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Sachsen wollen Wasserstoff aus alten Erdgas-Lagern gewinnen

Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger - zudem braucht die Chemieindustrie das Gas für viele Prozesse. Grafik: Heiko Weckbrodt

Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger – zudem braucht die Chemieindustrie das Gas für viele Prozesse. Grafik: Heiko Weckbrodt

Bergakademie meldet unterirdische Dampfreformierung zum Patent an

Freiberg, 18. Juni 2024. Eine Technologie aus Sachsen kann womöglich helfen, aus erschöpften unterirdischen Öl- und Gaslagerstätten noch in großen Mengen Wasserstoff (H2) zu gewinnen – zwar nicht umweltneutral, aber zumindest umweltschonend. Das hat Professor Moh’d Amro von der Bergakademie Freiberg eingeschätzt, der mit seinem Team das neue Patent zum Patent angemeldet hat.

Scheinbar erschöpfte Lagerstätten haben noch 30 % „Reserve“

„Wenn eine Lagerstätte für Erdöl oder Erdgas als ausgefördert gilt, verbleiben immer noch mehr als 30 Prozent der ursprünglich vorhandenen Kohlenwasserstoffe im Untergrund“, argumentieren die Bergakademie-Forscher. Sie haben nun die bereits lang bekannte „Dampfreformierung“, die bisher oberirdisch eingesetzt wird, um etwa aus Erdgas Wasserstoff zu gewinnen, für eine unterirdische Anlage modifiziert. Dieses nun patentierte Verfahren ermögliche es künftig, „diese Technologie direkt in einer ausgeförderten Lagerstätte anzuwenden“, betont Prof. Moh’d Amro. „Das eröffnet ein riesiges und klimaschonendes Potenzial für die Herstellung von blauem Wasserstoff, wodurch weitere fossile Vorräte geschont werden.“

Ähnelt auf den ersten Blick dem US-amerikanischen Fracking-Prozess, ist tatsächlich aber ein Freiberger Verfahren, um Kohlenwasserstoffe aus "erschöpften" Erdgas-Lagerstätten in Wasserstoff zu reformieren. Grafik: Bergakademie Freiberg

Ähnelt auf den ersten Blick dem US-amerikanischen Fracking-Prozess, ist tatsächlich aber ein Freiberger Verfahren, um Kohlenwasserstoffe aus „erschöpften“ Erdgas-Lagerstätten in Wasserstoff zu reformieren. Grafik: Bergakademie Freiberg

Erfinder wollen Kohlendioxid gleich unter der Erde ablagern

Zwar entstehe bei der Dampf-Reformierung von Kohlenwasserstoffen – wie eben Erdgas – auch Kohlendioxid, räumt der Professor ein. Dieses Gas lasse sich aber durch den Freiberger Prozess gleich unten in der Erde ablagern. Insofern entsteht nach den heute oft verwendeten Farb-Schemata durch die Technologie aus Sachsen zwar kein „grüner“, aber zumindest „blauer“ Wasserstoff, der die Umwelt deutlich weniger belastet als etwa die klassische Dampfreformierung überirdischer Anlagen, die oft an große Erdgas-Leitungen angedockt sind.

5 Euro pro Kilo: „Blauer“ Wasserstoff noch zu teuer

Die Wissenschaftler ringen allerdings noch mit den Betriebskosten ihres H2-Prozesses: Derzeit kostet jedes Kilogramm Wasserstoff, das sie mit ihrem Verfahren gewinnen, rund fünf Euro – und ist damit deutlich teurer als klassisch reformierter Wasserstoff. Das Forscherteam ist indes zuversichtlich, die Kosten ihres Verfahrens noch drücken zu können.

„Grüner“ Wasserstoff

Wasserstoff wird einerseits von der chemischen Industrie als Rohstoff benötigt. Anderseits möchten viele Umweltpolitiker und einige Unternehmen gerne Kohle, Erdgas, Diesel und Kerosin in Stahlwerken, Kraftwerken, Autos und Flugzeugen durch Wasserstoff ersetzen, weil der ohne Kohlendioxid-Abgabe verbrennt. Und vorzugsweise soll dies auch sogenannter „grüner Wasserstoff“ sein, der in Elektrolyseuren aus Wasser, Luft und Ökostrom gewonnen wird. Bisher gibt es aber nicht mal annähernd genug Anlagen und nutzbare Energie-Überschüsse, um genug Wasserstoff für all diese Bedarfe zu liefern. Außerdem sind Elektrolyseur-Wasserstoff und daraus gewonnener Synthese-Kraftstoff  auch deutlich teurer als Kohle, Diesel, Erdgas und andere fossile Stoffe mit dem selben Energiegehalt.

Autor: Oiger

Quellen: Bergakademie TU Freiberg, Wikipedia, EnBW, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt