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Fraunhofer-Forscher: Chip-Standort Dresden schöpft Potenzial nicht voll aus

Die Franhofer-Forscher im Dresdner EAS arbeiten mit aufwändiger Analysetechnik. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

Die Franhofer-Forscher im Dresdner EAS arbeiten mit aufwändiger Analysetechnik. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

EAS-Leiter Schneider sieht Lücke zwischen kleinen Ideenschmieden und großen Chipfabriken

Dresden, 4. Dezember 2013: Am Mikroelektronik-Standort Dresden klafft eine wachstumshemmende Lücke in der Wertschöpfungskette. Das schätzt Dr. Peter Schneider ein, der Leiter des Fraunhofer-Institutsteils für Entwurfsautomatisierung (EAS) Dresden: Auf der einen Seite gebe es viele kleine Unternehmen, die Ideen für innovative Hightech-Produkte haben, auf der anderen Seite große Chip-Fertiger wie Globalfoundries oder X-Fab. Doch diese Auftragsfertiger (Foundries) vor Ort auch für eine eigene Massenfertigung einzusetzen, gelinge den kleineren sächsischen Firmen oft nicht – es fehle die Vernetzung und die Vermittlung durch Chip-Designzentren. „Da sehe ich noch große Potenziale für den Standort“, sagt Schneider.

Ähnlich hatte sich bereits vor Jahren bereits der damalige „Silicon Saxony“-Verbandsvorsitzende Thilo von Selchow vom ZMD geäußert. Er hatte seinerzeit die Ansiedlung unabhängiger Designzentren als Mittler zwischen großen und kleinen Chipfirmen gefordert. Letztlich hatte sich aber nur eine vergleichsweise kleine Niederlassung des holländischen Test- und Designunternehmen „Rood Technology“ in Dresden danach niedergelassen.

Von der DDR-Akademie der Wissenschaften zum MP3-Erfinder IIS als Mutter-Institut

EAS-Chef Dr. Peter Schneider. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

EAS-Chef Dr. Peter Schneider. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

Der Vorgänger des EAS war vor der politischen Wende solch ein Vermittler und das EAS selbst ist dies – allerdings in geringerem Umfang – auch heute noch: Die Fraunhofer-Einrichtung ging aus einer Arbeitsgruppe der DDR-Akademie der Wissenschaften hervor, die von Dresden aus die großen ostdeutschen Halbleiterwerke in Frankfurt/Oder, Erfurt (Kombinat Mikroelektronik) und Dresden (ZMD) mit Entwurfs-Software für integrierte Schaltkreise versorgte. Knapp 30 dieser AG-Mitarbeiter an der Zeunerstraße übernahm die Fraunhofer-Gesellschaft 1992 und gliederte sie dem legendären „Institut für Integrierte Schaltungen“ (IIS) in Erlangen an, das ab den 1980er Jahren das heute allgegenwärtige MP3-Format für Musikdateien entwickelt hatte.

Drei US-Unternehmen teilen sich 75 % des Marktes auf

Danach konzentrierte sich der Institutsteil auf neue Entwicklungsmethoden für Schaltkreise. Waren die Dresdner jedoch im kleinen Teich DDR ein großer Fisch, so müssen sie jetzt im Ozean „Weltmarkt“ gegen ein paar ganz große Wale bestehen. „Das klassische Schaltkreis-Design ist eine Domäne einiger weniger US-Unternehmen“, berichtet EAS-Leiter Schneider. „Drei amerikanische Unternehmen teilen sich da 75 Prozent des Marktes auf.“

Schaltkeis-Entwurf und Zuverlössigkeitsprüfungen sind eine Kunst für sich. EAS-Chef Dr. Peter Schneider. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

Schaltkeis-Entwurf und Zuverlössigkeitsprüfungen sind eine Kunst für sich. EAS-Chef Dr. Peter Schneider. Foto: Jürgen Lösel, Fraunhofer IIS/EAS

Deshalb haben sich die Dresdner Fraunhofer-Forscher spezialisiert: auf mathematische Modelle und Simulationen für den Entwurf gemischt analog-digitaler Chips zum Beispiel, auf 3D-Sensoren und -Schaltkreise, die in Dresden ohnehin ein Forschungsschwerpunkt sind, auf hochzuverlässige Motoren, aber auch auf das Zusammenspiel komplexer Systeme vom Airbag-Modul im Auto bis hin zur Vernetzung hochautomatisierter Fabriken.

Anlauf für die Industrie 4.0

Letzteres, so sagt Schneider, ist ein noch eher kleines, aber wachsendes Forschungsfeld: Denn unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ wird die intelligente Automatisierung und Funkvernetzung von Maschinen und Werkstücken in den Fabriken derzeit von der Bundesregierung wie von der Hightech-Branche als die große Chance auf einen neuen Produktivitätsschub in der deutschen Wirtschaft stark propagiert. „Allerdings sind da noch viele praktische Probleme, vor allem bei der Funkvernetzung zu lösen“, betont Schneider.

Jedenfalls agieren die Dresdner Forscher in diesem großen Teich anscheinend recht erfolgreich: Die Belegschaft ist inzwischen auf 90 Mitarbeiter angewachsen, das Jahresbudget auf 8,5 Millionen Euro. Ein Drittel des Etats erwirtschaften die EAS-Wissenschaftler durch Industrieerlöse, zu den Partnern gehören Branchengrößen wie Infineon, NXP, Bosch, ZMDi, X-Fab und der Automobilzulieferer Hella.

Autor: Heiko Weckbrodt

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