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Moderne Technologien gewinnen

Zwei Mitarbeiter beäugen Chipscheiben (Wafer) im Reinraum der Globalfoundries-Chipfabrik Dresden. Foto: Globalfoundries

Reinraum der Globalfoundries-Chipfabrik Dresden. Foto: Globalfoundries

Abkehr der Europäer von höchstintegrierten Schaltkreisen ist falscher Weg

Dresden, 5. September 2016. Die europäischen Zukunftspessimisten in der Halbleiterindustrie verbreiten seit Jahren die Mär, dass die modernen Technologien zu teuer seien und eigentlich nicht gebraucht würden. Für den künftigen Wachstumsmarkt des Internets der Dinge seien billige und stromsparende Schaltkreise nötig, aber keine höchstintegrierten Schaltkreise mit minimalen Geometrien.

Foundries wie TSMC gewinnen Marktanteile durch Sub-28-nm-Prozesse

Abgesehen davon, dass das falsch ist, weil für die anspruchsvollsten Anwendungen des Internets der Dinge (z. B. autonom fahrende Autos) gerade äußerst komplexe Schaltkreise mit 100.000 Prozessoren und mehr auf einem Chip benötigt werden, zeigen auch die aktuellen Entwicklungen auf dem Foundry-Markt in eine andere Richtung. Die Foundry (Auftragsfertiger) „TSMC“ aus Taiwan zeichnet sich seit Jahren durch eine Führungsrolle bei der Einführung kleinerer Prozessgeometrien aus und ist der derzeit bei 10 Nanometern (nm) minimale Strukturmaße angekommen. Damit ist es TSMC gelungen, aktuell 84 % des Weltmarktes für die modernsten Technologien (kleiner als 28 nm) für sich zu gewinnen, was einem Umsatzvolumen von 10,3 Mrd. $ allein in diesem Segment entspricht.

Die Spitzenproduktion (rechts) macht zwar nur die knappe Hälfte des Gesamtumsatzes der Foundries aus, wächst aber um 72 %, die recstliche Produktion dagegen nur um 4 % (links). Grafik: IC Insights

Die Spitzenproduktion (rechts) macht zwar nur die knappe Hälfte des Gesamtumsatzes der Foundries aus, wächst aber um 72 %, die restliche Produktion dagegen nur um 4 % (links). Grafik: IC Insights

TSMC erlöst ein Viertel mehr pro Wafer als Globalfoundries

Und damit lässt sich prächtig Geld verdienen, ohne Personal entlassen zu müssen. Von allen großen Foundries ist TSMC die einzige, die 2014 mit 1328,27 US-Dollar mehr für einen Wafer eingenommen hat als 2010 und damit 27 % über den Einnahmen von Globalfoundries pro Wafer lag. Außerdem ist das Wachstum höher. Während die Chipumsätze mit Technologien über 28 Nanometern im Jahr 2014 um 4 % wuchsen, legten sie im Technologie-Segment gleich und kleiner 28 nm in diesem Zeitraum um 72% zu.

Glofo und AMD vereinbaren 7-nm-Deal für US-Fabrik

Ironischerweise hat das jetzt auch Globalfoundries erkannt und mit AMD aktuell ein Abkommen geschlossen. Demnach übernimmt Globalfoundries aus seiner Waferfab in Malta in den USA bis 2020 einen wesentlichen Teil der Lieferung von Wafern für AMDs Grafik- und Prozessorchips in 14-nm- und später in 7-nm-Technologie. Bisher hatte Globalfoundries immer betont, mit der 28-nm-Technologie in der FD-SOI-Variante (Fully Depleted Silicon on Insulator) sei das Ende der wirtschaftlichen Fahnenstange erreicht.

Autor: Bernd Junghans

Bernd Junghans. Foto: privat

Bernd Junghans. Foto: privat

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