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Fusionsenergie rückt nun doch in greifbare Nähe

Blick in den verdreht geformten Fusionsreaktor Wendelstein 7x in Greifswald. Foto: Jan Hosan für das MPI für Plasamaphysik
Blick in den verdreht geformten Fusionsreaktor Wendelstein 7x in Greifswald. Foto: Jan Hosan für das MPI für Plasamaphysik

Forschung an innovativen Kraftwerken nimmt weltweit an Fahrt auf – und auch in Deutschland: 130 Millionen Euro für Proxima Fusion.

München/Greifswald/Dresden, 14. Juni 2025. Nachdem erst sowjetische und dann europäische Ingenieure jahrzehntelang vergebens an Fusionskraftwerken herumkonstruiert hatten, die die fast unerschöpflichen Energieprozesse in der Sonne auf Erden auf eine friedliche Weise zünden sollten, kommt seit einiger Zeit doch noch Bewegung in diese Technologie. Und damit rückt auch die Vision einer unbegrenzten, sauberen Energiequelle in greifbare Nähe.

Laserpfad in den USA, Tokamak-Konzept in Frankreich

Einerseits haben US-Forschungslabore zuletzt große Fortschritte bei der lasergestützten Trägheitsfusion von Wasserstoff-Atomen gemacht. Bereits seit 1990 gibt es das internationale „Iter“-Projekt (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Cadarache in Frankreich. Dabei handelt es sich um das größte Fusionsforschungsprojekt der Welt. Iter konzentriert sich auf das ursprünglich 1951 in der Sowjetunion erdachte Tokamak-Prinzip. Dabei wird das heiße Plasma in einer kringelförmigen Kammer durch Magnetfelder in der Schwebe gehalten.

Durchbrüche fürs Stellarator-Design in Greifswald

Derweil haben aber deutsche Physiker all die milliardenteuren Tokamak-Reaktordesigns, an denen das europäische Iter-Konsortium schon seit Jahren herumlaboriert, gewissermaßen „rechts überholt“: Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) hat in Greifswald mit dem „Wendelstein 7-X“ ein innovatives Reaktordesign zum Erfolg geführt, das sich die seltsam verdrehten Magnetfelder im Innern unserer Sonne zum Vorbild nimmt. Und dieser „Stellarator“ ist deutlich billiger als ein „Tokamak“ zu bauen. Zudem haben die Greifswalder bereits mehrfach für immer längere Zeit Fusionsprozesse zum Laufen gebracht.

„Wissenschaftlicher Vorsprung Europas“

Aus diesem Projekt heraus gründete sich 2023 in München das Unternehmen „Proxima Fusion“. Und das genießt nicht nur das Interesse, sondern auch Geldzuflüsse zahlreicher Investoren: Mit einer Rekordinvestition von 130 Millionen Euro durch Risikokapitalgeber hat sich das bayrische Jungunternehmen nun an die Spitze der europäischen Fusionsforschung katapultiert. Filip Dames von „Cherry Ventures“ – einem der Kapitalgeber – bringt die Stimmung auf den Punkt: „Proxima Fusion verbindet den wissenschaftlichen Vorsprung Europas mit kommerziellem Ehrgeiz. Das ist Deep Tech vom Feinsten und ein klares Signal, dass Europa auf der Weltbühne eine Führungsrolle einnehmen kann.“

„Fusion markiert einen Wendepunkt“

Immerhin versprechen die Gründer Großes für die Welt: „Die Fusion markiert einen Wendepunkt“, orakelt „Proxima Fusion“-Chef Francesco Sciortino: „Sie ermöglicht es, die bisherige Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen durch eine stärkere Ausrichtung auf technologische Führungsstärke zu ersetzen und eröffnet so neue Wachstums- und Wettbewerbspotenziale.“

Alpha-Reaktor soll 2031 starten

Mit insgesamt über 185 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Mitteln will Proxima Fusion bis 2027 eine Modellspule für Stellaratoren fertigstellen und bis 2031 den Demonstrations-Stellarator „Alpha“ in Betrieb nehmen. Der soll dann erstmals über längere Zeit mehr Energie liefern statt nur verbrauchen.

Sachsen und Meckpomm arbeiten gemeinsam an Kernfusion

In Sachsen wird ebenfalls an der Kernfusion geforscht, insbesondere an den technischen Herausforderungen und Materialfragen, die mit dem Bau und Betrieb von Fusionskraftwerken einhergehen. So arbeitet beispielsweise das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) an Lasertechnologien und quantenmechanischen Effekten für die Kernfusion. Außerdem planen das HZDR und die Uni Rostock ein gemeinsames „High Energy Density Institut“ (Hedi). Das Ziel der Forscher: „Hedi soll sich zum internationalen Knotenpunkt für die Trägheitsfusionsforschung entwickeln“ .

Autoren: Heiko Weckbrodt, Gemini

Quellen: HTGF, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger