Bildung, Bücherkiste, Internet & IoT, News, zAufi

Dresden richtet „Bibliothek der Dinge“ ein

Der siebenjährige Julius Jockwitz hat sich aus der "Bibliothek der Dinge" in Dresden eine Gitarre geliehen. Foto: Städtische Bibliotheken Dresden

Der siebenjährige Julius Jockwitz hat sich aus der “Bibliothek der Dinge” in Dresden eine Gitarre geliehen. Foto: Städtische Bibliotheken Dresden

Von Akkuschrauber bis Zauberwürfel: Biblliothekare verleihen nun auch allerlei Dinge zum Ausleihen und Teilen

Dresden, 17. Mai 2021. Die Städtischen Bibliotheken Dresden forcieren unter ihrer neuen kommissarischen Direktorin Marit Kunis-Michel die Transformation hin zu einem „dritten Ort“ des 21. Jahrhunderts. Als Reflex auf das „Internet der Dinge“, aber auch auf Carsharing-Angebote, geteilte Großraumbüros („Coworking Spaces”), gemeinsame Hightech-Bastelstuben („Maker Spaces”) und andere Phänomene der kollaborativen Wirtschaft des Teilens richten sie nun eine „Bibliothek der Dinge“ in Dresden ein.

Seit jeher ein Pionier der „Sharing Economy“

Zwar waren die Bibliotheken seit jeher ein Teil, nein sogar ein Pionier der heute so genannten „Sharing Economy“, da Bildungshungrige dort schon immer Buch, Zeitschrift, Brettspiel & Co. leihen konnten. Nun aber gibt es in der „Bibliothek der Dinge“ eben beispielsweise auch Nähmaschinen, Gitarren, tibetanische Klangschalen, GPS-Orter, Akkuschrauber, Mikroskope und andere Utensilien, um kreative Gemeinschaftsprojekte und gute Vorsätze endlich in die Tat umzusetzen. Gedacht ist das Angebot nicht zuletzt als umweltfreundlicher Gegenentwurf zu den Exzessen der Wegwerfgesellschaft.

Bildschirmfoto (hw) von den Technikdingen, die die "Bibliothek der Dinge" in Dresden derzeit verleiht.

Bildschirmfoto von den Technikdingen, die die “Bibliothek der Dinge” in Dresden derzeit verleiht. BSF: hw

90 Dinge zum Start

Insgesamt wird die neue Offerte zunächst 90 solcher „Dinge“ umfassen. Physisch zu finden sind sie in der Zentralbibliothek im zweiten Obergeschoss des Dresdner Kulturpalast. Einen virtuellen Bestandsüberblick bekommen Interessierte unter dieser Adresse: bibo-dresden.de/bibliothek-der-dinge. Die Leihfrist beträgt vier Wochen.

Transformation hin zu einem Bildungsort mit hoher Bleibequalität

Die „Bibliothek der Dinge“ bettet sich in einen Modernisierungskurs ein, den der langjährige Direktor Arend Flemming den Städtischen Bibliotheken Dresden verordnet hatte. Sein Credo: Statt nur Bücher zu verwahren und zu verleihen, müssen sich Bibliotheken im 21. Jahrhundert zu einem Wissens-Hort mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickeln, zu einem dritten Lebensmittelpunkt neben Wohnung und Arbeitsort, an dem sich Menschen treffen, gemeinsam Ideen schmieden und realisieren, Hausaufgaben erledigen – oder auch „nur“ spielen oder abhängen.

„Filmfriend“ bereichert eBibo

Dazu gehört auch eine fortwährende Erneuerung am Puls der Zeit. So bauten die Bibliothekare in den vergangenen Jahren eine enorm erfolgreiche „eBibo“ mit elektronischen Büchern, Zeitschriften, Musik-Strömen und anderen digitalen Offerten auf. Neuestes Angebot ist dort seit Mai 2021 das Filmstreaming-Portal „Filmfriend“. Und als Vorläufer zur Bibliothek der Dinge entstand im Corona-Jahr gar eine „Saatgut-Bibliothek“.

Leihzahlen abgestürzt, langjähriger Spiritus Rector ausgefallen

Unterm Strich manövrieren die Städtischen Bibliotheken derzeit allerdings in schwierigem Fahrwasser. Wegen der Kronen-Seuche mussten sie 2020 und 2021 mehrfach schließen. Die Entleihungszahlen stürzten daraufhin 2020 um etwa 17 Prozent auf zirka 4,5 Millionen ab, die Zahl der Veranstaltungen hat sich mehr als halbiert. Dann erkrankte auch noch der langjährige Direktor Arend Flemming schwer.

„Verlust für die Dresdner Stadtgesellschaft“

„Besonders während der Schließzeiten erreichte uns die Botschaft, dass die Bibliotheken mit ihrem Angebot vor Ort schmerzlich vermisst wurden“, betonte heute seine kommissarische Vertreterin Kunis-Michel. „Das zeigt uns sehr deutlich, dass Bibliotheken als physische Orte der Information, Kommunikation und Bildung unverzichtbar sind und ihre infolge der Kontaktbeschränkungen begrenzte Nutzbarkeit ein Verlust für die Dresdner Stadtgesellschaft darstellte.“ Aber: „Wir haben reagiert, neue und kreative Lösungen entwickelt und unser Angebot digital wie analog erweitert.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Städt. Bibliotheken Dresden