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Verliebt. Verlobt. Verloren: Liebe in Zeiten des Kalten Krieges

Marga Si. Foto:  Kundschafter Filmproduktion GmbH

Verliebte sich Anfang der 1950er in einen nordkoreanischen Studenten, den sie dann nie wiedersah: Marga Si. Foto: Kundschafter Filmproduktion GmbH

Anrührender Dokfilm über ostdeutsch-nordkoreanische Paare, die ein politischer Schnitt für immer getrennt hat

Für die einen im Osten, in der DDR-Schule, waren sie die Kinder, die „komisch aussehen“, die man dauernd als „Schlitzaugen“ hänselte. Für die anderen, im Westen, war sie „die Bösen“, die Abgesandten des fundamental-kommunistischen Nordkoreas Kim Il Sungs. Auf beiden Seiten von Grenze und Stacheldraht war es für sie alles andere als einfach, in der prä-globalisierten deutsch-deutschen Gesellschaft der 1950er und 1960er Jahre Anerkennung zu finden. Die Rede ist von Kindern aus nordkoreanisch-ostdeutschen Verbindungen, die in einem kurzlebigen Sonderprogramm der DDR wurzelten. In dem berührenden Dok-Film „Verliebt. Verlobt. Verloren“, der ab heute in den Kinos zu sehen ist, ist die südkoreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho diesem fast vergessenen Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte nachgegangen.

Kinder blieben in DDR zurück – und lernten niemals ihre Väter kennen

1952 nämlich, während des Koreakrieges, bot die DDR den kommunistischen Freunden in Fernost ein Studienprogramm für nordkoreanische Nachwuchskader an. Die kamen in Ostberlin, Dresden, Jena und anderen ostdeutschen Universitätsstädten ohne jede Deutschkenntnisse an, paukten in Crash-Kursen die fremde Sprache, um dann an den DDR-Unis Chemie, Physik oder Ingenieurwissenschaften zu studieren – um zu Spezialisten zu werden, die das junge Nordkorea dringend brauchte. Was den jungen an Sprachkenntnissen fehlte, machten sie durch Charme wett und eroberten so oft die Herzen junger „DDR-Bürgerinnen“. In vielen Fällen brachten die Liebschaften, die teils auch zu Ehen führten, auch Kinder hervor. Und die blieben, ebenso wie die frisch verlobten oder verheirateten ostdeutschen Studentinnen, zurück, als sich das Verhältnis zwischen der Sowjetunion und Nordkorea plötzlich verschlechterte: Die jungen Nordkoreaner wurden sofort nach dem Studienabschluss nach Hause zurückbeordert und durften nie wieder zurückkehren.

DDR-Liebesstory wurde durch Internet zur Legende in Südkorea

Eine der Zurückgelassenen war Renate Hong, deren unglückliche Liebesgeschichte Jahrzehnte später, im Internetzeitalter, zu einer Legende in Fernost wurde. „Renate Hongs Geschichte wurde in Südkorea sehr bekannt“, erzählt Dokfilmerin Sung-Hyung Cho. „2006 war sie in aller Munde, nachdem ein südkoreanischer Historiker, der in Jena über die Beziehung von Nordkorea und der DDR geforscht hatte, durch einen Zufall Renate Hong kennenlernte.“ Der Historiker verbreitete die Story im Internet und die Resonanz in Südkorea war immens: „Die Koreaner waren hin und weg von der traurigen, aber schönen Liebesgeschichte“, erinnert sich die Regisseurin, die dies zum Anlass für ihren Film nahm.

Alleingelassen, gehänselt, vom Liebsten getrennt

Und der geht unter die Haut: So abgeklärt sich die zurückgelassenen Frauen – inzwischen längst im Rentenalter – und ihre Kinder – mittlerweile mitten im Berufsleben -, auch in den Interviews zu geben versuchen: Mit jeder Filmminute bricht dieser emotionale Panzer mehr und mehr auf und heraus strömen all die Trauer, die Ungewissheit, die Schmähungen der Nachbarn und Mitschüler, die diese Menschen wegen einiger plötzlicher Entscheidungen der einst Mächtigen erdulden und mit mehr oder weniger Erfolg verarbeiten mussten.

Der Abschied. Abb.: Kundschafter Filmproduktion

Der Abschied. Abb.: Kundschafter Filmproduktion

Faszinierend ist auch, wie Sung-Hyung Cho mit den Lücken umgeht, die durch die dünne Quellenlage aus jener Zeit entstanden sind: Da nur einige Privat-Fotos und so gut wie kein Original-Filmmaterial über die „nordkoreanische Episode“ in der DDR zu finden war, hat sie die schwarzen Löcher mit schlichten, aber schönen Zeichentrick-Schnipseln gefüllt, was auch der Dokumentation einen gewissen künstlerischen Anstrich gibt.

Fazit: Traurig und schön

Anders, als man vielleicht aus der „Erzfeindschaft“ zwischen Süd- und Nordkorea heraus erwarten könnte, hat Sung-Hyung Cho keineswegs einen agitatorisch-anklagenden Streifen gegen Nordkorea gedreht, sondern ein sich ganz auf die persönlichen Geschichten und Tragödien konzentriert, die sie in mühevoller Recherche ausgraben konnte. Entstanden ist ein berührender Film, der eine für Außenstehende kaum bekannte Facette des Kalten Krieges und der Konflikte zwischen kommunistischen Ländern aus einer sehr individuellen Perspektive beleuchtet. Sollte man gesehen haben. Autor: Heiko Weckbrodt

„Verliebt. Verlobt. Verloren“ (Farbfilm-Verleih), Dok-Film, Deutschland/Südkorea 2015, 95 Minuten, ab 25. Juni 2015 im Kino