News, Wirtschaftspolitik, zAufi

Nanocenter endlich fertig

Der städtische Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke (2. von rechts) übergibt einen symbolischen Schlüssel für Haus 3 des nanocenters in Dresden Klotzsche an FMC-Chef Stefan Müller (l.), Nanocenter-Chef Steffen Rietzschel (2.v.l.) und Konrad Herre (r.). Foto: Heiko Weckbrodt

Der städtische Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke (2. von rechts) übergibt einen symbolischen Schlüssel für Haus 3 des nanocenters in Dresden Klotzsche an FMC-Chef Stefan Müller (l.), Nanocenter-Chef Steffen Rietzschel (2.v.l.) und Konrad Herre (r.). Foto: Heiko Weckbrodt

Happy End für ein Sorgenkind: Die alten ZMD-Gebäude in Klotzsche sind saniert und zu 75 Prozent von Gründern belegt.

Dresden, 27. März 2019. Aus einem kommunalpolitischen Sorgenkind ist zwölf Jahre nach der Geburt doch noch eine Erfolgsgeschichte geworden: Die Stadt hat die Häuser 1 und 3 der ehemaligen DDR-Chipschmiede ZMD in Klotzsche endlich saniert, darin das Hightech-Gründerzentrum „Nanocenter Dresden“ fertiggestellt – und das ist inzwischen sogar recht gut ausgelastet. Das haben Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke und Nanocenter-Chef Steffen Rietzschel gestern mitgeteilt.

18 Millionen seit 2007 in die alte DDR-Chipschmiede geflossen

Insgesamt sind in dieses Vorhaben seit dem Projektstart 2007 rund 18 Millionen Euro Steuergelder geflossen. Zuletzt hatte Rietzschel für viereinhalb Millionen Euro noch einmal rund 2500 Quadrater im Haus 3 sanieren lassen, um der mittlerweile recht hohen Nachfrage nach Büro- und Laborflächen nachzukommen. Aber auch von dieser neuen Ausbaustufe, die seit Anfang 2019 verfügbar ist, ist ein viertel schon wieder vermietet.

In Dresdens Hightech-Gründerszene geht die Post ab

„Derzeit passiert viel in der Dresdner Gründerszene“, erklärt sich Franke diesen Schub. Vor allem aus der Uni, der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), aus den Fraunhofer- und anderen Forschungsinstituten gründen sich immer mehr Unternehmen aus. Und gerade diese technologieorientierten „Start-ups“ sind es, die sich gerne in der Nähe der großen Chipfabriken, der etablierten Hightech-Schmieden und Institute in Flughafennähe ansiedeln.

“Idealer Standort”

„Für uns ist das ein idealer Standort“, sagt Konrad Herre, ein Urgestein der Dresdner Mikroelektronik, der nun die Firma „Sensry“ leitet. Die entstand jüngst aus einem Verbund-Forschungsprojekt von Fraunhofer und Globalfoundries und ist auf Module für das „Internet der Dinge“ spezialisiert. „Ich war heilfroh, dass wir im Nanocenter noch Räume bekommen haben, denn wir brauchen die unmittelbaren Kontakte zu den Mikroelektronik-Unternehmen und -Instituten hier in der Nähe.“

Mikroelektronik-Infrastruktur gibt es nur in wenigen Gründerzentren

Ähnlich sieht das Stefan Müller, der die Dresdner TU-Ausgründung FMC leitet. „Um unsere Speichertechnologie weiterzuentwickeln, brauchen wir den Zugang zu Druckluft, Vakuum, speziellen Gasen und andere Medienleitungen, die es in anderen Gründerzentren kaum gibt.“ Auch Reinräume lassen sich im Bedarfsfall nun im Nanoceneter einrichten – ein anderer Mieter ist gerade dabei, dies zu tun.

Das städtische Nanoelektronikzentrum Dresden soll eigentlich Hightech-Ansiedlungen anlocken - doch es agiert seit Jahren defizitär und hinter der sanierten Fassaden lauert noch erheblicher Sanierungsbedarf. Foto: Heiko Weckbrodt

Das städtische Nanoelektronikzentrum Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Nanocenter fraß weit mehr Zuschüsse als einst geplant

So voll des Lobes über das Nanocenter waren Wirtschaft und Politik aber nicht immer: Auf Initiative des damaligen Wirtschaftsbürgermeisters und heutigen Oberbürgermeisters Dirk Hilbert (FDP) gegründet, verbrannte das Zentrum anfangs Millionen Euro Steuergelder: Die Stadt kaufte die überlebten Industriegebäude, bekam aber weit weniger Fördermittel vom Land als anfangs eingeplant. Die Stadt musste das Vorhaben stark zusammenstreichen und dann wiederholt Geld nachschießen, weil sich immer neue Finanzlöcher auftaten. „Als ich 2014 an Bord kam, lag die Auslastung bei 30 Prozent“, erinnert sich Rietzschel.

Auch Fraunhofer will expandieren

Deutlich aufwärts ging es 2018: Haus 1 wurde fertig und näherte sich auch gleich der Vollauslastung. Fast zeitgleich kaufte der Freistaat der Stadt die Häuser 5 und 7 ab, um sie der Fraunhofer-Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Für die Forschungsgesellschaft sind die beiden Altbauten vor allem Expansions-Chancen. Für die Kommune bedeutete der Verkauf: ein Problem weniger! Die städtische Betreibergesellschaft “NanoelektronikZentrum Dresden GmbH” unter Rietzschel konnte sich nun darauf konzentrieren, das Haus 3 fertig zu sanieren und dort die Infrastruktur zu installieren, die Mikroelektronik-nahe Hightech-Firmen erwarten. Inzwischen umfasst das Nanocenter 7700 Quadratmeter, auf die sich 27 Mieter verteilen. Damit kommt das Zentrum nach der Erweiterung auf eine Auslastungsquote von etwa 75 Prozent. Am 10. April, 17.30 Uhr, wollen die Wirtschaftsförderer mit einem „Tag der offenen Tür“ das fertige Nanocenter vorstellen.

Autor: Heiko Weckbrodt