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Ärzte verschreiben immer noch zu oft Antibiotika

Stäbchenbakterium Clostridium difficile – ein typischer Krankenhaus-Keim, Foto: Janice Carr, CDC/ Lois S. Wiggs, Wikipedia, Public Domain
Stäbchenbakterium Clostridium difficile – ein typischer Krankenhaus-Keim, Foto: Janice Carr, CDC/ Lois S. Wiggs, Wikipedia, Public Domain

Vergabe zwar rückläufig, aber noch zu häufig

Dresden, 7. Juni 2017. Die Ärzte in Sachsen verschreiben inzwischen zwar etwas weniger Antibiotika gegen Erkältungen – aber immer noch viel zu viel von diesen medizinischen Keulen gegen Bakterien. Damit erhöhen sie weiter das Risiko, dass sich multiresistente Keime entwickeln, gegen die alle Medizin immun sind. Das hat die Technikerkrankenkasse (TK) Sachsen in Dresden eingeschätzt.

Jeder vierte Grippekranke bekommt Antibiotika

Demnach bekam im Jahr 2016 jeder vierte Beschäftigte (24,6 Prozent), der in Sachsen erkältungsbedingt krankgeschrieben war, ein Antibiotikum. Dies ist ein spürbarer Rückgang zum Jahr 2014, als in solchen Fällen für fast jeden dritten Erkältungs-Patienten (31,6 Prozent) Antibiotika verschrieben wurden.

90 % der Erkältungen durch Viren ausgelöst

„Die Entwicklung geht in die richtige Richtung“, kommentierte Simone Hartmann, die Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen, diese Trendwende. Ohnehin werde nur ein geringer Anteil der Erkältungsinfekte von Bakterien verursacht, gegen die Antibiotika einzusetzen sind. 90 Prozent der Erkältungen mit Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen werden durch Viren hervorgerufen, gegen die Antibiotika nicht wirken. „Deshalb sollte jeder kritisch abwägen, ob bei einer tatsächlichen Grippe eine Antibiotika-Einnahme sinnvoll ist“, empfahl Hartmann.

Horrorszenario für die Menschheit: Multiresistente Keime, gegen die kein Kraut gewachsen ist

Werden zuviele Antibiotika verschrieben, können die jeweils nächsten Bakterien-Generationen möglicherweise gegen erprobte Antibiotika resistent werden. Im schlimmsten Fall kann dies zu einem Rückfall in die Zeiten vor der modernen Medizin führen, als jede Wundinfektion tödlich ausgehen konnte.

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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