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Dresdner Leibniz-Institut IFW stürzt sich auf Quanten- und Nanowerkstoffe

Abb.: IFW

Abb.: IFW

5,1 Millionen Euro teurer Ausbau soll Neuausrichtung beschleunigen

Dresden, 26. Februar 2014: Das Dresdner „Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung“ (IFW) wird sich künftig stärker auf neuartige Funktions-, Quanten- und Nanomaterialien konzentrieren, um Zukunftstechnologieprojekte von EU und Bund zu unterstützen. Dafür rückt die Erforschung widerstandslos leitender Werkstoffe (Supraleiter) etwas in den Hintergrund. Das hat der kaufmännische IFW-Direktor Prof. Rolf Pfrengle im Oiger-Gespräch angekündigt.

Diese „strategische Neuausrichtung“ ist auch eine Konsequenz aus dem gewachsenen internationalen Stellenwert des Dresdner Instituts, das immer mehr Gastwirtschaftler anzieht. Zudem hoffen die Leibniz-Forscher, sich durch ihr neues Profil an mehr europäischen Förderprogrammen beteiligen zu können.

Sonderzuschuss von Bund und Land

Blick in den neuen Leibniz-Bau. Foto: IFW

Blick in den neuen Leibniz-Bau. Foto: IFW

In diesem Zuge haben die Wissenschaftler ihr Haus nun ausgebaut: Für 5,1 Millionen Euro ist mit dem „Leibniz“-Bau an der Nöthnitzer Straße ein neues Technik- und Bürogebäude mit insgesamt zirka 2200 Quadratmetern Nutzfläche entstanden. Für das Ausbauprojekt hatten Bund und Land dem IFW einen Sonderzuschuss von 3,1 Millionen Euro gewährt.

Sechs Meter tiefes Tiefkühl-Technikum

In den Hang hinein wurde ab dem September 2011 zunächst ein sechs Meter hohes Technikum gegraben. Auf rund 250 Quadratmeter finden dort nun besonders große Forschungsgeräte Platz, für die im alten Institutsgebäude an der Helmholtzstraße Deckendurchbrüche notwendig gewesen wären. Dazu gehören zum Beispiel Kryostate, wie sie für Physikexperimente bei sehr niedrigen Temperaturen, bei denen Werkstoffe oft plötzlich ganz neue Eigenschaften offenbaren, notwendig sind.

Rechenzentrum für Theoretiker

Prof. Rolf Pfrengle. Foto: IFW

Prof. Rolf Pfrengle. Foto: IFW

Über dem Technikum entstanden ein Rechenzentrum, eine Bibliothek sowie ein großzügiges Veranstaltungs-Atrium, das den Neubau mit dem Hörsaal im Altbau verbindet. Das Supercomputerzentrum kommt, ähnlich wie die Büroflächen in den zwei Obergeschossen darüber, vor allem dem noch jungen Theorieinstitut innerhalb des IFW zu Gute. „Durch das Wachstum unserer Forschungsfelder und unserer experimentellen Institute ist auch unser Theoriebedarf gestiegen“, begründete Pfrengle diesen Schwerpunkt.

Schwebende Bahnen

Das IFW war 1992 aus einem Dresdner Institut der DDR-Akademie der Wissenschaften entstanden. Insbesondere unter dem langjährigen wissenschaftlichen Direktor Prof. Ludwig Schultz hatte das Haus insbesondere mit seinen Supraleit-Forschungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Viele Dresdner werden sich wohl noch von diversen Wissenschafts-Shows an die kaltdampfenden schwebenden Modelleisenbahnen erinnern, mit denen Schultz dieses Phänomen demonstrierte.

Video von der Supraleit-Bahn "Supratrans" (IFW):

Aus diesen Forschungen gingen auch wie die schwebende Pilotbahn „Supratrans“ und die Ausgründung „Evico“ hervor, die Supraleit-Kabel herstellt, die Strom nahezu verlustfrei leiten. Nun wollen sich die Forscher verstärkt auf innovative Materialien stürzen, die durch mikroskopisch feine Strukturierungen zum Beispiel besonders hart, leicht und widerstandsfähig werden oder durch ihre quantenphysikalischen Eigenschaften neuartige Elektronik ermöglichen könnten.

Inzwischen hat das IFW über 500 feste Mitarbeiter, inklusive der internationalen Gastwissenschaftler und Diplomanden sind im Haus meist zwischen 600 und 700 Menschen tätig. Pro Jahr bekommt das Institut von Bund und Land rund 30 Millionen Euro Basisfinanzierung für seine Forschungen, dazu werben die Wissenschaftler meist weitere zehn Millionen Euro Drittmittell jährlich ein. Autor: Heiko Weckbrodt

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