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Neue Bosch-Chipfabrik Dresden: Test-Produktion startet bald

Visualisierung der Boschfabrik in Dresden. Visualisierung: Bosch
Visualisierung der Boschfabrik in Dresden. Visualisierung: Bosch

Die Massenfertigung von Automobil-Elektronik beginnt 2021

Dresden, 27. Juli 2020. Noch in diesem Jahr wollen die Chipwerker in der neuen Bosch-Fabrik im Dresdner Norden die ersten Siliziumscheiben (Wafer) der Größenklasse 300 Millimeter einschleusen und die ersten Testchips prozessieren. Das hat Sprecherin Julia Reimann von der „Robert Bosch Semiconductor Manufacturing Dresden GmbH“ auf Oiger-Anfrage mitgeteilt.

Spezialisten verknüpfen jetzt den komplexen Anlagenpark

Bis zu diesem Moment, der in der Branche „First Silicon“ genannt wird, sind allerdings noch einige Aufgaben zu erledigen. Von außen sieht das Werk an der Knappsdorfer Straße in Dresden-Hellerau – nicht weit entfernt von Globalfoundries, Infineon, X-Fab und anderen Mikroelektronik-Leuchttürmen gelegen – zwar schon fast fertig aus. Auch das Bosch-Logo ist bereits angebracht. Im Innern hat aber kurz vor der Corona-Pandemie eine Mammutaufgabe begonnen: Techniker, Ingenieure und spezialisierte Handwerker stellen seitdem dort das richtige Reinraum-Wetter ein und installieren über 100 Chipbearbeitungs-Anlagen. Seit März beziehen auch mehr und mehr Mitarbeiter den Bürotrakt neben dem großen Reinraum.

Anlagen müssen präzise aufeinander abgestimmt werden

Im Schnitt sind rund 1200 Baubeteiligte vor Ort. Derzeit sind sie vor allem damit beschäftigt, den Maschinenpark zu verknüpfen und zu verkabeln, die Anschlüsse, Leitungen und Rohre für flüssige Chemikalien, Strom und Gase zu installieren. Danach kommen zunehmend die neu eingestellten Chipwerker selbst zum Zuge: Sie fahren die Anlagen schrittweise hoch, stimmen sie aufeinander ab und bringen sie auf genau definierte Temperatur- und Druckwerte und andere Betriebsparameter. Jeder Fehler kann hier fatale Folgen haben, die sich dann durch die Hunderte Prozessschritte umfassende Chipproduktions-Kette hindurchfressen und immense Schäden anrichten können: Manche fertig prozessierten 300-mm-Wafer repräsentieren den Wert eines Oberklasse-Autos oder gar eines Eigenheims.

Bisher im Zeitplan

Gewöhnlich dauert es in einer neuen Chipfabrik etwa ein Jahr, bis sich dieser komplexe Prozess eingepegelt hat und die Ausschussrate auf ein erträgliches Maß gesunken ist. Erst dann kann die Serienproduktion beginnen. Mit dem eigentlichen Produktionsstart sei gegen Ende 2021 zu rechnen, bestätigte Sprecherin Reimann. Der Baufortschritt liege im Zeitplan.

Bisher 220 von 700 Mitarbeitern angeheuert

Insgesamt will der schwäbische Technologiekonzern bis zu eine Milliarde Euro in seine Halbleiterfabrik in Dresden investieren und dort bis zu 700 neue Jobs schaffen. Herstellen soll das Werk zunächst anwenderspezifische Schaltkreise (ASICs) für Autos. Bisher hat Bosch für die Dresdner Fabrik rund 220 Mitarbeiter angeheuert, wobei das Team in den nächsten Monaten rasch wachsen soll. Zudem beherbergt der Bürokomplex auf dem Werkgelände nun weitere 45 Mitarbeiter von Bosch-Sensortec. Bisher war dieses Team, das für den Mutterkonzern neue „Mikroelektromechanische Systeme“ (Mems) und andere Sensorsysteme entwickelt, auf dem Gelände der ehemaligen Heeresbäckerei in Dresden-Klotzsche angesiedelt. Jetzt zieht Bosch all diese Aktivitäten in Hellerau zusammen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bosch, Oiger-Archiv

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger