Forschung, News, zAufi

Das Phosphor-Rad sieht jeder

Nächtliche Leuchteffekte am Fahrrad dank organischer Technologie der TU Dresden. Foto: Max Gmelch, Felix Fries, Sebastian Reineke

Nächtliche Leuchteffekte am Fahrrad dank organischer Technologie der TU Dresden. Foto: Max Gmelch, Felix Fries, Sebastian Reineke

TU Dresden hat nachleuchtende Folien entwickelt, die Fahrrädern mehr Chic verleihen

Dresden, 12. Mai 2021. Einen neuen Pfad hin zu einer neuen Organikelektronik-Generation haben Prof. Sebastian Reineke und seine 20-köpfige „Lexos“-Gruppe (steht für „Light-Emitting and eXcitonic Organic Semiconductor“) vom Institut für Angewandte Physik (IAP) der TU beschritten. Die Forscher und Forscherinnen haben wiederbeschreibbare Leuchtetiketten entwickelt, die für eine gewisse Zeit Firmengeheimnisse verstecken können, und organische Reifen-Beschichtungen, die Fahrräder in der Nacht stimmungsvoll leuchten lassen.

Lexos-Gruppe nutzt Phosphoreszenz organischer Schichten

Dafür nutzen sie Phosphoreszenz-Effekte in speziell gestapelten organischen Schichten aus, in denen ein Leuchtstoff gegen die Außenluft abgeschirmt ist. Mit ultravioletten (UV) Strahlen schreiben sie auf den beschichteten Folien die gewünschten Texte und Grafiken. An den Stellen, an denen das UV-Licht eindringt, kommt es zu einer chemischen Reaktion von Sauerstoff in der Folie. In der Folge leuchtet das beschriebene Etikett an genau diesen Stellen – vergleichbar mit dem leuchtenden T-Shirt im Schwarzlicht der Disco. Sollen der leuchtende Text oder das Bild wieder gelöscht werden, muss das Etikett leicht erhitzt werden – damit öffnet sich die Außenbarriere und aus der Luft kann neuer Sauerstoff eindringen. Sprich: Die Etiketten lassen sich wiederholt beschreiben und löschen, wenn auch nicht für alle Ewigkeit.

Sebastian Reineke. Foto: privat

Sebastian Reineke. Foto: privat

Nachleuchtende Etiketten geben Firmengeheimnisse nur für kurze Zeit preis

„Wir haben da eine sehr robuste Lösung gefunden“, ist Prof. Sebastian Reineke überzeugt. „Einsetzen kann man solche Etiketten zum Beispiel in der Logistik. Damit kann ein Unternehmen zum Beispiel interne Informationen über einen Kunden, die nicht nach draußen dringen sollten, nur für ein paar Stunden auf einem Container oder Paket sichtbar machen.“ Auch für wiederverwendbare Lebensmittelboxen seien neu beschreibbare Etiketten sinnvoll.

Die TU Dresden im organischen Leuchtetikett. Foto: Max Gmelch, Felix Fries

Die TU Dresden im organischen Leuchtetikett, das nach einer Anregung seine Informationen nur für kurze Zeit preisgibt und danach – etwa für Kunden und Konkurrenten – nicht mehr auslesbar ist. Foto: Max Gmelch, Felix Fries

Leuchträder in Deutschland leider verboten

Experimentiert hat die Lexos-Gruppe ebenso mit Nachleucht-Effekten an Reifen, die für mehr Verkehrssicherheit sorgen könnten: Solche selbstleuchtenden Fahrräder wären nämlich nachts von der Seite besser für Autofahrer sichtbar. Denn die Leuchtfolien wären – anders als Reflektorstreifen – auch dann sichtbar, wenn die Räder nicht im Lichtkegel eines Schweinwerfer stehen. In Deutschland seien solche Modifikationen im Straßenverkehr zwar verboten, räumt Sebastian Reineke ein. „In anderen Ländern lässt sich das womöglich besser vermarkten.“

Desinfektionsüberwacher in Krankenhäusern

Nutzen lassen sich solche leuchtenden Etiketten aber auch als Dosimeter für Ultraviolett-Strahlung. „Das ist eine sehr preiswerte Lösung, beispielsweise um die Desinfektionin Krankenhäusern zu überwachen“, betont der Professor. Da gerade jetzt manche Kliniken auf UV-Licht setzen, um Corona-Viren loszuwerden, ist es für Pfleger, Krankenschwestern und Ärztinnen umso wichtiger, eine Garantie für ausreichende UV-Desinfektion der Geräte, Tische und Betten zu haben. Deshalb will das Lexos-Team demnächst eine Firma ausgründen, die eben solche UV-Dosimeteretiketten herstellt und vermarktet.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, Interview Reineke, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

Organische Elektronik stößt in Gigahertz-Liga vor

TU Dresden arbeitet an Insekten-Terminatorchip