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TU Dresden: „Box“ für 1. Karbonbeton-Haus ist fertig

Professor Manfred Curbach nimmt den Boix-Rohbau für sein "Cube"-Karbonbetonhaus ab. Foto: Stefan Gröschel für das IMB der TU Dresden

Professor Manfred Curbach und Achitektin Marén Kupke von der Firma “Architekten Ingenieure Bautzen” (AIB) nehmen den “Box”-Rohbau für sein “Cube”-Karbonbetonhaus ab. Foto: Stefan Gröschel für das IMB der TU Dresden

Prof. Curbach: Sparen die Hälfte des sonst üblichen Betons durch unsere neues Leichtbaumaterial

Dresden, 12. Mai 2021. Mit nur halb soviel Beton wie normalerweise nötig haben Arbeiter in Dresden nun einen Rohbau-Abschnitt für das „Cube“ genannte weltweite erste Karbonbeton-Haus fertiggestellt. Dies hat das Institut für Massivbau als Bauherr mitgeteilt.

Im Betonwerk vorgefertigt und mit BASF-Schicht gedämmt

Demnach ist der „Box“ genannte Zweigeschosser nun fertig montiert. Die „Box“-Wände bestehen aus zwei jeweils vier Zentimeter dünnen Platten aus einem neuartigen Leichtbaubeton, der mit Karbonfasernetzen statt Stahl verstärkt wird. Das Betonwerk Oschatz hatte diese Betonplatten teilautomatisch vorproduziert. Glasfaserstäbe und eine spezielle BASF-Schicht stabilisieren und dämmen die leichte Doppelwände.

Weniger Kies, weniger CO2

„Mit der Box sparen wir bis zu 50 Prozent der herkömmlichen Betonmenge ein“, betont Institutsleiter Professor Manfred Curbach. „Zudem handelt es sich um eine sehr leichte Konstruktion, die es uns ermöglicht, ressourceneffizient zu bauen.“ Die Karbonbeton-Bauweise spare Kies sowie andere Ressourcen und mindere auch den Kohlendioxid-Ausstoß im Bauwesen.

Eleganter Twist folgt im Juni

Nicht ermöglicht der dünne und leichte Karbonbeton auch architektonische Raffinessen, die mit Stahlbeton entweder gar nicht oder nur schwer zu realisieren wären. Ein Beispiel dafür ist der zweite Bauabschnitt des „Cube“. Von Juni bis Oktober 2021 wollen die Arbeiter nämlich den „Twist“ bauen: Ein in sich verdrehtes Karbonbeton-Dach, das geschwungen in eine senkrechte Wand übergeht. Der wird allerdings nicht im Betonwerk vorproduziert, sondern vor Ort auf der Baustelle an der Ecke von Zelleschem Weg und Einsteinstraße in Dresden gegossen.

„Cube“ soll Praxisreife der neuen Technologie beweisen

Mit dem Karbonhaus will Curbach gemeinsam mit anderen Projektpartnern den Beweis antreten, welche ökonomischen, ökologischen und architektonischen Vorteile Karbonbeton hat. Entwickelt wurde dieses neue Leichtbaumaterial vom Konsortium „Carbon Concrete Composite“ (C3) unter Federführung der TU Dresden.

Europas größtes Baulabor in der Lausitz geplant

Den nächsten großen Clou plant Manfred Curbach in der Lausitz: Dort will er gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft unter dem Namen „Lausitz Art of Building“ (Lab) Europas größtes Baulabor einrichten und dort neben Karbonbeton weitere neue umweltfreundliche Bautechnologien entwickeln. Für dieses Großforschungszentrum bemüht sich das Konsortium um den Professor derzeit um Millionenzuschüsse von Bund und Land.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: TUD