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DVD „Big Eyes“: Der Blender und die Kitsch-Malerin

Bekommt in Wirklichkeit nicht mal eine Kreidezeichnung hin, schmückt sich aber gern mit fremden Federn: Walter Keane (Christoph Waltz). Foto: Studiocanal

Bekommt in Wirklichkeit nicht mal eine Kreidezeichnung hin, schmückt sich aber gern mit fremden Federn: Walter Keane (Christoph Waltz). Foto: Studiocanal

Tim Burtons Kunstschwindel-Film über einen Hype der 60er

In Deutschland sind sie so gut wie unbekannt, in den USA der 1960ern durften sie in keinem Haushalt und keiner Arztpraxis fehlen: Keane-Poster mit riesenäugigen Kindern. Tim Burton (“Big Fish”, “Frankenweenie“) hat der Geschichte dahinter einen Film gewidmet, der nun auf DVD und Bluray erschienen ist: „Big Eyes“ erzählt die traurig-groteske Lebens-Story der Amerikanerin Margret Keane (Amy Adams, „American Hustle“) , die diese Bilder malte, den ganzen Ruhm aber ihrem Ehemann Walter (Christoph Waltz, „Inglourious Basterds“, „Django Unchained“) überließ, der die kitschigen, aber sehr beliebten Gemälde unter eigenem Namen vertickte. Herausgekommen ist ein Drama, in dem Tim Burton fast ganz auf die seine sonst üblichen grotesken Extravaganzen verzichtet, aber dennoch einen ganz eigenen Charme entwickelt.

Werbevideo (Studiocanal):

„Frauen-Kunst kauft doch keiner“

„Frauen-Kunst kauft doch keiner“, überredet Walter Keane hier seine begabtere Gattin dazu, den Schwindel mitzumachen. Und damit hatte er in der USA der frühen 60er wahrscheinlich sogar recht. Zumindest glaubt Margret ihm – und malt jahrzehntelang im stillen Kämmerlein ein großäugiges Kind nach dem anderen, die Walter mit all seinem Schwindler-Charme auch tatsächlich sehr gewinnbringend an den Mann und die Frau zu bringen versteht. Erst schwatzt er wohlhabenden Jazzclub-Besuchern die Original-Gemälde auf. Dann kommt er auf den Dreh, auch noch massenhaft Poster-Repros der Bilder unter die Massen zu bringen – und wird damit reich und zum Vorreiter des „modernen“ Kunst-Marketings.

Margaret (Amy Adams) erliegt anfangs ganz und gar dem verlogenen Charme von Walter (Christoph Waltz) - und fügt sich drein, dass er ihre Bilder unter seinem Namen verkauft. Foto: Studiocanal

Margaret (Amy Adams) erliegt anfangs ganz und gar dem verlogenen Charme von Walter (Christoph Waltz) – und fügt sich drein, dass er ihre Bilder unter seinem Namen verkauft. Foto: Studiocanal

Christoph Waltz überzeugt als verlogener Charmeur

Doch in der Ehe beider kriselt es mehr und mehr: Sehen wir Margaret anfangs als naives Mädchen vom Lande, das dem Charme des Großstadt-Gigolos allzu leicht aufsitzt, beginnt sie über die Jahre hinweg, immer mehr von Walters Lügengeflechten zu durchschauen. Sie fühlt sich unterdrückt und als Künstlerin an den Rand gedrängt, offenbart dann öffentlich den Schwindel, verklagt schließlich gar ihren redegewandten Gatten. Amy Adams skizziert sie hier gewissermaßen als archetypisches Beispiel für die Emanzipation der Frau in Amerika. Grandios agiert vor allem auch Christoph Waltz. Er verkörpert seine Rolle als großer Blender so überzeugend, dass die echte Margret Keane – die immer noch lebt und malt – nach den Dreharbeiten erzählte, die sei regelrecht schockiert, ja gelähmt gewesen – weil sie in Waltz „ihren“ Walter haargenau wiedererkannte.

Der schräge Burtons blitzt nur kurz auf

Wer hier indes einen klassischen Tim-Burton-Streifen voller absurder Einfälle und Kamera-Einstellungen erwartet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein: Nur an einer Stelle blitzt der schräge Burton durch, als Margaret einen Supermarkt betritt und alle Kunden dort haben sich, der neuesten Keane-Mode folgend, riesengroße Augen geschminkt – ein hübscher surrealer Einschub. Ansonsten bevorzugt Burton hier eher geradlinige Kino-Erzählmuster, dies allerdings mit großer handwerklicher Fertigkeit. Vielleicht erging es Tim Burton ja genauso wie seinem Regiekollegen David Lynch, der eigentlich für sein surreales Schaffen bekannt ist und dann plötzlich in „Eine wahre Geschichte“ 1999 mit einen ganz ruhigen Erzähl-Film überraschte. Ab und zu springt eben jeder mal abseits seines eingeschlagenen Weges in andere Gefilde…

Autor: Heiko Weckbrodt

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„Big Eyes“ (Studiokanal/Arthaus), Drama, Regie: Tim Burton, mit Amy Adams, Christoph Waltz und Krysten Ritter, USA 2014, 106 Minuten, Bonusmaterial: Making-Of und Interviews mit der Crew, DVD 13 Euro, Bluray 15 Euro