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DVD „Dark City“: Perfides Experiment

„Wann haben Sie das letzte Mal die Sonne gesehen?“, fragt der mordverdächtige John (Rufus Sewell) einen müden, traurigen Kommissar (William Hurt). „Wie kommt man aus der Stadt raus, nach Shell Beach?“ „Das weiß doch jeder. Nehmen sie die U-Bahn… die U-Bahn…“ Der Kommissar zermartert sich den Kopf. „Können Sie sich überhaupt an etwas aus ihrer Vergangenheit erinnern, richtig klar und deutlich?“, stößt John nach. Der Kriminalist will spontan antworten, doch dann beginnt er zu grübeln.

Kiefer Sutherland als bizarrer Dr. Schreber

Kiefer Sutherland als bizarrer Dr. Schreber. Abb. (3): New Line Cinema

John ahnt bereits die Antwort, hat er doch durch einen „Fehler im System“ die Männer in den schwarzen Anzügen bei ihrem Handwerk gesehen. Wie sie Nacht für Nacht mit chemischen Substanzen den Menschen ihre Erinnerungen, ihr Leben stehlen, immer und immer wieder. Wie sie den Proletarier zum Patrizier machen, den Fabrikanten zum Taxifahrer – alle 24 Stunden ein neues Leben. Kommissar und Delinquent tun sich zusammen, stoßen auf einen Handlanger, den Arzt Dr. Schreber (Kiefer Sutherland), der ihnen mit hastiger, stockender Stimme erklärt: „Dark City“ ist eine künstliche Stadt, von Außerirdischen erschaffen, um die Menschen zu studieren…

Die Sci-Fi-Dystopie „Dark City“ (1998) ist in ewige Düsternis getaucht, klaustrophobisch, surreal, bedrückend. Und sie wartet mit glänzender Besetzung auf, besonders William Hurt als gleichermaßen desillusionierter wie träumerischer Kriminalist und der spätere „24“-Star Kiefer Sutherland als verschrobener Doktor sind eine Augen- und Ohrenweide. Etwa zeitgleich mit der „Truman Show“ und kurz vor „Matrix“ abgefilmt, spielt auch „Dark City“ originell mit Platons altem „Höhlengleichnis“, mit der Idee, unser Leben, all unsere Wahrnehmungen könnten nur Schatten des wahren Geschehens hinter den Kulissen sein. Schade nur, dass die Endmonsterkämpfe gegen die Aliens letztlich ein wenig wie Comic-Trash wirken – da fehlten Regisseur Alex Proyas („The Crow“, „I, Robot“) wohl entweder bessere Ideen oder bessere Trickcomputer.

Vom Film noir inspiriert: Einer der Dunkelmänner von "Dark City". Abb. (3): New Line Cinema

Dunkelmann in "Dark City".

Dennoch: einer der besten Science-Fiction-Filme der 90er Jahre. Die DVD gibt es in der Standardvriante und als Directors Cut mit zusätzlichen Szenen, beigefügt sind ein „Making Of“ und Interviews mit Schauspielern und dem Regisseur. Heiko Weckbrodt

„Dark City“ (New Line Cinema/Kinowelt), Sci-Fi, USA/Australien 1998, R.: A. Proyas, P 16, 30 Euro (!)
 

Tipp: „Dark City“ ist heute (25.9.2011), im TV zu sehen: ZDFneo, 22.35 Uhr

 

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