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Die schwache Schuppe der Stahlmonster

Die sächsischen  XII. und XIX. Armeekorps und das XII. Reservekorps stellten zu Beginn des I- Weltkriegs die 3. Armee an der deutschen Westfront. Repro: Sächs. Staatsarchiv

Die sächsischen XII. und XIX. Armeekorps und das XII. Reservekorps stellten zu Beginn des I- Weltkriegs die 3. Armee an der deutschen Westfront. Repro: Sächs. Staatsarchiv

Dresdner Staatsarchiv baut Internetsuche aus und stellt sächsische Weltkriegs-Archivalien ins Netz

Dresden, 1. August 2014: Heute vor 100 Jahren trat Deutschland in den Ersten Weltkrieg ein – und aus diesem Anlass hat das Sächsische Staatsarchiv Dresden seine Internetpräsenz deutlich ausgebaut: Zum Einen haben die Archivare auf einer Themenseite sächsische Kriegsakten ins Netz gestellt, zum Anderen bieten sie nun erstmals umfangreiche Online-Recherchen in großen Teilen ihres Gesamtbestandes. „Jetzt ist das Archivgut des Freistaates mit einem Klick überall erreichbar, unabhängig davon in welchem der Archive sich die Dokumente wirklich befinden“, betonte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU). „Das verbessert den Service für Wissenschaftler, Bürger und Verwaltung deutlich.“

Um die britische Panzer-Wunderwaffe zu stoppen, gab das Generalkommando Merkblätter aus, die die verwundbaren Stellen der "Tanks" zeigten. Repro: Sächs. Staatsarchiv

Um die britische Panzer-Wunderwaffe zu stoppen, gab das Generalkommando Merkblätter aus, die die verwundbaren Stellen der „Tanks“ zeigten. Repro: Sächs. Staatsarchiv

Merkblatt für den „Tank“-Kampf

Besonderes interessant ist das Themen-Internetportal über die sächsische Beteiligung am Ersten Weltkrieg. Dort finden sich vor allem Fotografien, Zeichnungen und Dokumente aus Dresden und von der Front. Darunter ist zum Beispiel ein Merkblatt des Generalkommandos über die „Tankbekämpfung“: Als die Briten die ersten Panzer („Tanks“) in Frankreich einsetzten, waren die deutschen Soldaten entsetzt über diese Stahlkolosse, die scheinbar unaufhaltsam alles niederwalzten, was ihnen in den Weg kam. Militärfotografen lichteten die Ungetüme ab und das Generalkommando versah die Lichtbilder mit Zeichnungen, wo sich Angriffsstellen offenbart hatten.

Sachsen haben einen der größten Kriegsakten-Bestände in Deutschland

Andere Abbildungen zeigen, wie verstümmelte Soldaten an Maschinen geschult werden, auch Briefe finden sich, Stoffproben englischer Uniformen, die im Sächsischen Kriegsministerium lagerten und dergleichen mehr. „Mit den Akten des ehemaligen Sächsischen Kriegsarchivs im Hauptstaatsarchiv Dresden besitzt das Sächsische Staatsarchiv einen der bedeutendsten Quellenfonds zur Geschichte des 1. Weltkriegs“, schätzten die Dresdner Aktenhüter ein. „Die Dresdner Archivalien zählen zu den drei größten Überlieferungskomplexen militärischer Provenienz in Deutschland.“

Findbücher nun online

Daneben ist es nun auch über ein zentrales Internetportal möglich, im gesamten Bestand des Sächsischen Staatsarchivs zu suchen, etwa in Akten aus DDR-Zeiten oder der Wettiner. Insgesamt sind hier 1,5 Millionen Datensätze über 25 laufende Aktenkilometer zu finden, wobei diese aber – anders als auf der Weltkriegs-Themenseite, nicht die Archivalien selbst im Volltext zeigen, sondern „nur“ Kurzangaben zum Inhalt und zum Lagerort. Aber auch dies ist für Historiker und andere Forscher schon ein großer Fortschritt, mussten sie früher doch noch vor dem eigentlichen Aktenstudium oft erst tagelang in Papier-Findbüchern blättern, um herauszubekommen, was im Archiv wo zu ihrem Forschungsthema gelagert war. Diese Vorrecherchen sind nun daheim oder im Büro am Rechner möglich, zudem auch mit einer Suchmaske.

Zivilisten unter Generalverdacht: "Kronprinz Georg von Sachsen examiniert eine verdächtige Person bei Novion-Porcien am 30.8.1914". Repro: Sächs. Staatsarchiv

Zivilisten unter Generalverdacht: „Kronprinz Georg von Sachsen examiniert eine verdächtige Person bei Novion-Porcien am 30.8.1914“. Repro: Sächs. Staatsarchiv

Insgesamt 110 km Archivgut verwahrt

Laut Angaben des Innenministeriums verwahrt das Sächsische Staatsarchiv insgesamt zirka 110 laufende Kilometer Urkunden, Amtsbücher, Akten, Karten, Tonbänder, Filme sowie elektronisches Archivgut aus fast 1100 Jahren sächsischer, deutscher und europäischer Geschichte. Dazu gehören auch jüngere Bestände zum Beispiel aus Dresdner VEBs oder aus der NS-Zeit in Sachsen. Die älteste Pergamenturkunde datiert aus dem Jahr 948. Mit rund 15.000 Nutzern und rund 10.000 schriftlichen Anfragen pro Jahr gehört das Sächsische Staatsarchiv im bundesweiten Vergleich zu den drei meistgenutzten Landesarchiven in Deutschland. Autor: Heiko Weckbrodt

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