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Autokrise bremst Deutschland aus

Neue Kuka-Roboter und andere Ausrüstungen für Zwickau: Volkswagen investiert ingesamt 1,2 Milliarden Euro, um sein Werk in Zwickau auf Elektroauto-Produktion umzurüsten. Foto: Volkswagen

Neue Kuka-Roboter und andere Ausrüstungen für Zwickau: Volkswagen investiert ingesamt 1,2 Milliarden Euro, um sein Werk in Zwickau auf Elektroauto-Produktion umzurüsten. Foto: Volkswagen

Probleme kosteten die Bundesrepublik 0,75 % Wirtschaftswachstum, schätzt Ifo.

München, 13. Januar 2020. Die Probleme der deutschen Autoindustrie haben das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 um 0,75 Prozent gedämpft. Das hat das Ifo-Institut aus München heute eingeschätzt. Insgesamt war die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um etwa 0,5 Prozent gewachsen, stand zeitweise sogar vor einer Rezession.

Kurzarbeit doppelt so hoch wie im Industrieschnitt

Das hat auch Auswirkungen auf Jobs in Deutschland gehabt: Ende 2019 beschäftigte die Autoindustrie 1,3 Prozent weniger Menschen als ein Jahr zuvor. Und der Anteil der Betriebe mit Kurzarbeit liegt in dieser Branche mit etwa 14 Prozent doppelt so hoch wie in der übrigen Industrie.

Dennoch sind deutsche Autos gefragt

Paradoxerweise sind aber gleichzeitig deutsche Autos sehr gefragt: „Interessanterweise stieg gleichzeitig die Nachfrage nach deutschen Autos 2019“, betonte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Kunden wurden aber nicht aus der inländischen Produktion bedient. Denn sie ist im vergangenen Jahr um 8,9 Prozent geschrumpft, nachdem sie bereits im Jahr 2018 um 9,3 Prozent zurückgegangen war. Vielmehr weitete die Branche die Produktion deutscher Marken an Standorten außerhalb Deutschlands aus und führte die Autos dann nach Deutschland ein.“

Deutschland importiert 16 % mehr deutsche Autos aus dem Ausland

So legte die Produktion deutscher Automobilhersteller in anderen europäischen Ländern im vergangenen Jahr um schätzungsweise 2,0 Prozent zu, nach einem Anstieg von 7,5 Prozent im Jahr 2018. Gleichzeitig stiegen die deutschen Importe von Pkw aus der EU zwischen Januar und September 2019 um 16 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Umrüstung auf E-Autos dämpft deutsche Produktion

Die Ifo-Analytiker vermuten, dass dies mit der Umrüstung mehrerer großer deutscher Autofabriken – zum Beispiel von VW in Zwickau – auf Elektrofahrzeuge zusammenhängt. „In der Übergangsphase fällt das Angebot an neu produzierten Pkw in Deutschland weg, und die vormals an den deutschen Standorten produzierten Pkw mit herkömmlichen Antrieben werden in anderen europäischen Ländern hergestellt“, sagt Wollmershäuser.

Die deutsche Autoindustrie schwächelt derzeit spürbar. Dafür gibt es mehrere Gründe, einige davon sind selbstproduziert. Dazu gehören die Schummeleien bei den Diesel-Stickstoffwerten, die Fahrverbote für Dieselautos, die durch Handelskriege schwächelnde Weltwirtschaft und die Produktionseinbußen, weil mehrere Fabriken auf Stromer umgerüstet werden.

Autor: hw

Quelle: ifo