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„The Green Knight“: Ein Tunichtgut auf dem Weg zur Ritterlichkeit

Eine der möglichen Zukünfte für Gawein (Dev Patel) als König und Nachfolger von Artus. Szenenfoto: Eurovideo

Eine der möglichen Zukünfte für Gawein (Dev Patel) als König und Nachfolger von Artus. Szenenfoto: Eurovideo

Fantasyfilm mit surrealen Elementen interpretiert die Mär von Sir Gawein aus dem Artus-Sagenkosmos neu

Für seinen neuen Film „The Green Knight“ hat sich Regisseur David Lowery mit der Mär um „Sir Gawein und den grünen Ritter“ aus dem reichen britischen Sagenkreis um König Artus einen Erzählstrang heraus herausgepickt, der schon auf Zeitgenossen mit seinem Loblied auf Prüderie, Ritterlichkeit und Selbstzerfleischung eher ambivalent gewirkt haben dürfte. Anders als etwa Monty Python, die dieses Motiv in „Die Ritter der Kokosnuß“ gründlich verballhornt haben, hat der US-Amerikaner daraus ein Fantasy-Drama über Entscheidungen und möglichen Zukünfte gemacht. Erschienen ist der bildstarke, oft surreal anmutende Mittelalter-Film nun auch fürs deutsche Heimkino.

Werbevideo für "The Green
Knight" von Eurovideo:

Die Geschichte: Unfähiger Trunkenbold laviert sich in ein fatales Duell hinein

In „The Green Knight“ ist Gawein (Dev Patel, „Slumdog Millionär“) alles andere als eine Zierde für die Ritterschaft: Statt sich mit Kampfübungen und Jagden auf seine Karriere als Krieger des Königs vorzubereiten, verbringt er seine Zeit lieber in Baderei-Bordellen, säuft sich durch die Nächte und vergnügt sich mit seiner Konkubine Essel (Alicia Vikander, „Ex machina“, „Tomb Raider“). Dieses Lotterleben rächt sich, als er am Königs-Hof auf teuflisches „Duell“ mit dem grünen Ritter einlässt: Er darf den ersten Schlag führen, köpft den Koloss allzu leicht und bekommt dessen Axt als Lohn. Doch statt zu sterben, fordert der Grünling nun wiederum seinen Preis ein: Im Gegenzug soll Gawein genau ein Jahr später, zum nächsten Weihnachtsfest, in der „Grünen Kapelle“ antreten und den selben Schlag von seinem Kontrahenten annehmen.

Der namensgebende grüne Ritter (Ralph Ineson) in "The Green Knight" fordert die Recken der Tafelrunde zu einem fatalen Handel heraus. Szenenfoto: Eurovideo

Der namensgebende grüne Ritter (Ralph Ineson) in „The Green Knight“ fordert die Recken der Tafelrunde zu einem fatalen Handel heraus. Szenenfoto: Eurovideo

Und auf dieser Reise hält, wie man es aus mittelalterlichen Quests so kennt, für Gawein allerlei herausfordernde Prüfungen bereit: Erst lässt er sich von ein paar zerlumpten Wegelagerern ausrauben. Dann strandet er in einer Burg, wo ihn der Lord (Joel Edgerton, „King Arthur“, „Red Sparrow“) und Lady (Alicia Vikander in einer Doppelrolle) zwar aufpäppeln, ihn zugleich aber verführen und verwirren. So richtig 100 pro besteht der junge Möchtegern-Ritter diese Prüfungen nicht, und so bekommen lange gehegte Selbstzweifel mehr und mehr Futter, als er sich schließlich am Ende seiner Reise dem grünen Ritter stellen soll…

Alicia Vikander glänzt in "The Green Knight" in einer Doppelrolle als namenlose Lady (hier im Bild) und Konkubine Essel. Szenenfoto: Eurovideo

Alicia Vikander glänzt in „The Green Knight“ in einer Doppelrolle als namenlose Lady (hier im Bild) und Konkubine Essel. Szenenfoto: Eurovideo

Zwischen Ritter-Quest und Zeitreise-Science-Fiction

In dieser freien Interpretation der Gawein-Legende mischt David Lowery Hochmittelalter-Chic mit moderner Erzählstilistik, altwalisische Gesänge mit Pop, Ritter-Quest mit Zeitreise-Science-Fiction. Und all dies würzt er noch mit einem ordentlichen surrealen Schuss: Der werdende Heroe begegnet auf seiner Reise einer Horde singender Riesen, einer geköpften Dame und einem sprechenden Fuchs. Und die meist auf erdige, dunkle Grundtöne zurückgefahrene Themen-Farbpalette, die Lowery für die einzelnen Kapitel seines Films einsetzt, verstärken noch den Eindruck, hier mitten in einem psychedelischen Traum geraten zu sein. „The Green Knight“ wirkt aber auch durch seine starke Besetzung, wobei hier Frau Vikander wieder mal besondere Glanzlichter setzt.

Fazit: chic und voller Chiffren

Erst jüngst hatte Guy Ritchie das Artus-Thema neu interpretiert und über die Jahrzehnte hinweg hat die Filmindustrie eine ganze Flut von Geschichten rings um den britischen Sagenkönig hervorgebracht, so dass man manchmal stöhnen mag: Nein, nicht schon wieder ein Artus-Film. Aber auf den Spüren von „Excalibur“ – das damals übrigens streckenweise an den selben irischen Schauplätzen gedreht wurde – hat David Lowery den alten Ritter-Schinken doch wieder neue Aspekte abgewinnen können. Auf den ersten Blick mag „The Green Knight“ mit all seinen Metaphern für Natur, Tod, Fatalismus und Ritterlichkeit und seiner traumhaft-poppigen Anmutung zwar gelegentlich verwirrend wirken. Doch gerade in seiner Chiffren, seiner dichten Atmosphäre und seinen aufgespaltenen Zeitlinien liegt auch der besondere Reiz dieser Fantasy-Interpretation.

Umschlagbild von "The Green Knight". Abb.: Eurovideo

Umschlagbild von . Abb.: Eurovideo

Kurzüberblick:

  • Titel: „The Green Knight“
  • Genre: Ritterfilm / Fantasy
  • Produktionsland und -jahr: USA/Irland 2021
  • Regie: David Lowery
  • Darsteller: Dev Patel, Alicia Vikander, Joel Edgerton, Sarita Choudhury, Sean Harris, Ralph Ineson u. a.
  • Laufzeit: 130 Minuten (BD-Version)
  • Sprachen: Deutsch und Englisch
  • Untertitel: Deutsch und Englisch
  • Altersfreigabe: FSK 16
  • Bonussektion: Als Boni enthält die Bluray-Version noch ein paar sehenswerte Boni. Dazu gehören Dokus über die Genese des Films, die veganen Kostüme und die Musikauswahl, die Dreharbeiten in Irland, die Hybrid-Tricktechnik aus Echtkulissen-Bau, Modellen, Matte-Painting und Computereffekten aus dem Hause Weta.
  • Preis: Videostrom: 5 Euro (leihen), 17 Euro (kaufen), Bluray: 13,50 Euro, DVD: 13 Euro
  • Publikation in Deutschland: Eurovideo, 9.12.21

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt