mikroplastik von Verpackungen, Abfüllanlagen, Getränken, Oberflächen von festen und löslichen Lebensmitteln aufzuspüren. Mit „Gepard“ hat das Dresdner Team bereits ein Computerprogramm geschrieben, das Mikroplastikpartikel in Umweltproben rasch halbautomatisch findet. Aufspürbar sind damit Plasteteilchen bis hinab zu einem Mikrometer (Tausendstel Millimeter) Größe.

Sachsen, Niederösterreich und Bayern arbeiten zusammen

microplastics@food“ ist Teil des Programms „Collective Research Networking“ (Cornet) der „Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen“ (AiF). Die Koordination der Mikroplaste-Suche haben die „Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung“ in Deutschland und die „Ecoplus“-Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich übernommen. Auf deutscher Seite schießt das Bundeswirtschaftsministerium rund 542.000 Euro zu – die Hälfte davon bekommt das IPF in Dresden.

Ob Mikroplaste den Menschen schadet, ist umstritten

Allerdings ist auch anzumerken: In der öffentlichen Diskussion entsteht oft der Eindruck, es stehe fest, dass Mikroplaste-Teilchen gesundheitsschädlich sind. Das kann man aber nicht so eindeutig sagen „Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Hinweise, dass von Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen“, erklärte beispielsweise im Jahr 2019 der Präsident des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Prof. Andreas Hensel. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem Jahr 2019 mit Blick auf mögliche Gesundheitsbelastungen durch Mikroplaste im Trinkwasser. Allerdings betonen BfR wie auch WHO, das weitere Untersuchungen nötig seien und womöglich auch zu anderen Folgerungen kommen könnten.

Autor: hw

Quellen: IPF, IDW

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