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DVD „Who killed Marilyn?“: Frostiger Krimi aus der französischen Provinz

Candice (Sophie Quinton) beim Shooting mit nackten Feuerwehrmännern - eine Hommage an Marilyn Monroes Fotos mit Soldaten. Abb.: Koch Media

Candice (Sophie Quinton) beim Shooting mit nackten Feuerwehrmännern – eine Hommage an Marilyn Monroes Fotos mit Soldaten. Abb.: Koch Media

Ein Schneeschuh-Läufer findet im ewig eisigen Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz die Leiche einer jungen Frau (Sophie Quinton). Die Tote nannte sich Candice, war die angebetete Provinzschönheit von Mouthe und hatte sich zur Reinkarnation von Marilyn Monroe hochstilisiert. Doch aus unerfindlichen Gründen tut der örtliche Polizeichef alle Indizien auf Mord ab und legt den Fall als Suizid ab. Der von einer Schreibblockade heimgesuchte Schriftsteller Rousseau (Jean-Paul Rouve) beginnt zu ermitteln und kommt einer höchst merkwürdigen Verkettung von Intrigen, Unglück und Verbrechen auf die Spur. Das filmische Resultat beantwortet die Frage „Who killed Marilyn?“ (Original: „Poupoupidou“) und meistert gekonnt die Balance zwischen Charakterstudie, traurigem Krimi und untergründiger Komik.

Trailer (Koch Media):


Dazu tragen die hierzulande weitgehend unbekannten, jedoch starken Hauptdarsteller bei, aber auch Regisseur Hérald Hustache-Mathieu, der sich auf die Tugenden gesellschaftskritischer französischer Filmtraditionen konzentriert: Er baut einen kriminalistischen Sandkasten in der Provinz auf, der sich auf die Akteure konzentriert, in dem Schicht für Schicht äußerer Schein weggepellt und Triebkräfte freigelegt werden.

Mal hintergründige Komik, mal Korruptions-Drama
Autor Rousseau (l., Jean-Paul Rouve) hat einen bogenschießeneden Polizisten als Verbündeten gewonnen. Abb.: Koch Media

Autor Rousseau (l., Jean-Paul Rouve) hat einen bogenschießenden Polizisten als Verbündeten gewonnen. Abb.: Koch Media

Dabei hat „Who killed Marilyn“ durchaus bizarr-komische Elemente. Wenn etwa ein Flic einen schwefligen Schneeabdruck auf den Café-Tisch knallt, der wie ein missratenes Omelett aussieht, oder sich unser Autor bei seinen Ermittlungen oft arg unbeholfen anstellt. Doch Schauspieler wie Regisseur geben der Verlockung zum Slapstick nicht nach, nehmen die Komik im letzten Augenblick zurück. Und gerade solche Elemente lassen die Geschichte des jungen Mädchens, das wie Marilyn von allen geliebt werden will und doch so gefesselt ist, umso tragischer wirken.

Erschienen ist das Drama nun auf DVD. Als kleines Extra ist ein „Making Of“ auf die Scheibe gebrannt, das die nicht immer ganz einfachen Dreharbeiten in Frankreichs kältesten Ort Mouthe beleuchtet.

Abb.: Koch Media

Abb.: Koch Media

Fazit:

Ein faszinierender und spannender Provinzkrimi mit fähiger Kameraführung und mit Darstellern, deren starke Leinwandpräsenz wesentlich zur Wirkung beiträgt. Stellenweise fühlt man sich ein wenig an David Lynchs morbide Inszenierungstechniken in „Twin Peaks“ erinnert – aber dennoch ist den Machern ein originelles Werk gelungen. Heiko Weckbrodt

Who killed Marilyn?“ (Koch Media), Krimi, Frankreich 2011 (DVD: 2012), Regie: Hérald Hustache-Mathieu, ca. 110 Minuten, FSK 12, DVD 13 Euro, Bluray 13 Euro

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