News, Wirtschaft, zAufi

Hälfte der Werktätigen für Heimarbeits-Pflicht in Corona-Zeit

Heimarbeit alias Home Office ist wieder auf dem Vormarsch - aber kommt bei neuen Stellen kaum alös Lockangebot vor. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Heimarbeit alias Home Office ist wieder auf dem Vormarsch. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Bitkom-Umfrage: Viele wollen 100 % Home Office in der Pandemie

Berlin, 26. November 2020. Jeder zweite Berufstätige will, dass Heimarbeit alias „Home Office“ zur Pflicht während der Corona-Pandemie wird. Das geht aus einer Telefon-Umfrage unter 1503 Werktätigen im Auftrag des deutschen Digitalwirtschaftsverbandes „Bitkom“ aus Berlin hervor.

Bitkom-Präsident Achim Berg. Foto: Bitkom

Bitkom-Präsident Achim Berg. Foto: Bitkom

„Präsenzkultur ist in Corona-Zeiten ein absoluter Anachronismus“

„Die in vielen Unternehmen und vor allem in den Verwaltungen noch weit verbreitete Präsenzkultur ist in Corona-Zeiten ein absoluter Anachronismus“, hieb Bitkom-Präsident Achim Berg in die gleiche Kerbe. „Die Verantwortungsträger in den Unternehmen sind gefordert, ihren Mitarbeitern das verdiente Vertrauen zu schenken und ihnen unbürokratisch das mobile Arbeiten zu ermöglichen.“ Weiter erklärte Berg: „Wenn alle, deren Tätigkeit dafür geeignet ist, ins Homeoffice wechseln, ist das ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Virus, indem unnötige Kontakte vermieden und Infektionsketten unterbrochen werden – nicht nur im Büro, sondern auch auf dem Arbeitsweg und in der Mittagspause.“

Corona hat Diskussion neu entfacht

Die Diskussion um Heimarbeit hat im Corona-Ausnahmezustand neue Nahrung gefunden. Einerseits kann das Arbeiten daheim die Umwelt entlasten, weil viele Pendlerfahrten wegfallen. Auch kann es Infektionsrisiken deutlich mindern. Andererseits werden viele Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern unzureichend unterstützt, obwohl es per Gesetz ergonomische und technische Vorgaben für „Telearbeit“ beziehungsweise das „Home Office“ gibt – und auch Pflichten der Unternehmen, sich unter Umständen auch finanziell an den Heimarbeits-Kosten zu beteiligen. Daher sprechen viele Betriebe und Wirtschaftsorganisationen auch lieber von „mobiler Arbeit“ statt „Telearbeit“ oder „Home Office“, um diese Pflichten zu umgehen.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Foto: Dominik Butzmann für das BMAS

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Foto: Dominik Butzmann für das BMAS

Arbeitsminister will nun doch keinen Rechtsanspruch durchdrücken

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wollte zeitweise in der Corona-Zeit einen Heimarbeits-Rechtsanspruch für Arbeitnehmer in geeigneten Branchen einführen, hat diesen Vorschlag angesichts großer Widerstände vor allem aus der Wirtschaft und vom Koalitionspartner CDU aber inzwischen zurückgezogen.

Banker will Zusatzsteuer für Heimarbeiter

Für Debatten hatte zudem erst kürzlich der öffentliche Vorschlag des Analysten Luke Templeman von der „Deutschen Bank“ gesorgt, Arbeitnehmer im „Home Office“ zusätzlich zu besteuern. Die Banker befürchten, dass Heimarbeit die Büroimmobilien-Eigentümer, die Bürowirtschaft und die Arbeitgeber in Deutschland zu sehr belastet.

Autor: hw

Quellen: Bitkom, Oiger-Archiv, Deutsche Bank

Zum Weiterlesen:

IHK Dresden für Heimarbeit – aber gegen Rechtsanspruch

Jeder 3. Werktätige ist Heimarbeiter