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Organe aus dem 3D-Drucker und Lebkuchen-Kleider

Dicht umlagert: Prof. Edmund Koch zeigt, wie die Uniklinik-Forscher die Herzrhythmus-Störungen einer Fliege sichtbar machen. Foto: Heiko Weckbrodt

Dicht umlagert: Prof. Edmund Koch zeigt, wie die Uniklinik-Forscher die Herzrhythmus-Störungen einer Fliege sichtbar machen. Foto: Heiko Weckbrodt

Rund 35.000 (+6 %) genossen eine lange Wissenschaftsnacht in Dresden

Dresden, 10./11. Juni 2016. Rund 35.000 Dresdner und Gäste sind am Freitagabend und Samstagmorgen bei sommerlichen Temperaturen durch die Lange Nacht der Wissenschaften 2016 in Dresden flaniert. Das waren somit etwa sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Das hat Koordinatorin Anja Loose von der städtischen Wirtschaftsförderung eingeschätzt. Dank vieler „Public Viewing“-Leinwände habe sich selbst die Fußball-EM nicht als Konkurrenz, sondern als gute Ergänzung erwiesen.

Dresdens Forscher und Tüftler hatten neugierigen Flaneuren diesmal besonders viel zu bieten: Teddykliniken und Laserschwerter, rappende Forscher und lebkuchenbekleidete Design-Studentinnen. Hier nur ein paar Streiflichter aus dem bunten Programm der Wissenschaftsnacht 2016:

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert steuert einen Hybrid-Eletro-Bus, in dem viele Technologien stecken, die Forscher im Fraunhofer-IVerkehrsinstitut IVI in Dresden entwickelt haben. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert steuert einen Hybrid-Eletro-Bus, in dem viele Technologien stecken, die Forscher im Fraunhofer-Verkehrsinstitut IVI in Dresden entwickelt haben. Foto: Heiko Weckbrodt

Bürgermeister wird Hybridbus-Fahrer

Zum Auftakt fand Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) einen neuen Job und wurde Hybridbusfahrer: „Etwas angespannt“ habe er sich am Steuer schon gefühlt, räumte der OB ein – genoss seine neue „Berufung“´aber auch sichtlich.

Wie taube Kinder durch Chochlea-Implantate und EEG-Reha hören lernen, zeigten die Mediziner im Uniklinikum. Foto: Heiko Weckbrodt

Wie taube Kinder durch Chochlea-Implantate und EEG-Reha hören lernen, zeigten die Mediziner im Uniklinikum. Foto: Heiko Weckbrodt

Taube Kinder lernen hören

Wie taub geborene Kinder das erste Mal hören lernen, zeigten Mediziner am „Sächsischen Chochlear Implantat Centrum“ am Uniklinikum Dresden. Dabei setzen Operateure den Kindern Chochlea-Implantate ein, die ähnlich wie Mikrophone funktionieren, die elektrische Signale direkt zum Gehirn senden. Durch Hirnstrommessungen und Hirn-Spektroskopien helfen die Dresdner dann den Patienten, diese elektrischen Signale in „Sprache“, „Musik“ oder bloßen Krach zu übersetzen.

Autonome Fahrmäuse und Roboter begeisterten die Kinder im TU-Hörsaalzentrum. Foto: Heiko WeckbrodtAutonome Fahrmäuse und Roboter begeisterten die Kinder im TU-Hörsaalzentrum. Foto: Heiko Weckbrodt

Autonome Fahrmäuse und Roboter begeisterten die Kinder im TU-Hörsaalzentrum. Foto: Heiko Weckbrodt

Spielzeug-Roboter und Hogwarts-Magier

Große Resonanz unter den Kindern fanden besonders die tierähnlich agierenden Spielzeugroboter sowie die Harry-Potter-Zauberer im TU-Hörsaalzentrum an der Bergstraße und natürlich auch wieder die Bagger der Bauingenieure.

Martin Helwig vom TU-Leichtbau zeigt das berührungslose Ladesystem für Elektroautos. Foto: Heiko Weckbrodt

Martin Helwig vom TU-Leichtbau zeigt das berührungslose Ladesystem für Elektroautos. Foto: Heiko Weckbrodt

Elektroautos laden ohne Kabel

Stecker- und kabelfreie Ladestationen für Elektroautos stellten Automobil- und Leichtbauforscher von TU und vom Fraunhofer-Verkehrsinstitut IVI gleich hinter der SLUB-Bibliothek vor: Der Fahrer parkt sein Elektromobil über einer Induktionsscheibe im Garagenboden und die füllt über Nacht per Magnetfeld-Energie die Autobatterie wieder mit „Saft“.

Designstudentin Vivien Woltersdorf führt in der FHD dem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (links) und der Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange ein Lebkuchen-Kleid vor, das ihre Kommilitonin Melanie Gundl entworfen hat. Foto: Heiko Weckbrodt

Designstudentin Vivien Woltersdorf führt in der FHD dem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (links) und der Wissenschaftsministerin
Eva-Maria Stange ein Lebkuchen-Kleid vor, das ihre Kommilitonin Melanie Gundl entworfen hat. Foto: Heiko Weckbrodt

Klamotten zum Knabbern

Die modebewusste Frau von heute trägt entweder Betonkleider oder Lebkuchen. Solche außergewöhnlichen Kostüme haben jedenfalls die Design-Studentinnen der privaten Fachhochschule Dresden (FHD) entworfen und in Reick vorgeführt – sehr charmant. Auch hat eine FHD-Forscherin Sporttextilien entwickelt, in denen man nicht schwitzt und die gegen UV-Strahlung schützen.

