Kernfusion, Radiopharma-Beschleuniger & Hyperloop: Wie soll Sachsen große Zukunftsprojekte stemmen?

IHK: Zukunftsstiftung soll als Risikokapitalist Jungunternehmen an Sachsen binden
Dresden, 26. März 2026. Als strategisch wichtig hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) die avisierte „Zukunftsstiftung Sachsen“ eingestuft. Trotz Sparzwängen sei dieses Projekt wünschenswert, meint IHK-Präsident Andreas Sperl. Denn die Kapitalerträge dieser Stiftung sollten von einem Expertengremium zum Beispiel in vielversprechende Uni-Ausgründungen und andere frisch gegründete Unternehmen („Start ups“) investiert werden. Dies soll die altbekannte Risikokapitallücke in Sachsen ein Stück weit schließen, die oft dazu führt, dass Jungunternehmen mit Potenzial von internationalen Konzernen nach der ersten Wachstumsphase aufgekauft werden – oder sich selbst vom Freistaat abwenden und dorthin umsiedeln, wo potente Geldgeber zu finden sind. Was heißt: Allzu oft noch profitieren letztlich andere Länder von Technologien und Innovationen aus Sachsen, die hier keine Chance bekommen haben, breite wirtschaftliche Erträge abzuwerfen.

Beschlagnahmte Bitcoins als Kapitalbasis
Das Basiskapital für eine Zukunftsstiftung, die solche Finanzierungslücken schließt, könnte der Freistaat unter anderem durch die Bitcoins speisen, die die sächsische Justiz von Cyber-Kriminellen abgeschöpft hat, schlägt IHK-Hauptgeschäftsführer Lukas Rohleder vor. Neben Jungunternehmen könne solch eine Stiftung im Übrigen auch langfristige Zukunftsprojekte kofinanzieren, die weit länger als eine Legislaturperiode brauchen.
Von Magnetschwebebahn bis Kernreaktor: Vorschläge liegen viele auf dem Tisch
Beispiele nannten die Kammervertreter zwar nicht. Aber mehrere Vorschläge für solch langfristige Projekte, die Sachsen voranbringen könnten, liegen teils schon seit Jahren auf dem Tisch. Ein paar Beispiele:
- Per Hyperloop nach Berlin: Der Dresdner TU-Professor Hubert Jäger hat eine Hyperloop-Schnellbahn zwischen Dresden, Berlin und Prag vorgeschlagen, um die schwache Flug-Anbindung des Flughafens Dresden auszugleichen.

Die Supratrans-Schwebebahn auf der einstigen Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Foto: evico - Magnetschwebebahn: Auch eine Transrapidstrecke innerhalb Dresdens oder gar zwischen dem Hauptstadt-Flughafen BB und Dresden zirkuliert schon länger als Idee. Mit der Supratrans-Bahn gab es bereits eine eigene, in Dresden entwickelte technologische Basis für supraleitende Magnetschwebezüge, die aber nur bis zu einer kleinen Demonstrations-Strecke getrieben und dann aufgegeben wurde.

Ein Rossendorfer Zyklotron für die Kleinproduktion kurzzeitig strahlender Isotope für die radiopharmazeutische Diagnose und Therapie gegen Krebs. Foto: Heiko Weckbrodt - Zyklotron und Kernreaktor für Radiopharmazie: Unternehmer aus der wachsenden Radiopharma-Branche zwischen Rossendorf und Radeberg wünschen sich größere Ringbeschleuniger („Zyklotrone“), womöglich auch einen Forschungskernreaktor, um die Produktion schwach strahlender Medikamente und anderer Präparate in Sachsen auf eine neue Stufe zu heben.

Im Großraum Dresden sollte eigentlich ein „Sächsisches Ausbildungszentrum für Mikroelektronik“ entstehen. Visualisierung: KI ChatGPT, Prompt: Heiko Weckbrodt - Chiplehrling-Schmiede: Das „Sächsische Ausbildungszentrum für Mikrotechnologie“ (SAM) hat nach wie vor ein Finanzierungsproblem. Dabei könnte Sachsen damit ein überregionales Vorzeigebeispiel für eine moderne und internationale Mikroelektronik-Ausbildungsschmiede schaffen.

Mit solchen Kryostaten will das „Center Nanoelectronic Technologies“ (CNT aus Dresden an Tiefkühl-Quantencomputern forschen. Foto: Fraunhofer-IPMS - KI & Quantentech: Die KI-Strategie und die Quantentechnologie-Strategie des Landes sind ambitioniert: Um hier international mithalten zu können, wären noch erhebliche Investitionen in KI-Rechenzentren, Quantencomputer sowie Versuchsanlagen für Quantenkommunikation, Quantensensoren und Quanten-Mikroelektronik-Hybridlösungen erforderlich.

Die nachkolorierte Aufnahme zeigt Wasserstoff-Plasma im Fusions-Forschungsreaktor Wendelstein 7-X in Greifswald. Kamerafoto: IPP - Echte Sonnenenergie auf Erden: In der Fusionsallianz hat sich Sachsen mit anderen Bundesländern zusammengetan, um in Deutschland erstmals wirtschaftlich nutzbare Kernfusions-Reaktoren zu bauen. Damit könnte eine grundlastfähige und nahezu unerschöpfliche Energiequelle geschaffen werden, die echte Sonnenenergie liefert und nicht so wetterabhängig wie Solar- und Windkraftwerke ist. Auch wenn Sachsen dabei nicht vorrangig auf die extrem teure Tokamak-Technologie setzt, sondern auf Stellaratoren sowie Laser-Trägheits-Fusion: Hier sind über Jahrzehnte hinweg noch erhebliche Forschungsausgaben für – auch in anderen Zukunftssektoren nutzbare – Spezialstähle und andere Reaktormaterialien, Superlaser und dergleichen abzusehen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IHK DD, Oiger-Archiv

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