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Sachsen hofft weiter auf große Zukunft für Wasserstoff-Wirtschaft

In Chemnitz sind bereits viele Wasserstoff-Forschungsprojekte konzentriert. Hier im Bild beispielsweise installiert Peter Schwotzer-Uhlig im Brennstoffzellenlabor der Professur für "Alternative Fahrzeugantriebe" (Alf) eine Versuchsanordnung. Sachsen bemüht sich bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun darum, in Chemnitz ein "Hydrogen and Mobility Innovation Center" (HIC) anzusiedeln. Foto: Jacob Müller für die TU Chemnitz

In Chemnitz sind bereits viele Wasserstoff-Forschungsprojekte konzentriert. Hier im Bild beispielsweise installiert Peter Schwotzer-Uhlig im Brennstoffzellenlabor der Professur für „Alternative Fahrzeugantriebe“ (Alf) eine Versuchsanordnung. Foto: Jacob Müller für die TU Chemnitz

300 Experten zum H2-Kongress in Dresden erwartet

Dresden, 20. Mai 2024. Welche Rolle kann mit Ökoenergie gewonnener Wasserstoff (H2) realistischerweise für den Ersatz von Diesel, Erdgas oder Kerosin spielen? Wie teuer sind Elektrolyseure und Brennstoffzellen im Betrieb und in der Anschaffung? Wie lassen sich die politisch geplanten Wasserstoff-Verteilernetze in Europa, Deutschland und konkret auch in Sachsen finanzieren? Diese und weitere Fragen rund um die langsam wachsende Wasserstoffwirtschaft wollen rund 300 Experten während des „Green Hydrogen Congress 2024“ am 29. Mai in Dresden diskutieren.

Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Freistaat hat 112 Millionen Euro für Wasserstoff-Ipcei-Projekte zugeschossen

Für den sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zumindest steht außer Frage, dass „grüner“ Wasserstoff als Energieträger und Grundstoff in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen und der Freistaat von diesem Technologietrend profitieren werde: „Sachsen wird eine entscheidende Rolle bei der Transformation unserer Wirtschaft und Energiesysteme durch grünen Wasserstoff spielen“, schätzt er im Vorfeld der Grünwasserstoff-Kongresses ein. Das Land habe über die Jahre bereits „erhebliche finanzielle Mittel aus eigenen Förderlinien investiert und beteiligt sich mit rund 112 Millionen Euro am europäischen Großprojekt ,IPCEI Wasserstoff‘. Wir unterstützen damit die außergewöhnliche Innovationskraft in der Wirtschaft und Wissenschaft Sachsens. Die am ,Innovation Market‘ teilnehmenden sächsischen Start-ups beeindrucken mit marktfähigen Lösungen für einige der größten Herausforderungen einer ganzheitlichen Wasserstoffwirtschaft.”

Die "Refuel-Green"-Gründer Olaf Schacht und Sebastian Becker (r.). Foto: Refuel.green GmbH

Die „Refuel-Green“-Gründer Olaf Schacht und Sebastian Becker (r.). Foto: Refuel.green GmbH

Auch Vertreter von Bund, EU, Schottland und Tschechien kommen

Ihre Sicht auf die H2-Ökonomie wollen aber auch Politiker von Bund und EU sowie Vertreter aus der Energiewirtschaft, dem Anlagenbau und weiteren Branchen während der Tagung skizzieren. So erwarten die Organisatoren unter anderem Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) vom Bundeswirtschaftsministerium, Vizepräsidentin Nicola Beer von der Europäischen Investitionsbank, Referenten aus Schottland und Tschechien, aber auch Vertreter der Energieunternehmen VNG und Leag und vom Dresdner Elektroyseur-Hersteller Sunfire. Ambartec Dresden will seine Energiespeicher-Technologie per Reineisen vorstellen, während „Refuel.green“ aus Dresden seine Plasmakatalyse-Reaktoren erklärt, die Synthese-Kraftstoff produzieren sollen.

Perspektiven für Wasserstoff-Mobilität bleiben umstritten

Ein ganzer Themenkomplex wird sich auf dem Kongress auch der „Wasserstoffmobilität“ widmen, auf die Sachsen als Autoland – neben akkuelektrischen Fahrzeugen – in besonderem Maße setzt. Allerdings ist die Skepsis weltweit groß, dass in überschaubarer Zeit genug bezahlbarer Öko-Wasserstoff verfügbar sein wird, um ganze Autoflotten damit zu tanken. Denn vorerst ist Öko-Wasserstoff deutlich teurer als Diesel, ist vielerorts nur in geringen Mengen verfügbar und auch die Tankstellen-Netze für H2-Fahrzeuge sind immer noch dünn gestrickt.

Der Lkw-Prototyp von MAN mit Wasserstoffmotor vor dem Verkehrsmuseum Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Der Lkw-Prototyp von MAN mit Wasserstoffmotor vor dem Verkehrsmuseum Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Für Laster und Flugzeuge womöglich der Königsweg zur Abgas-Freiheit

Als chancenreicher gilt da der Einsatz von H2 als Kraftstoff für Laster, Flugzeuge und vielleicht auch Züge, die auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich mit Akku-Technologien nur schwer auf ausreichend Reichweite kommen. Gerade im Lkw-Sektor machen die Hersteller auf beiden technologischen Pfaden hin zu abgasarmen oder abgasfreien Lastern inzwischen merkliche Fortschritte – wobei hier sowohl Akku-Lösungen wie auch H2-Brennstoffzellen und Wasserstoff-Motoren weiter parallel entwickelt werden. Gerade H2-Trucks, die sich schnell betanken lassen und auf Reichweiten weit über 1000 Kilometer kommen, geben beispielsweise die Analysten von „IDTechEx“ aus England gute Chancen: „Das Aufblühen der Wasserstoffwirtschaft wird dazu führen, dass mehr Brennstoffzellen-Lkw auf die Straße kommen“, meinen sie in ihrer Studie über „Zero-Emission Trucks“. Insbesondere die – allerdings noch recht teuren – Brennstoffzellen seien ideal für Langstreckenfahrten und bei kälterem Wetter, wenn sich in Akku-elektrischen Lastern die Energiespeicher schnell leeren. „Wasserstoff hat im Vergleich zu Batterien eine höhere Energiedichte pro Kilo und das Auffüllen eines Tanks geht schneller als das Aufladen einer großen Batterie“, heißt es in der IDTechEx-Analyse. „Daher könnte eine Kostensenkung ein langfristiges Ziel für Wasserstoffunternehmen sein.“ Batterieelektrische Lkw seien zwar derzeit weitaus verbreiteter. Sie könnten jedoch aufgrund des Gewichts großer Batterien, der begrenzten Reichweite und der verringerten Leistung bei kaltem Wetter vorerst auf Kurzstreckenfahrten beschränkt bleiben.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, IDTechEx, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt