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Erde mitverantwortlich für Sonnensturm-Zyklen

Die Aufnahme zeigt aktive Zonen unserer Sonne. Solar Dynamics Observatory, NASA

Die Falschfarben-Abbildung zeigt aktive Zonen unserer Sonne. Solar Dynamics Observatory, NASA

Planeten zerren an unserem Zentralstern

Rossendorf/Sonnensystem, 11. Juni 2021. Die Zyklen aus energiereichen Stürme und Flauten, die uns von der Sonne aus erreichen und die auch das Erdklima beeinflussen, werden wahrscheinlich ein Stück weit auch durch die Erde selbst ausgelöst. Das legen Simulationen und ein neues Vorhersagemodell des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und des Institute of Continuous Media Mechanics im russischen Perm nahe. Diese Zyklen beeinflussen die Wolkenbildung und letztlich das Klima auf der Erde, aber auch die Häufigkeit von Funkstörungen und Nordlichtern in der Atmosphäre.

Dr. Frank Stefani erkundet Phänomene, die zum Beispiel bei der Erzeugung des Erdmagnetfeldes und der Entstehung von Sternen und Schwarzen Löchern eine wichtige Rolle spielen. Der Europäische Forschungsrat unterstützt seine Untersuchungen nun mit 2,5 Millionen Euro. Foto: HZDR / R. Weisflog

Dr. Frank Stefani. Foto: HZDR / R. Weisflog

Einfluss auf inneren Dynamo der Sonne

Demnach lösen vermutlich vor allem die Anziehungskräfte von Venus, Erde, Jupiter und Saturn kleine Tänze unseres Zentralgestirns aus. Dies beeinflusst die Rotation der Sonnen und dies sorgt wiederum dafür, dass der innere „Dynamo“ durcheinandergerät, durch den das Sonnen-Magnetfeld entsteht. Eine solche Kopplung würde laut der Studie ausreichen, die extrem empfindliche magnetische Speicherfähigkeit der Tachokline zu verändern, einer Übergangsregion zwischen unterschiedlichen Arten des Energietransports im Inneren der Sonne. „Die aufgewickelten Magnetfelder könnten dann leichter zur Oberfläche der Sonne herausschnipsen“, erläutert Dr. Frank Stefani vom HZDR-Institut für Fluiddynamik.

Wenn Göttervater, Liebesgöttin und Erde in einer Linie stehen, ist Effekt am stärksten

Die Wirkung ist am stärksten, wenn die Planeten Venus, Erde und Jupiter im Sonnensystem in einer Linie stehen. Solche Konstellationen sind wohl auch Taktgeber für das Auf und Ab der Sonnenaktivität, das sich alle elf, 19 und 193 Jahre wiederholt. Zwar gibt es auch noch längerfristige Sonnenaktivitäts-Täler aller 1000 bis 2000 Jahren, die unter anderem zwischen 1645 und 1715 während der sogenannten kleinen Eiszeit auftraten. Dabei handelt es sich laut den Simulationen der Forscherinnen und Forscher jedoch um chaotische Ereignisse, die sich nicht mit den Planetenbewegungen vorhersagen lassen.

Autor: hw

Quelle: HZDR

 

Wissenschaftliche Publikation:

  1. Stefani, R. Stepanov, T. Weier, Shaken and stirred: When Bond meets Suess-de Vries and Gnevyshev-Ohl, in Solar Physics, 2021 (DOI: 10.1007/s11207-021-01822-4)