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„Empire of War“: Erschütternder Katastrophenfilm aus China

Meister Fang muss mit ansehen, wie seine gesamte durch Hunger, Kälte und Versklavung dahin gerafft wird. Foto: Koch Media

Meister Fang muss mit ansehen, wie seine gesamte durch Hunger, Kälte und Versklavung dahin gerafft wird. Foto: Koch Media

Heute wird China als Großmacht mit Atomraketen und Dumping-Fabriken gesehen – doch im 19. und 20. Jahrhundert hatte das Reich der Mitte schwere Durchhänger. Die kumulierten im II. Weltkrieg, als die Japaner einmarschierten, sich derweil Chang Kai Tschecks Kuomintang und Maos Kommunisten beharkten und die Erstarrung und Ineffizienz der alten chinesischen Bürokratie voll zu Tage trat – und letztlich Millionen Leben kostete. Anhand der großen Hungersnot von 1942 in der Provinz Henan, bei der schätzungsweise drei Millionen Menschen starben, arbeitet Chinas Starregisseur Feng Xiaogang („Aftershock“) in seinem neuen Katastrophenfilm „Empire of War“, der jetzt in Deutschland auf DVD und Bluray erschienen ist, dieses düstere Kapitel der chinesischen Geschichte auf.

Kritische und eher parteiferne Sicht

Und dies tut er überraschend kritisch und recht fern der offiziellen Mao-Parteilinie: Den einst nur als Super-Unhold gezeichneten Chang Kai Tscheck zeigt er als kaltblütigen Taktiker, aber auch als mitfühlenden Menschen. Er lässt nicht unerwähnt, dass die japanischen Besatzer – anders als der korrupte und unfähige chinesische Verwaltungsapparat – die Verhungernden endlich nährten. Und statt Lobeshymnen auf die roten Truppen zu singen, führt er mit dramatischen Bildern vor, was die politischen Schachzüge der verfeindeten Fraktionen für Otto-Normalchinese damals bedeuten: eine Vernichtungsmühle, zwischen denen er als Kanonenfutter zerrieben wurde.

Trailer (englisch):

Todesmarsch schweißt Herr und Knecht zusammen

In den Mittelpunkt seiner epischen Geschichte stellt Feng Xiaogang eine Handvoll Familien aus Henan, die dem Hunger auf einem Todesmarsch durch China zu entfliehen versuchen. Das Leid, die Kälte, die Willkür fahrender Scharfrichter und die sterbenden Kinder schweißen auf diesem Marsch Gutsbesitzer und Knechte ganz unklassenkämpferisch zusammen.

Abschied vom Over-Acting

Zum Glück verzichten die einheimischen Schauspieler so gut wie ganz auf das unsägliche Over-Acting, das übertriebene Gestikulieren und Grimassieren, das dem chinesischen Kino früher in Europa so einen schweren Stand bescherte. Auch hat sich Xiaogang mit Tom Robbins („Die Verurteilten“) als Klostervorsteher und Adrien Brody als US-Journalist ein paar Stars aus dem Westen eingeladen, die dem ohnehin mit Hollywood-Aufwand inszenierten Drama Würze verleihen.

Fazit:

Foto: Koch Media

Foto: Koch Media

Nachdem er in „Aftershock“ bereits in großformatigen Bildern das Erdbeben von Tangshan verarbeitet hatte, hat Feng Xiaogang hier nun eine weitere prägende Katastrophe der chinesischen Geschichte verarbeitet. Dabei zeigt er nicht nur, dass China inzwischen Filme im Hollywood-Format machen kann, sondern dabei auch eigene Wege geht: Anders als in US-Katastrophenfilmen stehen bei ihm Menschen im Mittelpunkt, nicht Klischee-Abziehbilder oder heldische Überväter und ein Happy End gibt’s bei ihm realistischerweise schon gar nicht. „Empire of War“ ist insofern nicht nur für jene sehenswert, die sich für die bisher in Europa nur sehr undifferenziert reflektierte Geschichte Chinas interessieren, sondern auch für ein breites Publikum. Heiko Weckbrodt

„Empire of War – der letzte Widerstand“ (Koch Media), China 2012 (Bluray: 2013), Katastrophenfilm, Regie: Feng Xiaogang, mit Tim Robbins, 145 Minuten, FSK 16, DVD und Bluray jew. 13 Euro

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