Kommunikation

Internet-Endung .dd wurde für DDR reserviert, doch nie genutzt

Das DDR-Wappen aus dem Kulturpalast Dresden liegt nun auf dem Boden des Stadtmuseums Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

DDR-Wappen aus dem Kulturpalast Dresden auf dem Fußboden des Stadtmuseums Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Die DDR lebt noch – im Internet

Dresden, 15. November 2004. Als Internet-Phantom existiert sie heute noch: die DDR. Denn die Chance, eigene ostdeutsche Internet-Präsenzen aufzubauen, gibt es theoretisch immer noch. In den 80er Jahren reservierten die Organisationen ICANN und IANA mit Sitz in den USA den Internet-Ländercode .dd („Top Level Domain“) – für die DDR.

Eine hübsche Räuberpistole zum Schicksal dieser Domäne findet sich – wo schon? – im Internet. In einem elektronischen Forum heißt es da: „Die .dd-Domains wurden seinerzeit vom ,VEB Namensvergabe imperialistischer Datennetze Karl-Marx-Stadt` verwaltet“. Nach der Wende sei der Betrieb von der Belegschaft übernommen worden, diese Firma vergebe heute .dd-Adressen: „Der Registrant muss persönlich in Chemnitz vorsprechen und dabei 1.) einen Stoffbeutel mit einem Kilo Bananen, einem halben Broiler und eine Dose Ananas abliefern; 2.) Gemäß dem Sächsischen Alphabet werden alle harten Konsonanten aussortiert, ein Teil der Vokale wurde als überflüssig erklärt. Die Domain der Stadt Leipzig heißt also Leipzsch.dd und von Dresden Dresdn.dd. 3.) Zum Abschluss muss ein 10-seitiger Aufsatz über die 1. Mai-Losungen von 1984 und deren Bedeutung für den sozialistischen Klassenkampf geschrieben werden“.

Etwas ernsthafter ist da die deutsche Vergabe-Stelle DENIC: „Unseres Wissens gab es nur wenige, aber wohl eher keine Internetadressen mit der Endung .dd“, sagte DENIC-Sprecher Klaus Herzig auf Anfrage. „Aber da wir erst 1994 mit unserer Arbeit begonnen haben, können wir das nicht sicher sagen.“

Zumindest Überlegungen für eine Vorform des Internets gab es jedoch in der DDR. In einem Arbeitsmaterial der Stasi vom Juni 1988 wird ein (nicht umgesetzter) Beschluss von höchster Stelle erwähnt, „dass bis 1990 mit Siemens-Technik ein Paket-Daten-Netz aufgebaut werden soll“ – alle Versuche für eine RGW-weite Lösung scheiterten jedoch.

„Unmittelbar nach der Wende haben wir Kontakt zu UNIX-Gruppen im Westen aufgenommen und die ersten Internet-Verbindungen über Westberlin zu einigen DDR-Universitäten installiert“, berichtet Prof. Lothar Koch von der HTW Dresden, der damals von Leipzig aus diese Versuche koordinierte. „Vorher gab es in der DDR keinerlei Internetverbindungen, nur interne Datennetze zum Beispiel zwischen den Hochschulen.“

Auch in Zukunft dürfte .dd – anders als etwa .cs, zunächst für die CSSR reserviert, künftig für Serbien-Montenegro – ungenutzt bleiben. „Es sei denn“, so Herzog, „es wird mal eine Demokratische Doppelkopfrepublik ausgerufen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

(Hinweis: Dieser Beitrag entstand bereits 2004. Wir haben ihn wegen der historischen Relevanz nachträglich bei Oiger.de eingepflegt)