Das an der FHD entwickelte Videospiel versetzt den Spieler in die Rolle eines Bürgerkriegsflüchtlings. Foto: Heiko Weckbrodt

Das an der FHD entwickelte Videospiel versetzt den Spieler in die Rolle eines Bürgerkriegsflüchtlings. Foto: Heiko Weckbrodt

Videospiel aus der Sicht eines Flüchtlings

Ein ganz außergewöhnliches und hochaktuelles Videospiel hat ein anderer FHD-Student programmiert: Darin schlüpft der Spieler in die Rolle eines Bürgerkriegs-Flüchtlings und durchlebt die Etappen der langen Reise gen Europa mit. Und dabei muss er sich immer wieder entscheiden: Verkauft er sein Haus daheim oder lässt er es samt Familie erst mal zurück? Geht er über die lange Balkonroute oder wagt er die gefährliche Bootsfahrt übers Mittelmeer?

Der 3D-Drucker für lebende Zellen ist eine Spezialanfertigung aus Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt

Der 3D-Drucker für lebende Zellen ist eine Spezialanfertigung aus Sachsen. Foto: Heiko Weckbrodt

3D-Drucker druckt Organe und Ersatz-Knochen

Wie Knochen- und Knorpelimplantate, vielleicht sogar ganze Ersatz-Organe in naher Zukunft mit 3D-Druckern erzeugt werden können, haben Mediziner am Uniklinikum vorgeführt. Schon jetzt gelingt es ihnen, lebende Zellen, ja sogar schon Algen zu drucken. Bis dies auch mit menschlichem Gewebe gelingt, sind aber noch Jahre der Forschung nötig.

Harry Potter lässt grüßen: Zauberer im TU-Hörsaalzentrum. Foto: Heiko Weckbrodt

Harry Potter lässt grüßen: Zauberer im TU-Hörsaalzentrum. Foto: Heiko Weckbrodt

Cocktails aus der Molekularküche

Auch im Zentrum für fortgeschrittene Elektronik cfaed und im Nanoanalyse-Center war schwer was los, die Labore oft „am Rande ihrer Aufnahmekapazität“, wie cfaed-Mitarbeiterin Sandra Bley auf Anfrage einschätzte. „Die ,Lange Nacht’ hat beim cfaed alle bisherigen Marken der Besucherzahlen deutlich übertroffen. Besonders in den ersten vier Stunden herrschte großer Andrang. Die Sitzplätze im Hörsaal reichten bei den beiden Vorträgen über DNA als Bauteil für elektronische Schaltkreise und über Datenverarbeitung mittels Chemikalien nicht aus.“ Während der Wissenschaftsnacht schenkten die Nanoelektroniker insgesamt rund 400 Cocktails aus ihrer „Molekularküche“ aus.

„Obwohl wir die Aufmerksamkeit der Gäste mit dem Eröffnungsspiel der Fussball-EM und dem strahlenden Sonnenschein teilen mussten, konnten wir doch jede Menge Besucher für uns gewinnen“, betonte Giovanni Cuniberti vom Nanotechnologie-Lehrstuhl. „Auch unser Programm in der Hallwachstraße für die jüngeren Besucher erfreute sich dieses Jahr wieder regem Zuspruch. Im Zentrum stand das kreieren von „analogen“ und „digitalen“ Molekülen. Die aus den „digitalen“ Molekülen gestalteten Buttons wurden dann auch mit großem Stolz angesteckt.“

Der Wolf sorgt für Kundschaft

Vor allem das Zentrum für regenerative Therapien, das CRTD in Dresden-Johannstadt, habe sich als gefragte Adresse erwiesen, schätzte Koordinatorin Anja Loose am Morgen danach ein. Allein dort seien die Besucherzahlen um etwa 50 % höher als im Vorjahr ausgefallen. „Sehr gute Stimmung“ habe auch in Pillnitz geherrscht, das zwar etwas weit ab vom Zentrum des nächtlichen Treibens lag, aber mit besonders breiten und naturnahen Angeboten viele Neugierige zu fesseln vermochte. „Da ging es nicht nur um Pflanzen, sondern auch um Tiere wie Huhn, Alpaka und Wolf – und der zieht natürlich besonders viel Kundschaft an.“

Dresdner Neumarkt wird ab Juli zum Forschermarkt

„Die Lange Nacht ist eine ganz wunderbare Möglichkeit, die Stärken des Wissenschaftsstandortes Dresden zu präsentieren“, sagte ein sichtlich aufgekratzter TU-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen, der gleich das nächste Forscherfest ankündigte: Ab Juli werde sich der Dresdner Neumarkt für etwa drei Monate in eine Riesen-Freiluftausstellung von „dresden concept“ verwandeln, den deutschlandweit beispielhaften Verbund von universitären und außeruniversitären Instituten.

Autor: Heiko Weckbrodt

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