News, Wirtschaft, zAufi

Mehr Schub für Wasserstoff-Technik gefordert

An der TU Dresden mitentwickelt: Wasserstoff-Tank für BMWs. Foto: Heiko Weckbrodt

An der TU Dresden mitentwickelt: Wasserstoff-Tank für BMWs. Foto: Heiko Weckbrodt

200 Experten debattieren in Dresden über eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende

Dresden, 4. November 2019. Deutschland droht den internationalen Anschluss in der Wasserstofftechnologie zu verlieren. Davor haben Vertreter des mitteldeutschen Wasserstoff-Forschungsverbundes „Hypos“ im Vorfeld ihrer Fachkonferenz in Dresden gewarnt. Nachbarländer wie die Niederlande und Tschechien seien da schon deutlich weiter.

“Ohne Wasserstofftechnologien gelingt die Energiewende nicht”

„Ohne Wasserstofftechnologien gelingt die Energiewende nicht“, ist Stefan Kauerauf vom Hypos-Vorstand überzeugt. „Um zum Beispiel Energie aus Solar- und Windkraftanlagen zu speichern und zu transportieren, ist Wasserstoff sehr gut geeignet. Zudem wird er in der Chemieindustrie seit jeher auch stofflich verwertet.“ Und wenn man Wasserstoff wieder verbrenne, um Strom zurückzugewinnen, entstünden im Idealfall keinerlei schädliche Abgase, nur Wasser. Auch habe die Sicherheitsforschung rund um dieses Gas große Fortschritte gemacht.

Für Sprung in Großtechnik wären hohe Millioneninvestitionen nötig

In der Erforschung der Wasserstofftechnologien und in Einzelanwendungen brauche sich Deutschland zwar keineswegs verstecken, betonte Kauerauf. Gerade auch in Dresden haben Akteure wie die Firma Sunfire, das Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS oder die TU wichtige technologische Impulse für die Wasserstoff-Technik gesetzt. „Aber wir brauchen endlich auch großtechnische Lösungen“, forderte der Hypos-Vertreter. „Da sprechen wir allerdings über dreistellige Millionenbeträge oder noch höhere Investitionen.“ Bevor Unternehmen derartige Summen ausgeben, wollen sie allerdings mehr Planungssicherheit, sprich: mehr Rückhalt durch die Energiepolitiker hierzulande. Zudem konzentriert sich die deutsche Autoindustrie beim Umstieg auf umweltfreundlichere Antriebe derzeit in hohem Maße auf batterie-elektrische Autos. Wasserstoff- beziehungsweise Brennstoffzellenautos entwickeln viel häufiger die Hersteller in Asien.

200 H2-Experten kommen zur Hypos-Tagung nach Dresden

Wie derartige Hindernisse zu überwinden sind und welche Perspektiven die neuesten Pilotprojekte eröffnet haben – darüber wollen sich am Dienstag und Mittwoch rund 200 Ingenieure, Manager, Energieforscher und andere Wasserstofftechnik-Experten aus ganz Deutschland auf dem „Hypos-Forum“ in der Messe Dresden austauschen. Sie stellen beispielsweise die Salzkaverne von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt vor – eines der Bundes-Reallabore für neue Energietechnologien. Die Höhle wollen die Ingenieure so ausrüsten, dass sie künftig 50 Millionen Kubikmeter Wasserstoff speichern kann. Koppeln wollen sie diesen Großspeicher mit Windkraftanlagen und Elektrolyse-Anlagen, die Energie und Wasserstoff liefern.

Dahinter steckt letztlich die Idee, die vieldiskutierten Spitzen aus den Stromnetzen abzufangen, die entstehen, wenn Wind- und Solaranlagen gerade mehr Energie liefern als vor Ort gebraucht werden. Im Moment werden die Anlagen gegen Entgelt für die Betreiber in solchen Fällen abgeschaltet – ein eigentlich widersinniger und teurer Ansatz. Könnte man dagegen die Spitzen für die Herstellung des Energieträgers und der wichtigen Chemikalie Wasserstoff ummünzen, wäre ein wichtiges Problem der Energiewende gelöst. Bisher ist der so erzeugte Wasserstoff allerdings noch zu teuer – ähnlich wie auch der Diesel, der auf ähnlichem Wege zum Beispiel in der Pilotanlage von Sunfire Dresden hergestellt wird.

Was ist der Hypos-Verbund?

Um eine selbsttragende Wasserstoffwirtschaft in Gang zu bringen, die ohne Dauersubventionen auskommt, war 2013 im Zuge des Bundesförderprogramm „Zwanzig20“ der Entwicklungsverbund „Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany“ (Hypos) entstanden. Mittlerweile hat der Trägerverein 105 Mitglieder. Darunter sind Großunternehmen aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck ebenso wie kleine Technologiefirmen und Forschungsinstitute.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Eigenrecherchen, Hypos