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Roboterfirma „Coboworx“ wechselt nach Dresden

Cobotics: Mensch und Maschine sollen künftig enger zusammenarbeiten, auch ohne Schutzzäune. Foto: Kuka

Cobotics, deutsch Kobotik: Mensch und Maschine sollen künftig enger zusammenarbeiten, auch ohne Schutzzäune. Foto: Kuka

Mit „digitalen Zwillingen“ wollen die Trierer mit Fraunhofer in Sachsen den Masseneinsatz kooperativer Roboter vorbereiten.

Dresden, 4. August 2020. Die sächsische Landeshauptstadt profiliert sich derzeit als neuer aufstrebender Robotik-Standort. Und dieser Ruf hat nun auch zu einer Ansiedlung geführt: Die Roboter-Softwarefirma „Coboworx“ aus Trier ist deshalb ins Herz der Technologieregion „Silicon Saxony“ umgezogen. „Das technologische Umfeld und die wissenschaftliche Infrastruktur hier passen zu uns“, erklärte Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels. „Die Schnelligkeit und Interdisziplinarität in Dresden haben uns überzeugt.“

Rechnerwolke steuert immer mehr Roboter

Vor allem die Expertise der TU Dresden in der Mobilfunkforschung war wichtig für die Trierer: “Die Steuerung von Robotern verlagert sich immer mehr in die Cloud”, betonte Gehrels. Und gerade in Dresden forschen mit Koryphäen wie Prof. Gerhard Fettweis und Prof. Fitzek Fitzek daran, wie die Verbindung zwischen Roboter und Rechnerwolke möglichst sicher und reaktionsschnell per 5G- oder 6G-Funk realisierbar ist.

Auch Innovations-Fördergeld lockte

Daneben spielten aber wohl auch ein paar wirtschaftspolitische Lockmittel eine Rolle. Zum Beispiel Geld aus dem kommunalen Innovations-Förderfonds sowie die Chance, im Technologiezentrum „Universelle Werke“ rasch einen Firmensitz in Uni-Nähe aufschlagen zu können. „All das hat geholfen, Coboworx nach Dresden zu holen“, ist Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke überzeugt.

Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels. Foto: Joachim Stretz für Coboworx

Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels. Foto: Joachim Stretz für Coboworx

“Der Roboter wird jetzt zum Massenprodukt auch außerhalb der Automobilindustrie.”
Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels

Fünf Roboterindustrie-Experten hatten Coboworx im Jahr 2019 gegründet. Die Softwareschmiede hat sich seitdem darauf spezialisiert, den Robotereinsatz in kleinen und mittleren Unternehmen vorzubereiten und zu unterstützen. Dabei hilft die Firma den Kunden bei Kostenschätzungen, Risikoanalysen und Zertifizierungsverfahren. Dabei setzt sie auch „digitale Zwillinge“ ein. Das sind komplexe virtuelle Modelle der echten Roboter und Anlagen, die in der Computersimulation fortwährend mit Daten aus der realen Welt nachgefüttert werden.

Simulations-Experten bereiten in virtuellen Fabriken den Einsatz von Robotern vor. Foto: ISG

Simulations-Experten bereiten in virtuellen Fabriken den Einsatz von Robotern vor. Foto: ISG

Digitale Zwillinge simulieren Kobot-Arbeit in den Fabriken

In diesem Zuge hat Coboworx nun ein gemeinsames Projekt mit dem „Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik“ (IWU) in den „Universellen Werken Dresden begonnen. Damit reagieren die Entwicklungspartner auf einen Megatrend in der Industrie: Immer mehr Betriebe möchten „Kobots“ einsetzen, also kollaborative Roboter, die mit menschlichen Kollegen Hand in Hand arbeiten statt in einem abgeschirmten Käfig wie klassische Industrieroboter. Doch bevor solch ein flexibler Stahlknecht losrackern darf, muss die ganze Fabrik dafür eine spezielle Erlaubnis bekommen. Denn von den Kobots darf keine Gefahr für den Menschen ausgehen.

Fraunhofer und Coboworx wollen Sicherheitsrisiken für Menschen vorab ausmerzen

„Normalerweise ist das ein langwieriger und teurer Prozess“, erklärte Dr. Arvid Hellmich, der die IWU-Abteilung für technische Kybernetik leitet. „Unsere Lösung ist ein digitaler Zwilling, quasi eine Computersimulation der gesamten Produktionsanlage. Damit können wir die Sicherheitstests schon durchführen, während die Roboter noch aufgebaut werden.“ Damit wollen IWU und Coboworx mögliche Sicherheitsrisiken für Menschen noch vor dem Einsatz der „Kobot“ in den Fabriken erkennen und ausmerzen.

Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD

Robert Franke leitet die städtische Wirtschaftsförderung in Dresden. Foto: Frank Grätz für die LHD

Wirtschaftsförderer Franke hofft derweil, dass solche Kooperationen Schule machen und weitere Ansiedlungen anziehen: „In Dresden soll ein neuer Nukleus der Robotik wachsen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Recherche, Coboworx, LHD, Fraunhofer IWU

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