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Behinderten-Navi aus Sachsen für große Häuser

So könnte das Dynamik-Navi-System aus Chemnitz womöglich aussehen. Foto und Grafik: Jacob Müller für die Uni Chemnitz

So könnte das Dynamik-Navi-System aus Chemnitz womöglich aussehen. Foto und Grafik: Jacob Müller für die Uni Chemnitz

TU Chemnitz arbeitet an Orientierungshilfe für drinnen

Chemnitz, 17. Juli 2020. Damit Behinderte in komplexen Gebäuden schnell und barrierefrei zum Ziel kommen, entwickeln derzeit Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus Sachsen ein spezielles Navigationssystem für diese Zielgruppe. Das geht aus einer Mitteilung der TU Chemnitz hervor.

Für den Rollstuhlfahrer ist eine Treppe unüberwindlich - das Dynamik-Navi-System der Chemnitzer soll daher Alternativen zeigen. Grafik: Dynamik, Uni Chemnitz

Für den Rollstuhlfahrer ist eine Treppe unüberwindlich – das Dynamik-Navi-System der Chemnitzer soll daher Alternativen zeigen. Grafik: Dynamik, Uni Chemnitz

Interdisziplinäre Dynamik erwünscht

Das „Dynamische Navigations- und Orientierungssystem für körperlich beeinträchtigte Menschen in Komplexgebäuden“ (Dynamik) soll in eine App münden. Dieses Programm soll dort, wo kein Navi-Satellitensignal hinreicht, barrierefreie Wege innerhalb von Gebäuden zeigen. Am Projekt „Dynamik“ arbeitet ein interdisziplinäres Team aus männlichen wie weiblichen Medienpsychologen, Informatikern und Ingenieuren. Als Referenz-Immobilie verwenden sie die Uni-Bibliothek in der „Alten Aktienspinnerei“ Chemnitz.

Pilotprojekt in Uni-Bibliothek

„Das Gebäude ist ideal für uns“, erklärte „Dynamik“-Leiterin Dr. Julia Richter. „Immerhin handelt es sich um ein öffentlich zugängliches Gebäude, das sich zudem mit einer Größe von mehr als 12.300 Quadratmetern Nutzfläche auf sechs Etagen erstreckt. Der Fokus der künftigen App liege auf einer größtmöglichen Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. „Die App soll natürlich nicht nur in der Universitätsbibliothek gut funktionieren, sondern auch in anderen komplexen Gebäuden.“

Behinderte um Mithilfe per Online-Umfrage gebeten

Wer an der Entwicklung mitwirken will, kann eine E-Mail an dynamik@phil.tu-chemnitz.de schreiben. Außerdem will das Team mit einem Internet-Fragebogen die Erfahrungen behinderter Menschen mit Smartphones und mit der Orientierung in großen Gebäuden abfragen. Eine Teilnahme ist über das Bildungsportal Sachsen möglich.

Viele Ansätze für Innerhaus-Navigation

An Lösungen für die sogenannte Indoor-Navigation arbeiten weltweit viele Unternehmen und Forscher, darunter auch Fraunhofer in Dresden. Da in größeren Komplexen mit mehreren Etagen meist kein Satelliten-Signal anliegt, müssen dort andere Ortungstechniken eingesetzt werden. Möglich ist das beispielsweise über kleine GPS-Boxen an Wänden und Decken oder über Funknetz-Ortung via WLAN oder Ultraweitband (UWB). Einsetzbar, allerdings ungenauer, ist die relative Orientierung anhand der Beschleunigungssensoren in modernen Smartphones. Ein einheitlicher Standard hat sich für die dynamische Innerhaus-Navigation aber noch durchgesetzt.

Autor: Oiger

Quelle: TU Chemnitz