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3400 Jahre altes Bronzezeit-Dorf am Tagebau Nochten ausgegraben

Diese Gefäße wurden offensichtlich sozial höher Gestellten ins Grab beigegeben. Inzwischen sind diese Fundstücke restauriert. Foto: LEAG
Diese Gefäße wurden offensichtlich sozial höher Gestellten ins Grab beigegeben. Inzwischen sind diese Fundstücke von Nochten restauriert. Foto: LEAG

Landesarchäologen wollen alles dokumentieren, bevor die Kohlebagger kommen

Nochten, 18. März 2018. Die sächsischen Landesarchäologen graben derzeit im Vorfeld der Braunkohlebagger von Nochten eine 3400 Jahre alte, komplexe Bronzezeit-Siedlung aus. Heute haben sie die bisherigen Befunde erstmals gemeinsam mit dem Lausitzer Energieunternehmen LEAG vorgestellt. Sie stuften die Entdeckung in der Lausitz als sensationell ein: „Erstmals wurde auf engstem Raum eine vollständige bronzezeitliche Siedlungslandschaft entdeckt“, betonten sie.

Siedlung umfasste Wohnhäuser, Wirtschaftsteil und Friedhof

Es handelte sich offensichtlich um ein größeres Dorf mit mehreren spezialisierten Teilen, das zwischen 1400 und 1000 vor Beginn unserer Zeitrechnung bewohnt war. Auf rund zwei Hektar Fläche fanden die Archäologen unter anderem eine Wohnsiedlung, ein Wirtschaftsareal und einen Friedhof. „Mit 43 Meter Länge und 5 bis 6 Meter Breite ist darunter das größte bisher bekannte bronzezeitliche Haus in Ostsachsen“, berichtet Dr. Wolfgang Ender vom Landesamt für Archäologie Sachsen. Außerdem identifizierten die Experten 200 Getreide-Speichergruben sowie sieben Grabhügel und 95 Erdgräber.

Einige bekamen Grabbeilagen, andere nur ein Erdgrab

„Die Brandgräber wurden in getrennten Gruppen, auf die einzelnen Hügel bezogen, angelegt. Möglicherweise legte jeweils eine soziale Gruppe ihren Hügel an“, vermutet Ender. Einzelnen Verstorbenen seien Ausrüstungs- und Schmuckgegenstände beigegeben worden, die auf ihre soziale Rolle schließen lassen würden.

Das Kunstwerk "Feldzeichen" im Findlingspark Nochten interpretiert das Thema "Findlinge und Eiszeit". Foto: Peter Weckbrodt
Das Kunstwerk „Feldzeichen“ im Findlingspark Nochten interpretiert das Thema „Findlinge und Eiszeit“. Foto: Peter Weckbrodt

LEAG und Landesarchäologen wollen sich abstimmen

Die Archäologen wollen die Siedlung vollständig ausgegraben und dokumentiert haben, bevor die Kohlebagger bis zur Fundstelle vorgerückt sind. „Wir sind in einem stetigen Austausch mit den Archäologen, so dass wir uns in unserer Arbeit gegenseitig nicht behindern und die Untersuchungen im Vorfeld rechtzeitig vor Anrücken des Vorschnittbaggers abgeschlossen sind“, betonte Thomas Penk vom Unternehmen Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

hw

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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