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„Made in China“ ersetzt „Made in Germany“

"Made in Germany" hat viel von seinem Glanz verloren. Grafik: Heiko Weckbrodt
„Made in Germany“ hat viel von seinem Glanz verloren. Grafik: Heiko Weckbrodt

IfW Kiel: Deutsche Exporte entwickeln sich nur schwach, Chinesen stellen mehr Tech-Produkte selber her

Kiel, 28. August 2023. „Made in Germany“ verliert seinen schillernden Klang im Reich der Mitte – die Chinesen stellen mehr und mehr Technologie-Güter inzwischen selbst her. Zudem haben viele deutsche Unternehmen ihre Produktion ohnehin nach China verlagert. All dies führt dazu, dass sich die deutschen Exporte gen China schwächer entwickeln als es die wirtschaftliche Entwicklung in China hätten erwarten lassen. Das geht aus einer Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) hervor.

Deutsche Exporte nach China nominal (durchgezogene Linie) und bereinigt um Inflationseffekte (gestrichelte Linie). Grafik: IfW
Deutsche Exporte nach China nominal (durchgezogene Linie) und bereinigt um Inflationseffekte (gestrichelte Linie). Grafik: IfW

„Rückgang ist in diesem Umfang überraschend“

Demnach waren die deutschen Ausfuhren nach China ab 2002 lange Zeit stark gewachsen, schrumpfen nun aber mengenmäßig – allein zwischen 2018 und 2022 preisbereinigt um 7,5 Prozent. „Der Rückgang ist in diesem Umfang überraschend, denn der deutsche Handel mit China hängt in der Regel eng mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung beider Länder zusammen, und China wächst ja weiterhin“, betont IfW-Handelsforscher Vincent Stamer. „Der China-Export verliert damit an Bedeutung als Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft.“

Hauptgründe: Produktions-Verlagerungen gen China und technischer Fortschritt in China

Dafür gebe es mehrere Gründe: „Ein Erklärungsansatz für die in dieser Größenordnung einmalige Exportlücke besteht in der zunehmenden Produktion deutscher Unternehmen in China“, argumentiert Stamer. Gleichzeitig produziere China immer mehr Waren selbst, statt sie zu importieren. Das Verhältnis der Importe zu Chinas Wirtschaftsleistung (BIP) fiel von 29 Prozent im Jahr 2003 um etwa die Hälfte auf inzwischen nur noch 15 Prozent. „Maßgeblich für diese Entwicklung dürfte unter anderem der technische Fortschritt in China sein.“ Beispiele dafür sind die fortgeschrittenen technologischen Positionen, die sich chinesische Hersteller von Elektroautos, Akkus, Solarzellen oder Militärgütern erarbeitet haben. Und so sind die chinesischen Importe von Kapitalgütern, zu denen die für Deutschland wichtigen Maschinen und Anlagen gehören, seit 2013 nominal gefallen. Derweil importiert nun China verstärkt Zwischenprodukte – ähnlich wie das noch bis vor einigen Jahren typisch für Deutschland gewesen war.

Forscher: Deutsche Exportwirtschaft sollte sich auf Indien und Südostasien fokussieren

Statt für Innovationen und Kostensenkungen, um deutsche Waren für die Chinesen wieder interessanter zu machen, plädiert der IfW-Handelsforscher nun dafür, sich anderen Absatzländern zuzuwenden: „Deutschlands komparativer Vorteil in der Produktion von Maschinen entspricht nicht mehr dem Bedarf Chinas, daher liegen zukünftige Wachstumsmärkte für deutsche Exportfirmen eher in Südostasien und Indien.“ Denn in Asien hat „Made in Germany prinzipiell weiter einen guten Klang. Allerdings gelten deutsche Waren auch als sehr teuer und werden deshalb oft lieber nachgeahmt als gekauft.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IfW Kiel, Oiger-Archiv

Wissenschaftliche Publikation:

„Deutsche Exporte ausgebremst: China ersetzt ,Made in Germany’“ von Vincent Stamer, IfW Kiel, Augusr 2023, Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger