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Investoren schmieden um Rotop Dresden neue Biotech-Gruppe

Eine Rotop-Mitarbeiterin bereitet ein Radiopharma-Kit vor, das später in Praxen und Krankenhäusern für die Krebsdiagnostik oder zur Diagnose der Herz- und Nierenfunktion eingesetzt wird. Foto: Rotop

Eine Rotop-Mitarbeiterin bereitet ein Radiopharma-Kit vor, das später in Praxen und Krankenhäusern für die Krebsdiagnostik oder zur Diagnose der Herz- und Nierenfunktion eingesetzt wird. Foto: Rotop

Impulse für Sachsens Krebsdiagnostik erwartet

Dresden, 13. April 2014: Um sich Wege für ein weiteres Wachstum zu eröffnen, hat die Dresdner Rotop-Gründerin Monika Johannsen ihr Radiopharma-Unternehmen an international erfahrenere und kapitalkräftigere Investoren verkauft. Das teilte die bisherige Vorstandsvorsitzende heute im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) mit, auf dessen Campus sie die Firma vor 14 Jahren mit damals zehn Mitarbeitern gegründet hatte. Der neue Chef und Minderheitseigner Jens Junker will in den kommenden fünf Jahren den Umsatz (zuletzt acht Millionen Euro) und die Belegschaft (derzeit 45 Mitarbeiter) zu verdoppeln.

Hausherr Helmholtz entwickelt Metastasen-Killer

„Wir haben in den vergangenen 14 Jahren gemeinsam mit unseren Mitarbeitern sehr viel erreicht. Nun ist die Zeit gekommen, das Zepter weiterzugeben, um langfristig weiter stark zu wachsen“, begründete Johannsen den Verkauf. So verdreifacht das Unternehmen derzeit seine Produktionskapazitäten, soll sich neue Märkte erschließen – und langfristig gemeinsam mit dem Partner HZDR neuartige Krebsmedikamente entwickeln, die die Überlebenschancen von Tumorpatienten, in deren bereits Metastasen gestreut sind, drastisch erhöhen könnten.

Video über bildgebende Krebsdiagnostik (HZDR):

Gehörte die Rotop bisher ihrer Gründerin sowie einer Schweizer Pharmagesellschaft, hält nun die „Zörgiebel Industriebeteiligungen GmbH“ (ZIB) knapp 75 Prozent der Rotop-Anteile, das restliche Viertel übernimmt Junker, der zunächst gemeinsam mit Johannsen, später dann allein die Führung des Unternehmens übernimmt.

Neue Schwester-Firmen auf DNA-Fingerabdrücke und Biotech-Software spezialisiert

Investor Wilhelm Zörgiebel, Rotop-Gründerin Monika Johannsen und der neue Vorstand Jens Junker (von links). Foto: Frank Graetz, Rotop

Investor Wilhelm Zörgiebel, Rotop-Gründerin Monika Johannsen und der neue Vorstand Jens Junker (von links). Foto: Frank Graetz, Rotop

ZIB-Eigner Wilhelm Zörgiebel hat bereits zwei Dresdner Biotech-Firmen aufgepäppelt: die auf DNA-„Fingerabdrücke“ und andere genetische Testsysteme spezialisierte „Biotype Diagnostic GmbH“ (30 Mitarbeiter) und die „Qualitype GmbH“ (25 Mitarbeiter), die biotechnologische Computerprogramme entwickelt. Gemeinsam mit der Rotop soll dieses Gespann der Nukleus einer wachsenden Biodiagnostik-Gruppe mit dem Schwerpunkt auf sächsische Innovationen werden. Als Umsatzziel für die neue Gruppe hat Zörgiebel 18 Millionen Euro für dieses Jahr ausgegeben. Junker wiederum hatte in Sachsen Maschinenbau studiert und war danach in mehreren Unternehmen in Führungspositionen und im internationalen Vertrieb tätig gewesen. Dementsprechend sieht er sein Ziel darin, Rotop in einer neue Liga zu befördern und internationaler auszurichten.

„Medizinisches Entwicklungsland“ USA im Blick

So investiert das Unternehmen derzeit mehrere Millionen Euro in einen Lager-Anbau sowie neue Reinraum-Produktionslabore auf dem HZDR-Campus. Ab 2015 soll das Unternehmen durch diese Erweiterungen im Stande sein, dreimal soviel radiopharmazeutische Generika für die Krebsdiagnostik herzustellen wie bisher. Außerdem möchte der neue Chef Junker das Produktportefeuille von Rotop erweitern und den US-Markt erobern. „Genaugenommen sind die USA in puncto medizinischer Grundversorgung für die breite Masse der Bevölkerung bisher noch ein Schwellen- oder gar Entwicklungsland“, meint er. Durch die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama soll sich dies nun ändern – und dies könnte auch für die Sachsen neue Wachstumschancen eröffnen.

„Rotop und das Biotech-Netz“

Rotop ging im Jahr 2000 aus der Radiopharma-Produktion der früheren DDR-Akademie der Wissenschaften hervor. Das Unternehmen stellt gemeinsam mit polnischen Partnern nach bereits bekannten Rezepten Medizinpacks her, die Krebspatienten verabreicht werden, um dann mit Röntgengeräten oder anderen bildgebenden Verfahren Wucherungen beizeiten zu sichtbar zu machen.

Direktor Roland Sauerbrey. Abb.: HZDR

Direktor Roland Sauerbrey. Abb.: HZDR

Das HZDR unter Leitung von Prof. Roland Sauerbrey hat zudem ein besonderes Interesse daran, dass Rotop floriert: Nicht nur, weil das Forschungszentrum durch diesen Mieter Einnahmen generiert, sondern weil die Helmholtz-Wissenschaftler dadurch die Chance haben, ihre Radiopharmazie-Forschungen kommerziell zu verwerten. Allerdings dauert es laut Sauerbrey etwa zehn Jahre, bis aus Forschungsergebnissen marktreife und zugelassene Medikamente werden. Rotop ist im Übrigen auch als Teil der sächsischen Biotech-Offensive zu sehen. Insgesamt gibt es laut Peter Nothnagel, Chef der Sächsischen Wirtschaftsförderung, etwa 80 Firmen und 30 Forschungseinrichtungen im Freistaat, die sich mit Biotech beschäftigen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Rotop im Profil:

Abb.: Rotop

Abb.: Rotop

Gegründet: Im Jahr 2000 in Dresden-Rossendorf

Wurzeln: DDR-Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf (Teil der DDR-Akademie der Wissenschaften)

Geschäftszweck: Herstellung von radiopharmazeutischen Diagnostik-Mitteln für bildgebende Verfahren (Krebs-Diagnostik, Herz- u. Nierenfunktionen). Die leicht radioaktive Trägerflüssigkeit wird von Polatom Warschau zugeliefert, Rotop stellt die Kits für die Ärzte zusammen.

Mitarbeiter: 45 (2000: zehn)

Umsatz: ca. acht Millionen Euro

Eigentümer: „Zörgiebel Industriebeteiligungen GmbH“ (74,9 %), Jenns Junker (25,1 %)

 

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