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Online-Händler gegen Paketabgabe für die Konkurrenz

Blick in die neue DHL-Paketbetriebsstätte in Klipphausen. Foto: Jens Schlueter für die Deutsche Post DHL

Blick in die neue DHL-Paketbetriebsstätte in Klipphausen. Foto: Jens Schlueter für die Deutsche Post DHL

CDU will mit Steuer auf Internethandel Innenstadt-Läden subventionieren

Berlin, 20. Dezember 2020. Die deutschen Online-Händler haben die Paketabgabe zu Gunsten des Innenstadthandels, wie ihn Teile der CDU-CSU-Bundestagsfaktion fordern, scharf kritisiert. Dies sei “ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die seit 25 Jahren in Innovation und Versorgungssicherheit im Handel in der Stadt und auf dem Land investiert haben”, betonte schätzte Christoph Wenk-Fischer ein, der Hauptgeschäftsführer des “Bundesverband E-Commerce und Versandhandel” (bevh) aus Berlin.

Laut Berichten von Welt, RND und anderen Medien geht die Forderung nach einer “Paketabgabe” auf die Abgeordneten Christian Haase und Andreas Jung zurück. Anscheinend unterstützen auch Teile der SPD diese Forderung. Sie wollen sie von Internetversandhändlern ergeben, um dadurch Ladengeschäfte in den Innenstädten zu subventionieren und durch die Corona-Zeit zu helfen.

“Umverteilung vom Heute zum Gestern”

Dies hält Wenk-Fischer für eine wirtschaftspolitische Fehlsteuerung: Diejenigen, die seit 25 Jahren in die Digitalisierung investieren und jetzt krisensicher aufgestellt sind, sollen nun für die Versäumnisse ihrer Konkurrenten und der Politik aufkommen?”, frage er rhetorisch. “Dabei ist der Verkauf über das Internet besonders in der Krise für Tausende stationäre Händler der letzte Anker, der sie über Wasser hält. Viele von ihnen haben in einem Kraftakt über die letzten Monate auf online umgestellt, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Und das möchte die CDU nun besteuern? Das ist eine Umverteilung vom Heute zum Gestern.”

Aktualisierung vom 21. Dezember 2020:

Bitkom: Händler nicht mit Sonderabgabe für ihre Digitalisierung bestrafen

Auch der deutsche Digitalwirtschafts-Verband “Bitkom” in Berlin hat inzwischen die vorgeschlagene Paketabgabe kritisiert: “Der Vorschlag einer Sonderabgabe für den Online-Handel bestraft Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen und scheint seltsam aus der Zeit gefallen”, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. “Der Online-Handel ist gerade im Lockdown unverzichtbar, um Kontakte zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Er ist insbesondere für diejenigen unverzichtbar geworden, die auf dem Land leben oder mobil eingeschränkt sind. Dem Online-Handel ausgerechnet jetzt eine Sonderabgabe aufzuerlegen, ist nicht nur unangemessen, sondern kontraproduktiv.” Zudem würden stationärer und digitaler Einzelhandel ohnehin zusammenwachsen: “Hybride Modelle aus Online- und Offline-Handel breiten sich weiter aus”, betonte Rohleder. Hinzu komme: “Einerseits werden Händler aufgefordert, stärker in digitale Geschäftsmodelle zu investieren und erhalten dafür Fördermittel. Andererseits sollen sie künftig mit einer Sonderabgabe für ihre Digitalisierung bestraft werden.”

Oiger-Kommentar

Die Diskussion um vermeintlich übermächtige US-Internetkonzerne hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren stark auf Amazon fokussiert. In der Praxis gibt es allerdings auch sehr erfolgreiche deutsche Online-Händler wie etwa Otto, Zalando, Cyberport und andere. Daneben haben sich flexible Präsenzgeschäfte inzwischen starke zusätzliche Vertriebskanäle im Internet aufgebaut oder setzen – wie etwa die “dm”-Gruppe – stark auf Multikanal-Konzepte, in der viele in der Branche die Zukunft des Einzelhandels sehen. Umgekehrt zeigen die Store-Konzepte von Amazon oder Apple, dass auch Unternehmen, die lange ausschließlich online verkauft haben, im physischen Einkaufserlaubnis einen Mehrwert für ihre Kunden sehen. Wer da als Einzelhändler über all die Jahre nicht ausreichend reagiert hat, dürfte kaum durch eine Paketabgabe auf Kosten der Konkurrenz auf Dauer zu retten sein.

Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: bevh, RND, Welt, Oiger-Archiv