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Die „Coding Natives“ erobern die Hörsäle

Regnerationswürmer unterm Mikroskop. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Der Ingenieur und Forscher von morgen ist gleichzeitig Datenspezialist

Dresden, 12. September 2018. Wer heute in den Ingenieurwissenschaften oder experimentellen Naturwissenschaften vorne mitspielen will, kommt um mindestens eine Zusatzqualifikation kaum herum: Er oder sie muss auch Datenspezialist sein. „Moderne Mikroskope und andere Forschungsgeräte erzeugen in wenigen Minuten mehrere Terabyte Daten“, erklärte Prof. Giovanni Cuniberti vom Lehrstuhl für Materialwissenschaften und Nanotechnik am Rande der internationalen akademischen Sommerschule „Materials 4.0“, zu der 23 Studenten und Nachwuchswissenschaftler aus zwölf Ländern an die TU Dresden gekommen sind. Experimente mit neuen Materialien seien so komplex, dass kein menschliches Gehirn die miteinander verwobenen Messdaten noch überschauen könne. Dann seien selbst lernende Computer gefragt – und vor allem junge Wissenschaftler, die nicht nur forschen, sondern auch Daten analysieren und Computeralgorithmen schreiben können.

Muster erkennen, wo das menschliche Auge und Gehirn überfordert sind

In die Hörsäle der Maschinenbauer und Naturwissenschaftler ziehe entsprechend derzeit ein neuer Typ von Studenten ein, die der Nanotechnologe Cuniberti „Coding Natives“ nennt: eine Generation, die autodidaktisch programmierend groß geworden sind. „Das müssen wir fördern“, betonte der Physiker Alexander Croy, der an Cunibertis Lehrstuhl tätig ist. Denn Materialwissenschaftler werden in naher Zukunft noch stärker als bisher auf Computer und vor allem auf selbstlernende Systeme angewiesen sein, um neuartige Hochtechnologie-Werkstoffe zu entwickeln „Diese Systeme erkennen Muster in riesigen Bilderserien, die kein menschliches Auge sehen würde“, ergänzte sein Kollege Florian Pump.

Entwickelt Computer eine Art „Intuition“?

Schon jetzt ist absehbar, dass diese selbstlernenden Computer besondere Eigenschaften entwickeln könnten, die der Intuition erfahrener menschlicher Handwerker und Ingenieure ziemlich nahe kommen: Die Fähigkeit, etwas neues zu entdecken oder eine schwierige Aufgabe durch erlernte Erfahrung zu lösen statt sie wirklich durchzurechnen. Erste Beispiele mit schwingenden Molekülen, deren Bewegungsmuster ein Computer durch Filme erlernt hatte und dann neue Muster voraussagen konnte, wurden während der Sommerschule bereits vorgestellt. hw

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger