Alle Artikel mit dem Schlagwort: H2

Drewag-Fuhrparkleiter Stefan Jacob betankt einen Brennstoffzellen-Toyota Mirai in Dresden mit Wasserstoff. Foto: Oliver Killig

Wasserstoff-Autoflotte wächst in winzigen Dosen

Dresdner Energieversorger wollen Brennstoffzellen-Technologie im mobilen Einsatz testen Dresden, 8. Juni 2020. Die Wasserstoff-Autoflotte in Sachsen wächst – in homöopathischen Dosen: Die Dresdner Energieversorger schaffen sich neben ihren rund 1200 „Verbrennern“ und rund 130 batterieelektrischen Fahrzeugen bis Ende 2020 auch vier Elektroautos mit Brennstoffzellen als Stromlieferanten an. Das haben die Drewag und die Enso mitgeteilt.

Aus Kohle, Wasser und Strom werde Treibstoff: flüssige Fischer-Tropsch-Produkte, die Fraunhofer-Forscher in der IKTS-Testanlage synthetisiert haben. Foto: Jürgen Lösel für das Fraunhofer-IKTS

Wird Wasserstoff zur Job-Maschine?

Politiker und Forscher planen ein Kompetenzzentrum für Wasserstoff-Technologien – als Keimzelle für eine sächsische Brennstoffzellen-Industrie. Dresden, 11. Mai 2020. Ingenieure wie Politiker wollen die sächsischen Forschungsstärken rund um Brennstoffzellen, Hochtemperatur-Wasserzerlegung („Elektrolyse“) und andere Wasserstoff-Technologien ausbauen und in Tausende Industrie-Arbeitsplätze im Freistaat ummünzen. Sie planen daher ein Kompetenzzentrum für Wasserstofftechnologien. Das war bereits im Koalitionsvertrag verankert, nun nehmen die Planungen etwas konkrete Formen an. Das haben Oiger-Anfragen an die Ministerien für Umwelt, Wirtschaft, Wissenschaft und regionale Entwicklung sowie an Fraunhofer-Institute ergeben.

Aus Kohle, Wasser und Strom werde Treibstoff: flüssige Fischer-Tropsch-Produkte, die Fraunhofer-Forscher in der IKTS-Testanlage synthetisiert haben. Foto: Jürgen Lösel für das Fraunhofer-IKTS

Stichwort Wasserstoff-Technologien

Viele Politiker und Ingenieure hoffen, dass Wasserstoff-Technologien viele Probleme der Energiewende und der deutschen Klimaschutz-Bilanz lösen: Wasserstoff ist ein Energieträger, der im besten Fall in Brennstoffzellen sehr effektiv zu Wasser verbrennt, erkommt als Zwischenspeicher für Ökostrom-Spitzen in Frage, kann aber auch den Kohlendioxid-Ausstoß von Stahlwerken mindern und dergleichen mehr. Hier ein kurzer Überblick über vieldiskutierte Ansätze und Probleme der Wasserstoff-Technologien:

Unter den Passagieren könnte der Wasserstoff-Tank für einen Brennstoffzellen-Antrieb untergebracht werden - hier visualisiert anhand des von der TU Dresden entwickelten In-Eco-Autos. Visualisierung: TUD/ILK

Geflochtener Tank für bessere Wasserstoff-Autos

Dresdner Leichtbauer und BMW arbeiten am Kunststoff-Röhrentank „Bryson“, um Batterie-Autos Paroli zu bieten. Dresden, 4. Mai 2020. Beim Umstieg auf umweltfreundlichere Antriebe hat VW die deutsche Autoindustrie weitgehend auf akku-gespeiste Elektroautos eingeschworen. Nicht wenige Ingenieure und Manager in Europa wie auch bei Toyota in Japan glauben aber, dass für lange Strecken und schwere Lasten Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Wasserstoff als Energieträger die bessere Wahl sein könnten. Um diesem alternativen Pfad endlich eine Chance zu geben, entwickeln Forscher der Technischen Universität Dresden (TUD) gemeinsam mit BMW-Spezialisten und weiteren Partnern einen neuartigen und sehr flachen Wasserstoff-Tank aus geflochtenen und miteinander gekoppelten Faserverbundstoff-Röhren. Solch ein Tank einer neuen Generation könne dabei helfen, „den Straßenverkehr langfristig emissionsfrei zu gestalten“, betonte Sprecher Thomas Kunz vom TUD-Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK).

Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger - zudem braucht die Chemieindustrie das Gas für viele Prozesse. Grafik: Heiko Weckbrodt

Experte der TU Dresden: Wasserstoff ist kein Problemlöser für deutsche Energiewende

Rückverstromung von Wind- und Solarspitzen verplempert immer noch zuviel Energie Dresden, 14. April 2020. Bund und Länder versuchen zwar seit einiger Zeit mit aufwendigen Förderprogrammen, die Wasserstoff-Technologie vor allem in Mitteldeutschland und der Lausitz anzukurbeln: als Zwischenspeicher für Wind- und Solarkraftwerke, als Energieträger für Brennstoffzellen-Laster, aber auch als Ausgangsstoff für die Chemieindustrie. Doch vermutlich eignet sich dieses explosive Gas auch in Zukunft nicht als großformatiger Energiespeicher oder zentraler Problemlöser für die deutsche Energiewende – zumindest nicht für einen massenhaften Einsatz. Das hat Professor Wolfgang Lippmann vom Lehrstuhl für Wasserstoff- und Kernenergietechnik an der TU Dresden eingeschätzt.

Aleksandr Bashkatov und seine Kollegen vom HZDR-Institut für Fluiddynamik, nutzen neben der Rasterkraft-Mikroskopie und Simulationen auch Laser, um Gasprozesse in Flüssigkeiten zu verstehen. Foto: Stephan Floss für das HZDR

Wasserzerleger für die Lausitz

Dresdner Forscher konstruieren alkalische Elektrolyseure für die Zeit nach dem Kohleausstieg Dresden, 9. Dezember 2019. Damit die Lausitz nach dem Kohleausstieg ein Pilotstandort für moderne Wasserstoff- und Energiespeichertechnologien wird, wollen Dresdner Forscher dort gemeinsam mit regionalen Partnern eine neue Generation von Elektrolyse-Anlagen entwickeln. Geplant ist eine Pilotanlage, die Wasser weit effektiver als heutige Elektrolyseure in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Das hat das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf angekündigt.

Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger - zudem braucht die Chemieindustrie das Gas für viele Prozesse. Grafik: Heiko Weckbrodt

Chlorfabrik soll mit Ökostrom-Spitzen Wasserstoff liefern

Im „H2 Flex“-Projekt im Bitterfeld erproben Ingenieure, wie sich die Netzprobleme der Energiewende durch Chemiewerke abfangen lassen Bitterfeld/Dresden, 10. November 2019. Nicht nur Großbatterien oder Pumpspeicherwerke, sondern auch ganze Chemiewerke könnten künftig als Energiespeicher dienen. Sie sollen die Energiespitzen und -täler abfangen, die durch Solar- und Windkraftanlagen entstehen, wenn zum Beispiel der Wind auffrischt oder abflaut beziehungsweise die Sonne mal hinter Wolken verschwindet und dann wieder auf die Solarpaneele strahlt. Im Projekt „H2 Flex“ wollen nun mitteldeutsche Ingenieure diese Speichertechnik mit einem 30-Megawatt-Chlor-Elektrolysewerk des „Nouryon“-Konzern in Bitterfeld erproben.

So etwa sieht der Prototyp des Wasserstoff-Motors von innen aus. Visualisierung: WTZ Roßlau

Roßlauer Ingenieure bauen abgasfreien Wasserstoff-Motor

Mitteldeutsche Experten konstruieren einen weltweit Kreislauf-Antrieb mit Argon-Technik Roßlau, 5. November 2019. Als Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz haben sachsen-anhaltinische Ingenieure einen abgasfreien Motor entwickelt, der mit Wasserstoff, Sauerstoff und Argon arbeitet. Das hat Projektleiter Manuel Cech vom Wissenschaftlich-Technischen Zentrum (WTZ) Roßlau am Rande der Wasserstoff-Tagung “Hypos-Forum” mitgeteilt. Es handele sich um den ersten Motor dieser Art weltweit. “Die Nasa hat damit mal experimentiert, das dann aber aufgegeben”, berichtet Cech.

An der TU Dresden mitentwickelt: Wasserstoff-Tank für BMWs. Foto: Heiko Weckbrodt

Mehr Schub für Wasserstoff-Technik gefordert

200 Experten debattieren in Dresden über eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende Dresden, 4. November 2019. Deutschland droht den internationalen Anschluss in der Wasserstofftechnologie zu verlieren. Davor haben Vertreter des mitteldeutschen Wasserstoff-Forschungsverbundes „Hypos“ im Vorfeld ihrer Fachkonferenz in Dresden gewarnt. Nachbarländer wie die Niederlande und Tschechien seien da schon deutlich weiter.